Bauministerium plant Enteignung von Schrottimmobilien
18.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deDas Bundesbauministerium will Kommunen schĂ€rfere Waffen gegen verfallene GebĂ€ude geben. Im Ă€uĂersten Fall sollen StĂ€dte Schrottimmobilien enteignen dĂŒrfen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) stellte die PlĂ€ne zur Reform des Baugesetzbuches vor.
Das scharfe Schwert der Kommunen
Bislang waren die Behörden bei verwahrlosten GebÀuden oft machtlos. Die neuen Regeln sehen einen gestuften Prozess vor. ZunÀchst können Gemeinden ein verbindliches Instandsetzungsgebot aussprechen.
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Weigern sich die EigentĂŒmer weiterhin, kann im Ă€uĂersten Fall eine Enteignung folgen. Die EntschĂ€digung orientiert sich am Verkehrswert. "Eigentum verpflichtet", betonte Hubertz. Das Instrument soll Missbrauch verhindern, bei dem Wohnraum durch bewussten Verfall dem Markt entzogen wird.
Aus den enteigneten Ruinen sollen bezahlbare Mietwohnungen oder kommunale UnterkĂŒnfte werden.
Kampf gegen KriminalitÀt und VerdrÀngung
Der Gesetzentwurf umfasst weitere Markteingriffe. Ein zentraler Punkt: Die WiedereinfĂŒhrung des kommunalen Vorkaufsrechts in Milieuschutzgebieten. Damit reagiert die Regierung auf ein frĂŒheres Gerichtsurteil.
Kommunen sollen so die soziale Mischung in Vierteln erhalten und die Umwandlung in Eigentumswohnungen bremsen können. Neu ist ein Vorkaufsrecht gegen KriminalitÀt und Extremismus.
Erfahren Behörden von VerkÀufen an organisierte KriminalitÀt oder extremistischer Gruppierungen, können Gemeinden den Verkauf stoppen. Das soll gezielte Landnahmen oder GeldwÀsche verhindern.
Finanzierung als gröĂte HĂŒrde
Die AnkĂŒndigung löste sofort politische Debatten aus. Der baupolitische Sprecher der Union, Jan-Marco Luczak, begrĂŒĂte grundsĂ€tzlich schĂ€rfere Werkzeuge. Er warnte aber vor einer uferlosen Ausweitung kommunaler Eingriffsrechte.
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Die praktische Umsetzung stellt viele StÀdte vor finanzielle Probleme. Enteignungen oder VorkÀufe kosten Geld, das strukturschwache Kommunen oft nicht haben. Gelsenkirchen etwa meldet 400 bis 500 Problemimmobilien.
Zur UnterstĂŒtzung verweist die SPD auf aufgestockte Mittel fĂŒr die StĂ€dtebauförderung. Bis 2029 stehen hier ĂŒber 1,5 Milliarden Euro bereit.
Paradigmenwechsel fĂŒr den Immobilienmarkt
Die PlĂ€ne markieren einen deutlichen Einschnitt. In den vergangenen Jahren hatten sich spekulative GeschĂ€ftsmodelle etabliert: Investoren lieĂen GebĂ€ude verfallen, um auf steigende Bodenwerte zu hoffen.
Mit der Enteignungsandrohung verschlechtert sich das Risiko-Rendite-Profil drastisch. Analysten erwarten nun Druck auf EigentĂŒmer, ihre GrundstĂŒcke zu sanieren oder zu verkaufen. Der Fokus liegt klar auf der Schaffung regulĂ€rer Mietwohnungen.
Was kommt als nÀchstes?
ZunĂ€chst muss der Entwurf in der Koalition final abgestimmt werden. Ob er in dieser Form das parlamentarische Verfahren ĂŒbersteht, ist offen. Die Union kĂŒndigte eine kritische PrĂŒfung verfassungsrechtlicher Detailfragen an.
Kommt das Gesetz, erhalten StĂ€dte noch in diesem Jahr ein mĂ€chtiges Instrument. Die langfristige Wirkung hĂ€ngt davon ab, ob Kommunen die komplexen Verfahren auch praktisch stemmen können. FĂŒr die Immobilienwirtschaft ist klar: Der Gesetzgeber unterscheidet kĂŒnftig rigoroser zwischen Wohnraumschaffung und reiner Spekulation.
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