Kfz-Versicherung wird wohl noch teurer - FlutschÀden 200 Millionen Euro
25.01.2024 - 13:44:24Schon 2024 dĂŒrften die BeitrĂ€ge in dem Segment um durchschnittlich zehn Prozent steigen, erklĂ€rte der PrĂ€sident des deutschen Versichererverbands GDV, Norbert Rollinger, am Donnerstag in einer Videokonferenz. 2023 hatten gestiegene Preise fĂŒr Reparaturen und Ersatzteile den Kfz-Versicherern einen Milliardenverlust eingebrockt. Viele Anbieter haben daher zum Jahreswechsel an der Preisschraube gedreht. Eine RĂŒckkehr in die schwarzen Zahlen ist fĂŒr die Kfz-Versicherer nach Rollingers EinschĂ€tzung jedoch erst nach weiteren Beitragserhöhungen im Jahr 2025 zu erwarten.
Denn Ersatzteile und Reparaturen dĂŒrften sich dem Verband zufolge 2024 weiter verteuern. Schon im vergangenen Jahr gaben die Kfz-Versicherer 2,9 Milliarden Euro mehr fĂŒr SchĂ€den, Verwaltung und Vertrieb aus, als sie an PrĂ€mien einnahmen. "Jedem eingenommenen Euro standen Ausgaben von 1,10 Euro gegenĂŒber", sagte Rollinger. Wie es 2024 weitergehe, hĂ€nge vor allem von der Entwicklung der Inflation ab. Schon in den vergangenen Jahren seien die Ersatzteil- und Reparaturkosten stĂ€rker gestiegen als die allgemeinen Verbraucherpreise.
Die Verluste im Kfz-GeschÀft zogen 2023 auch das Ergebnis der gesamten Schaden- und Unfallversicherung nach unten. Der versicherungstechnische Gewinn der Sparte brach um mehr als die HÀlfte auf 1,5 Milliarden Euro ein, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin mitteilte.
FĂŒr das laufende Jahr erwartet die Branche einen weiteren Anstieg der PrĂ€mien. Wie die Kfz-VertrĂ€ge dĂŒrften sich auch die GebĂ€udeversicherungen im Schnitt um etwa zehn Prozent verteuern, sagte Rollinger, der im Hauptberuf den genossenschaftlichen Versicherer R+V fĂŒhrt. Die BeitrĂ€ge der GebĂ€udeversicherungen sind in der Regel an die Entwicklung des Baukostenindex gekoppelt.
Das Weihnachtshochwasser in Deutschland dĂŒrfte die Versicherer trotz seiner riesigen AusmaĂe nicht so teuer zu stehen kommen wie von manchem gedacht. Es habe zum GlĂŒck wenige SchĂ€den an GebĂ€uden gegeben, sagte Asmussen. Der GDV erwartet durch die Ăberschwemmungen im Norden und der Mitte Deutschlands versicherte SchĂ€den von etwa 200 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 180 Millionen auf ElementarschĂ€den an GebĂ€uden, der Rest auf Fahrzeuge und Hausrat, sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jörg Asmussen.
Dass die Summe nicht höher ausfĂ€llt, liegt auch an der geringen Verbreitung von Elementarschadenversicherungen. Denn die normale GebĂ€udeversicherung zahlt nicht fĂŒr HochwasserschĂ€den. In Niedersachsen und Bremen seien nur gut 30 Prozent der HĂ€user gegen ElementarschĂ€den versichert, sagte Rollinger. Bundesweit seien es inzwischen 54 Prozent. Die gesamtwirtschaftlichen SchĂ€den dĂŒrften ohnehin weitaus höher sein. Infrastruktur wie StraĂen und BrĂŒcken sind gar nicht versichert.
Den LÀndern und Kommunen warf die GDV-Spitze Defizite bei der PrÀvention vor. "Viele Probleme vor allem beim Hochwasserschutz sind hausgemacht und hÀtten durchaus verhindert werden können", sagte Asmussen. So seien DÀmme und Deiche nicht an die Folgen des Klimawandels angepasst worden.
Weiterhin stellen sich die Versicherer gegen politische Ăberlegungen, Versicherungen gegen ElementarschĂ€den fĂŒr Hausbesitzer zur Pflicht zu machen. Ohne sanierte Deiche, renaturierte Flussauen und neue RĂŒckhaltebecken dĂŒrften sich die SchĂ€den in der WohngebĂ€udeversicherung in den nĂ€chsten zehn Jahren oder noch schneller verdoppeln, sagte Rollinger.
Der GDV plĂ€diert fĂŒr einen Baustopp in Ăberschwemmungsgebieten, vorbeugende Regelungen in den Landesbauordnungen und ein bundesweites Naturgefahrenportal. Zudem sollten Versicherer ihren Kunden eine Elementarschaden-Deckung kĂŒnftig verpflichtend anbieten mĂŒssen. Wer sie nicht haben möchte, muss sich dann aktiv dagegen entscheiden.
Im abgelaufenen Jahr steigerten die deutschen Versicherer ihre gesamten Beitragseinnahmen laut GDV lediglich um 0,6 Prozent auf knapp 225 Milliarden Euro. WĂ€hrend die Einnahmen im Schaden- und UnfallgeschĂ€ft um 6,7 Prozent auf 84,5 Milliarden Euro wuchsen, gingen sie in der Lebensversicherung um 5,2 Prozent auf 92 Milliarden Euro zurĂŒck. Vor allem LebensversicherungsvertrĂ€ge gegen Einmalbeitrag seien wegen der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage weniger gefragt gewesen, erklĂ€rte der Verband. Im Schaden- und UnfallgeschĂ€ft stiegen die Schadensummen mit 12,7 Prozent deutlich stĂ€rker als die BeitrĂ€ge.
FĂŒr das laufende Jahr zeigte sich der GDV optimistischer. In der Lebensversicherung dĂŒrften die gestiegenen Zinsen und damit höhere Ăberschussbeteiligungen den BeitragsrĂŒckgang stoppen, prognostiziert der Verband. Insgesamt sagt er der Versicherungsbranche einen Anstieg der Beitragseinnahmen um 3,8 Prozent voraus - getrieben vom Schaden- und UnfallgeschĂ€ft mit einem Plus von 7,7 Prozent.

