ROUNDUP, Bafög-Reform

Bafög-Reform auf den Weg gebracht - was geplant ist

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 12:58 Uhr | dpa.de

Bafög-EmpfÀnger sollen vom 1. April kommenden Jahres an mehr Geld bekommen.

Das Bundeskabinett brachte einen Gesetzentwurf auf den Weg, der höhere FördersÀtze und weitere Verbesserungen vorsieht. Bundestag und Bundesrat sollen das Paket im Herbst beraten und verabschieden.

So soll zuerst die Wohnkostenpauschale im Bafög fĂŒr diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, zum Sommersemester 2027 von jetzt 380 auf dann 440 Euro im Monat steigen. Das war eigentlich schon fĂŒr das bevorstehende Wintersemester geplant. Die Koalition konnte sich aber lange nicht auf die Finanzierung der Reform verstĂ€ndigen, was zu Verzögerungen fĂŒhrte.

Der Bafög-Grundbedarf fĂŒr Studierende, der aktuell bei 475 Euro liegt, soll anschließend in zwei Schritten auf 563 Euro - das aktuelle Niveau der Grundsicherung - angehoben werden: zum Wintersemester 2027/28 auf 503 und zum Sommersemester 2029 schließlich auf 563 Euro. Ab 2030 soll die Bafög-Höhe alle zwei Jahre ĂŒberprĂŒft und gesetzlich neu festgesetzt werden. Das soll mehr Stetigkeit ins System bringen.

BÀr sieht Aufstiegsversprechen durch Bafög gewÀhrleistet

Bundesforschungsministerin Dorothee BĂ€r (CSU) sagte: "Mit dem Kabinettbeschluss sind wir einen entscheidenden Schritt gegangen, damit das Bafög sein Aufstiegsversprechen erfĂŒllen kann." Das Bafög sei und bleibe die zentrale gesetzliche Leistung zur Finanzierung von akademischen und schulischen Ausbildungen. Es werde kĂŒnftig digitaler, die Verwaltung werde vereinfacht.

Auch SchĂŒler-Bafög steigt

Aktuell kommen Bafög-EmpfĂ€nger mit Grundbedarf und Wohnkostenpauschale auf bis zu 855 Euro, nach dem letzten Reformschritt 2029 wĂ€ren es bis zu 1.003 Euro. Wer seine Krankenversicherung selbst zahlt, bekommt dafĂŒr ZuschlĂ€ge, auch diese sollen steigen.

Das SchĂŒler-Bafög steigt ebenfalls. Wer etwa eine Berufsfachschule besucht und nicht mehr bei den Eltern wohnt, kann ab nĂ€chstem FrĂŒhjahr 713 statt bisher 666 Euro bekommen.

Bafög wird immer individuell berechnet. Maßgeblich sind unter anderem Einkommen von Eltern, Ehe- oder Lebenspartnern sowie eigenes Einkommen und Vermögen.

FreibetrĂ€ge steigen kĂŒnftig jĂ€hrlich

Hier setzt die Reform ebenfalls an: Die bei der Bafög-Berechnung geltenden FreibetrĂ€ge etwa fĂŒr Eltern oder Ehepartner werden vom 1. August 2028 an jĂ€hrlich um 1,5 Prozent erhöht. Das soll verhindern, dass der Kreis der Förderberechtigten durch Inflation und Lohnsteigerungen schleichend kleiner wird.

Kosten: Rund eine Milliarde Euro

AntrĂ€ge können kĂŒnftig nach dem Willen der Bundesregierung bis auf Ausnahmen nur noch ĂŒber das Portal "Bafög digital" gestellt werden. BĂŒrokratie fĂ€llt zudem durch das Streichen des sogenannten Leistungsnachweises weg. Bisher mussten Bafög-EmpfĂ€nger im fĂŒnften Semester nachweisen, dass sie beim Studium im Zeitplan liegen.

Die Mehrausgaben fĂŒr Bund, LĂ€nder und Gemeinden durch die Reform werden in den kommenden vier Jahren mit insgesamt gut einer Milliarde Euro veranschlagt.

Kritiker: Reform kommt zu spÀt und reicht nicht

Das Deutsche Studierendenwerk sprach von einem "wichtigen Signal". Sein Vorsitzender Matthias Anbuhl erklĂ€rte: "Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss endet eine viel zu lange Phase der politischen Ungewissheit." Es gebe aber Korrekturbedarf. So werde auch die erhöhte Wohnkostenpauschale weit unter der durchschnittlichen Miete von 512 Euro fĂŒr ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt liegen. Und die vollstĂ€ndige Angleichung des Bafög-Grundbedarfs an das Existenzminimum bis 2029 dauere zu lange.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nannte die Reform "ein verspĂ€tetes Reförmchen mit eingebautem Sozialabbau" und forderte: "Das darf der Bundestag nicht durchwinken." Die GrĂŒnen-Forschungspolitikerin Ayse Asar warf Union und SPD vor, die Studentinnen und Studenten im Stich zu lassen. Die Reform "kommt zu spĂ€t und greift zu kurz".

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht bei den Erhöhungen und kĂŒnftigen Anpassungen weiteren "Handlungsbedarf". Seine Vize-Vorsitzende Elke Hannack erklĂ€rte: "Die Ausbildung der nĂ€chsten Generation muss dieser Gesellschaft mehr wert sein."

EmpfÀnger-Zahl auf niedrigem Stand

2024 zĂ€hlte das Statistische Bundesamt rund 612.800 Bafög-EmpfĂ€nger - der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000. 71 Prozent davon wohnten nicht bei ihren Eltern. Unter den EmpfĂ€ngern waren 483.800 Studentinnen und Studenten und 129.000 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler. In Deutschland sind rund 2,9 Millionen Menschen zum Studium eingeschrieben, es gibt etwa 11,5 Millionen SchĂŒler.

Hohe Wohnkosten belasten Studierende

Die hohen Wohnkosten sind fĂŒr Studierende besonders belastend. Im Schnitt kostete ein WG-Zimmer nach einer Erhebung des Moses-Mendelssohn-Instituts zuletzt 512 Euro, mit großen regionalen Unterschieden: In MĂŒnchen waren es 800, in Bielefeld oder Bochum 375 bis 385 Euro. Studentinnen und Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, geben laut Statistischem Bundesamt im Schnitt mehr als die HĂ€lfte ihres Haushaltseinkommens fĂŒr Wohnkosten aus.

55 Jahre Bafög

Das "Bundesausbildungsförderungsgesetz" (Bafög) trat am 1. September 1971 in Kraft, um Bildungsschranken abzubauen, wie die damals zustĂ€ndige Bundesjugendministerin KĂ€te Strobel (SPD) sagte. Erst war es ein reiner Zuschuss ohne RĂŒckzahlung, spĂ€ter wurde daraus ein Volldarlehen. Seit 1990 gilt grundsĂ€tzlich: Eine HĂ€lfte ist geschenkt, die andere ist zurĂŒckzuzahlen. Millionen junger Leute haben sich mit Hilfe von Bafög bisher Studium und Schulausbildung finanziert.

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