Pallas Mission fĂŒr die Bahn - 'Brauchen zehn Jahre'
02.03.2026 - 06:35:12 | dpa.de"Die Schiene in Deutschland in Ordnung zu bringen, dafĂŒr werden wir zehn Jahre brauchen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Auch wenn wir jetzt so viel Geld vom Bund bekommen wie nie zuvor, wird die Sanierung der Schiene lange dauern." Palla verteidigte das Konzept mit lĂ€ngeren Vollsperrungen fĂŒr gebĂŒndelte Arbeiten. Am PĂŒnktlichkeitsziel der FernzĂŒge fĂŒr 2026 hĂ€lt die Bahn trotz Winterproblemen zum Start ins Jahr fest.
Dass ZugausfĂ€lle, geplatzte Umsteige-AnschlĂŒsse oder defekte ICE-Toiletten aufs Image drĂŒcken, kommt im Konzern an. "Eisenbahn ist MobilitĂ€t, Freiheit, auch ein LebensgefĂŒhl", sagte Palla. Im Zug aus dem Fenster zu gucken oder zu lesen, sei schön und entspannend. "Genau deswegen mĂŒssen wir etwas verĂ€ndern, weil die Menschen den Reiz der Eisenbahn oft vergessen haben."
"Eine Bahn, auf die alle wieder stolz sind"
"Das ist meine Mission: Eine Eisenbahn zu schaffen, auf die wir alle wieder stolz sind. Und zwar nicht nur die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, sondern das ganze Land.", sagte Palla, die den Bundeskonzern seit Oktober fĂŒhrt. "Aber der Weg dorthin wird fĂŒr alle steinig und schwer. So ehrlich mĂŒssen wir sein."
Reisende sollen aber nicht nur jahrelange Geduld haben. Es mĂŒsse "jetzt sofort auch ganz konkret bei den Kundinnen und Kunden ankommen, dass sich bei der Bahn etwas zum Positiven Ă€ndert", betonte die Bahnchefin. Deswegen setze die Bahn Sofortprogramme fĂŒr mehr Sauberkeit und Sicherheit am Bahnhof, fĂŒr Komfort im Fernverkehr und eine bessere Reisendeninformation um.
Die Bahn kĂ€mpft seit Jahren mit einer störanfĂ€lligen Infrastruktur. Bund und Bahn wollen daher bis 2036 mehr als 40 vielbefahrene Strecken grundlegend sanieren, um das Netz nach und nach zu ertĂŒchtigen. Die Abschnitte werden in der Regel ĂŒber Monate voll gesperrt. Zur Finanzierung sollen Mittel aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen des Bundes fĂŒr Infrastruktur flieĂen. In diesem Jahr will die Bahn mehr als 23 Milliarden Euro verbauen. Nach rund 26.000 Baustellen 2025 werden es in diesem Jahr voraussichtlich 28.000 sein.
Sanierungen mit Vollsperrung "alternativlos"
Palla hĂ€lt die "Generalsanierungen" weiterhin fĂŒr richtig - trotz Kritik wegen aktueller Verzögerungen zwischen Hamburg und Berlin. "Viele Jahre lang wurde zu wenig in das Schienennetz investiert", argumentierte sie."Deswegen können wir jetzt gar nicht anders, als ganze Korridore am StĂŒck zu sanieren, wenn wir in groĂen Schritten vorankommen wollen." Man baue nicht so, weil man jemanden Ă€rgern wolle, "sondern weil das mittlerweile einfach alternativlos ist."
Derzeit lĂ€uft die Sanierung Hamburg-Berlin, die bis Ende April abgeschlossen sein sollte. Aufgrund wochenlanger KĂ€lte mit tief gefrorenem Boden kamen die Arbeiten zuletzt aber nicht voran. Die Bahn verkĂŒndete deshalb, dass sich die Inbetriebnahme verzögert. Sie will am 13. MĂ€rz darĂŒber informieren, wie lange. Man warte bis dann, um sicherzustellen, "dass uns nicht noch ein Wintereinbruch ereilt und dass der Termin, den wir dann bekanntgeben, auch hĂ€lt", erlĂ€uterte Palla. "Es wird sich nicht um Monate handeln, wir sprechen hier von Wochen."
Die Probleme hatten Kritik am Sanierungskonzept wieder aufflammen lassen. Wettbewerber der Deutschen Bahn im GĂŒterverkehr monieren etwa, dass Umleitungen zu lang, nicht gut vorbereitet, ĂŒberlastet und marode seien. Die Bundesregierung hatte bei Amtsantritt vor allem die zeitliche Planung als zu straff kritisiert und eine VerlĂ€ngerung um sechs Jahre veranlasst.
Ăberlastete Bahnknoten
VerspĂ€tungen liegen aber nicht nur daran, dass das Netz zu alt ist - es ist auch zu voll. Politik und Branche diskutieren deswegen in einer Arbeitsgruppe ĂŒber mögliche Entlastungen. Dies betreffe insbesondere groĂe Knoten wie Hamburg, Berlin, Köln, MĂŒnchen und Frankfurt und den Regionalverkehr, der dort ĂŒberproportional gewachsen sei, erlĂ€uterte Palla. Man könne dies nur gemeinsam mit den LĂ€ndern angehen. Die Bahnchefin betonte: "Ich bin sicher, dass die Menschen verstehen, wenn wir sagen: Es fahren etwas weniger ZĂŒge - aber dafĂŒr sind die ZĂŒge, die fahren, deutlich pĂŒnktlicher und verlĂ€sslicher."
Nach zuletzt groĂen VerspĂ€tungsproblemen schlug der starke Wintereinbruch zu Jahresbeginn direkt wieder ins Kontor. "Der Januar hat uns natĂŒrlich keine Freude bereitet", sagte Palla. "Der Februar wird etwas besser sein. Aber auch im Februar hatte uns der Winter noch fest im Griff." Und natĂŒrlich wirke sich das auf die Jahresstatistik aus. "Das sind zwei Monate von zwölf, schon rein mathematisch muss das so sein. Das war kein guter PĂŒnktlichkeits-Start in 2026." Die Bahnchefin betonte zugleich: "An dem Ziel von 60 Prozent im Fernverkehr halten wir aktuell fest. Hieran arbeiten wir jeden Tag."
Als verspĂ€tet gilt ein Zug ab einer Verzögerung von sechs Minuten. Bei den Fahrpreisen gab es fĂŒr FahrgĂ€ste in ICE und Intercity immerhin StabilitĂ€t: Die Bahn verzichtete auf eine Anhebung im Dezember. "Wir schauen grundsĂ€tzlich jedes Jahr, ob und wie wir die Preise erhöhen", sagte Palla - das nĂ€chste Mal spĂ€testens im Herbst. "Es ist dann immer eine AbwĂ€gung: Was ist aufgrund der QualitĂ€t gerechtfertigt, und was ist betriebswirtschaftlich notwendig."
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