Fresenius verdient ĂŒberraschend viel - Gut gewappnet gegen Zölle
07.05.2025 - 15:12:26(neu: Aussage aus der Analystenkonferenz, ErgÀnzungen aus der Presse-Pk, weiterer Analyst, Kurs aktualisiert.)
BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Der Krankenhaus- und Arzneimittelkonzern Fresenius DE0005785604 bleibt weiter im Aufwind. Dank seines Sparprogramms und dem guten Lauf der Generikatochter Kabi konnte das DaxDE0008469008-Unternehmen zum Jahresstart das wiederholte Mal in Folge sein Ergebnis ĂŒberraschend stark steigern. Auch das spanische KlinikgeschĂ€ft trug dazu bei. Konzernchef Michael Sen, der Fresenius seit Oktober 2022 fĂŒhrt und den Konzern bisher erfolgreich umkrempelt, zeigte sich zufrieden: "Wir sind mit einer hervorragenden GeschĂ€ftsentwicklung in das Jahr 2025 gestartet und bestĂ€tigen den Ausblick fĂŒr das Gesamtjahr", sagte er laut Mitteilung vom Mittwoch in Bad Homburg.
Die seit Anfang April bereits stark gelaufene Aktie zog auf die Zahlen hin auf ein Hoch seit 2021 bei 44,06 Euro. Nach einem zwischenzeitlichen RĂŒckschlag im Zuge einer allgemeinen SchwĂ€che von Gesundheitswerten war das Papier am Nachmittag wieder zurĂŒck im Plus - mit einem Aufschlag von zwei Prozent gehörte die Aktie zu den besten Dax-Werten. Damit setzt sich der gute Lauf weiter fort, seit dem Jahreswechsel hat der Kurs fast 30 Prozent zugelegt. Das Analysehaus Jefferies sprach von einem starken ersten Quartal. FĂŒr Falko Friedrichs von der Deutschen Bank erscheinen damit die bestĂ€tigten Konzernziele fĂŒr das Gesamtjahr gut erreichbar.
In der Prognose bereits berĂŒcksichtigt seien auch bekannte Risiken wie etwa nachteilige Zölle, hieĂ es vom Konzern weiter - allerdings nur, soweit sie aktuell abschĂ€tzbar seien. Dabei sieht Sen Fresenius mit Blick auf die aktuelle Zoll-Diskussion in den USA "extrem gut aufgestellt". Die Vereinigten Staaten seien ein sehr wichtiger Markt, in den die Bad Homburger bereits in der Vergangenheit investiert hĂ€tten und weiter investierten, um ihren "FuĂabdruck" dort noch zu vergröĂern, erlĂ€uterte er vor Journalisten.
Aktuell erwirtschaften die Hessen in den USA gut zehn Prozent des Gesamtumsatzes ĂŒber die Generikatochter Kabi. Der GroĂteil der in den USA verkauften Medikamente - 70 Prozent - werde lokal in den USA hergestellt, weshalb Fresenius im Fall tatsĂ€chlicher Einfuhrabgaben weniger betroffen sein dĂŒrfte als der GroĂteil der auswĂ€rts produzierenden Generika-Konkurrenz etwa aus Indien und China, so der Manager. Ob die Konzernprognose dann noch zu halten sei, lieĂ er offen. "Das ist alles noch Spekulation."
Die neue US-Regierung unter Donald Trump hat bisher Pharmaeinfuhren noch von ihrem riesigen Zoll-Paket ausgenommen, aktuell lĂ€uft aber eine ĂberprĂŒfung. "Wir sind mit den lokalen Behörden im Dialog", sagte Sen. Dabei könne der Konzern mit dem Pfund wuchern, dass Fresenius dem US-amerikanischen Gesundheitssystem essenzielle und zudem kostengĂŒnstige Generika bereitstelle, um einer Mangelsituation zu begegnen, ergĂ€nzte er.
Fresenius will der bestÀtigten Prognose zufolge im Gesamtjahr 2025 seinen Umsatz abseits von Sonder- und WÀhrungseffekten um vier bis sechs Prozent steigern. Im ersten Quartal stieg der konzernweite Erlös im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 5,63 Milliarden Euro; aus eigener Kraft - sprich ohne Effekte aus Zu- wie VerkÀufen und WÀhrungsschwankungen - lag das Plus ebenfalls bei sieben Prozent.
Kabi profitierte in dem Jahresviertel von florierenden GeschĂ€ften, insbesondere mit Biosimilars (biotechnologisch hergestellten Nachahmermedikamenten), aber auch von einem Zuwachs bei klinischer ErnĂ€hrung und Medizintechnik. In der Krankenhaussparte Helios sorgten unter anderem steigende Fallzahlen in den Kliniken in Deutschland, positive Preiseffekte und eine hohe Auslastung in den spanischen KrankenhĂ€usern fĂŒr Wachstum. Wegen des Wegfalls der staatlichen Energiehilfen in Deutschland ging das operative Ergebnis von Helios jedoch leicht zurĂŒck.
Dem standen deutliche ErgebniszuwĂ€chse bei Kabi und eine anziehende ProfitabilitĂ€t in den spanischen Kliniken gegenĂŒber, sodass konzernweit der Verdienst stieg: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) kletterte nominal und wechselkursbereinigt um vier Prozent auf 654 Millionen Euro. Das war besser als von Analysten im Schnitt erwartet. Auf Jahressicht soll dieser Wert zu konstanten Wechselkursen um drei bis sieben Prozent wachsen.
Um seine ProfitabilitĂ€t zu steigern, hatte der Konzern im Februar zudem ein Sparprogramm im KlinikgeschĂ€ft angekĂŒndigt - dieses liefere bereits erste operative BeitrĂ€ge, hieĂ es. Diese sollten aber vor allem in der zweiten JahreshĂ€lfte im Umfang weiter anschwellen.
Unter dem Strich zog das Ergebnis im KerngeschÀft im ersten Quartal um 12 Prozent auf 416 Millionen Euro an, ausgeklammert ist dabei die Beteiligung am Dialyseanbieter Fresenius Medical Care.
Nach der Reduzierung des Anteils am BlutwÀschespezialisten Fresenius Medical Care (FMC DE0005785802) starte der Konzern nun "aus einer noch stÀrkeren Position heraus" in die nÀchste Phase seines Spar- und Umbauprogramms, sagte Konzernchef Sen weiter. Dazu soll das KerngeschÀft mit Kabi und Helios durch Innovationen gestÀrkt werden. Wie bereits bekannt, plant das Unternehmen etwa den Ausbau der Biopharma-Pipeline. Auch die Digitalisierung in den KrankenhÀusern soll beschleunigt und Technologielösungen zur Vernetzung kritischer Klinikbereiche etabliert werden. Auf einer Analystenveranstaltung am Nachmittag erklÀrte Sen, auch ZukÀufe etwa im Biopharmabereich und bei klinischer ErnÀhrung seien möglich.
Fresenius hatte bei der FMC-Anteilsreduzierung im MĂ€rz bereits verkĂŒndet, dass das eingenommene Geld in den Ausbau des KerngeschĂ€fts flieĂen soll. Der Dax-Konzern verkaufte im FrĂŒhjahr FMC-Aktien und begab eine 2028 fĂ€llige Umtauschanleihe - durch beide Schritte zusammengenommen sinkt der Anteil von zuvor knapp einem Drittel deutlich: Fresenius will dadurch kĂŒnftig auf 25 Prozent plus eine Aktie kommen. Den Bruttoerlös aus den FMC-Transaktionen hatte Fresenius seinerzeit auf 1,1 Milliarden Euro beziffert.

