Produktion/Absatz, Deutschland

Bauspar-Boom hÀlt an - Entwicklung verliert aber an Tempo

04.01.2024 - 05:39:28

BausparvertrÀge stehen bei den Menschen in Deutschland nach wie vor hoch im Kurs.

FĂŒr 2023 erwarte man ein Plus von etwa 15 Prozent - sowohl bei der Anzahl der NeuvertrĂ€ge als auch bei der Bausparsumme, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Privaten Bausparkassen, Bernd Hertweck, der Deutschen Presse-Agentur.

Weitere ZuwÀchse auf hohem Niveau

Die Institute können somit auf hohem Niveau zulegen - auch wenn die Entwicklung etwas an Tempo verliert: Im Jahr 2022 hatten die privaten Bausparkassen rund 895 000 VertrĂ€ge ĂŒber eine Summe von ungefĂ€hr 59,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Beim Volumen hatte das im Vergleich zum Jahr 2021 einem Zuwachs von 47 Prozent entsprochen, die Zahl der NeuvertrĂ€ge war um 15 Prozent gestiegen.

Den Landesbausparkassen (LBS) lag noch keine Prognose fĂŒr das gesamte Jahr 2023 vor. Von Januar bis September setzte sich jedoch auch bei den Bausparkassen der Sparkassen die positive Entwicklung im NeugeschĂ€ft fort. Sie schlossen nach eigenen Angaben in dieser Zeit rund 382 000 neue BausparvertrĂ€ge mit einem Volumen von 24,9 Milliarden Euro ab. LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann bezifferte den Zuwachs bei der Anzahl der VertrĂ€ge auf 7,7 Prozent. Das Bausparsumme legte - ebenfalls im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum - um 4,4 Prozent zu. FĂŒr das Gesamtjahr 2022 war der Zuwachs bei VertrĂ€gen und Bausparsumme noch deutlich zweistellig.

Ende der Niedrigzinspolitik der EZB treibt das GeschÀft

Die GrĂŒnde fĂŒr den Boom des Finanzprodukts sind unverĂ€ndert: "Eigenkapitalaufbau in Kombination mit Zinsabsicherung und Vorsorge fĂŒr die Heizwende waren die entscheidenden Nachfragemotive", sagte Hertweck, der auch Vorstandschef der WĂŒstenrot Bausparkasse ist.

BausparvertrĂ€ge teilen sich in zwei Phasen auf: Die Sparerinnen und Sparer zahlen regelmĂ€ĂŸig Geld ein, um nach einigen Jahren das Recht auf einen niedrig verzinsten Kredit zu bekommen - dadurch haben sie Planungssicherheit, zum Beispiel fĂŒr den Kauf einer Wohnung. DarĂŒber hinaus erhalten sie Guthabenzinsen.

Die Niedrigzinspolitik der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) nach der Finanzkrise hatte das GeschĂ€ft der Bausparbranche jedoch jahrelang unter Druck gesetzt. GĂŒnstige Kredite waren nichts Besonderes mehr, sondern eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Doch nach der Zinswende der EZB Mitte 2022 haben sich Immobilienkredite deutlich verteuert - und die Nachfrage nach BausparvertrĂ€gen in die Höhe schießen lassen.

Nachfrage bleibt hoch - auch fĂŒr energetische Sanierung

Beim Ausblick auf 2024 geben sich die privaten Institute vorsichtig optimistisch: Wegen der leicht gesunkenen Immobilienzinsen erwarten sie kurzfristig eher eine SeitwĂ€rtsentwicklung. Mittelfristig seien auch kleine RĂŒcksetzer möglich, sagte Hertweck. Aber: "Die große Zinswende nach unten, die von einigen schon ausgerufen wird, sehe ich noch nicht. Bausparen bleibt attraktiv." Etwas positiver blicken die Landesbausparkassen in die Zukunft: Man gehe davon aus, dass sich die bisherige Entwicklung 2024 fortsetze - die Nachfrage nach BausparvertrĂ€gen also hoch bleibe, hieß es.

Dazu soll auch die voraussichtlich steigende Nachfrage nach Krediten fĂŒr die Finanzierung von energetischen Sanierungen beitragen. Die Sanierungspflichten in der EU seien zwar vom Tisch, sagte Guthmann. "Da aber durch den steigenden CO2-Preis das Heizen noch deutlich teurer wird, lĂ€sst der Druck kaum nach, die eigenen vier WĂ€nde energetisch fit zu machen." Eine Entwicklung, die auch die Privaten beobachten: "Der Bausparvertrag wird immer mehr zum Energiesparvertrag", sagte Hertweck.

Die Landesbausparkassen stehen fĂŒr rund ein Drittel des deutschen Marktes, den Rest teilen sich die privaten Institute. Kernland der Branche ist Baden-WĂŒrttemberg. Die vier Bausparkassen im SĂŒdwesten vereinigen auf sich nach eigenen Angaben fast 60 Prozent des Marktes und vertreten mehr als 12 Millionen Kunden. Neben dem Branchenprimus SchwĂ€bisch Hall haben die grĂ¶ĂŸte deutsche LBS - die LBS SĂŒd - sowie WĂŒstenrot und die Deutsche Bausparkasse Badenia dort ihren Sitz.

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