Babcock, Wilcox

Babcock & Wilcox: 61,4 Millionen Schuldentilgung geplant

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 17:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Babcock & Wilcox tilgt Anleihen und startet Aktienrückkauf. Analysten sehen trotz Kursverlusten und rechtlicher Risiken Potenzial.

Babcock & Wilcox: Schuldentilgung und Aktienrückkauf als Vertrauenssignal
Abstrakte Darstellung von finanzieller Stabilität und Schuldentilgung in einem modernen Bürokontext. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das US-amerikanische Energie- und Industrieunternehmen Babcock & Wilcox Enterprises (BW) versucht, das Vertrauen der Anleger durch signifikante Maßnahmen zur Kapitalstruktur zurückzugewinnen. Das Unternehmen hat die vollständige Tilgung seiner mit 6,50 Prozent verzinsten vorrangigen Schuldverschreibungen (Senior Notes) mit Fälligkeit im Jahr 2026 angekündigt. Das Gesamtvolumen dieser Maßnahme beläuft sich auf 61,4 Millionen US-Dollar. Parallel dazu hat das Board of Directors ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von bis zu 50 Millionen US-Dollar autorisiert, um der massiven Unterbewertung entgegenzuwirken, die das Management derzeit sieht.

Fokus auf Kapitalstruktur und Entschuldung

Die Strategie des Unternehmens sieht eine deutliche Reduzierung der Verbindlichkeiten vor. Nach Umsetzung der angekündigten Schuldentilgung belaufen sich die Pro-forma-Nettoverbindlichkeiten auf schätzungsweise 113,2 Millionen US-Dollar. Ziel des Managements ist es, das Verhältnis von Nettoverschuldung zum bereinigten EBITDA für das Jahr 2026 in einer Spanne zwischen 0,8 und 1,6 zu halten. Damit reagiert die Unternehmensführung auf den jüngsten Kursverfall, der die Aktie innerhalb der letzten 30 Tage deutlich unter Druck setzte.

Analysten schätzen den fairen Wert des Titels teilweise deutlich höher ein als das aktuelle Marktniveau. Während der Marktkonsens derzeit bei einer Einstufung als „Halten“ mit einem Kursziel von 14,25 US-Dollar liegt, gibt es Modelle, die einen fairen Wert von bis zu 24,67 US-Dollar sehen. Gestützt wird dieser Optimismus durch eine Projektpipeline, die ein Volumen von 10 bis 12 Milliarden US-Dollar umfasst, wobei der Auftragsbestand zuletzt bei 2,7 Milliarden US-Dollar lag.

Operatives Wachstum und regionale Umsatzverteilung

Im ersten Quartal 2026 meldete Babcock & Wilcox ein deutliches operatives Wachstum. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf 214,41 Millionen US-Dollar, was die Erwartungen der Analysten von knapp 150 Millionen US-Dollar deutlich übertraf. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich sogar um 300 Prozent. Trotz dieser Zuwächse blieb das Ergebnis je Aktie (EPS) mit einem Verlust von 0,60 US-Dollar hinter der Konsensschätzung von minus 0,03 US-Dollar zurück.

Die Umsatzstruktur des Konzerns zeigt eine starke Konzentration auf den nordamerikanischen Markt. Im Geschäftsjahr 2025 entfielen rund 71,13 Prozent des Gesamtumsatzes (418 Millionen US-Dollar) auf die USA und 15,42 Prozent (90,61 Millionen US-Dollar) auf Kanada. Weitere nennenswerte Beiträge stammten aus Indonesien, dem Vereinigten Königreich und den Philippinen. Die finanzielle Stabilität wurde Ende 2025 durch einen Barbestand von 89,5 Millionen US-Dollar untermauert, was eine deutliche Steigerung gegenüber den 23,4 Millionen US-Dollar des Vorjahres darstellt.

Rechtliche Herausforderungen und Marktbewegung

Überschattet werden die operativen Fortschritte von rechtlichen Auseinandersetzungen und Vorwürfen von Shortsellern. Wolfpack Research hatte im März den Vorwurf erhoben, dass ein Großauftrag über 2,4 Milliarden US-Dollar mit Base Electron intransparent sei. Es wird behauptet, dass es sich bei dem Vertragspartner um eine undurchsichtige Einheit handelt, die Verbindungen zum größten BW-Aktionär RILY aufweist. In der Folge wurden Sammelklagen von Investoren eingereicht, die dem Unternehmen irreführende Angaben im Zusammenhang mit diesem Vertrag vorwerfen. Zudem belasteten Kapitalerhöhungen im Volumen von 200 Millionen US-Dollar sowie Registrierungen für Mitarbeiteraktienprogramme den Kurs durch Verwässerungseffekte.

An der Börse zeigt sich das Papier weiterhin volatil. Am heutigen Montag notiert die Aktie bei 8,21 Euro, was einem Rückgang von 7,02 % gegenüber dem letzten Schlusskurs entspricht. Damit hat sich das Papier bereits weit von seinem 52-Wochen-Hoch von 19,65 Euro entfernt und liegt aktuell 58,22 % unter dieser Marke. Dennoch gibt es Anzeichen für institutionelles Interesse: Der Investmentmanager Cooper Creek Partners erwarb im ersten Quartal über eine Million Aktien für rund 15,2 Millionen US-Dollar und hält damit nun einen Anteil von 0,76 Prozent am Unternehmen.

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