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Menschen in Deutschland mĂŒssen lĂ€nger arbeiten

04.01.2026 - 17:44:29

Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) hĂ€lt es fĂŒr nötig, dass die Deutschen lĂ€nger arbeiten und sich seltener und kĂŒrzer krankschreiben lassen.

Mit Blick auf die Finanzierungsprobleme der Rentenkasse sagte er der "Bild am Sonntag": "Wenn wir immer mehr Ă€ltere und immer weniger jĂŒngere Menschen haben, kann man das nur ausgleichen, indem Deutschland lĂ€nger arbeitet. Und zwar generell in der Lebenszeit."

Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Bayern wird in Deutschland bereits heute viel gearbeitet. VollzeitbeschÀftigte kÀmen im Schnitt auf 41,4 Wochenstunden.

"Schweizer arbeiten viel lÀnger"

Söder zufolge muss das Kernziel sein, Strukturen zu finden und Gesetze anzupassen, damit wieder lÀnger gearbeitet wird. "Das gilt in der Woche, das gilt im Jahr. Schweizer arbeiten zum Beispiel viel lÀnger", meinte Söder. "Man muss nicht ein ganzes Leben lÀnger arbeiten, wenn man in der Woche lÀnger arbeitet. Deswegen werden vielleicht Lebensarbeitszeitkonten spannend", sagte er. Letztlich gelte aber: "Im Endeffekt muss man lÀnger arbeiten."

Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der BeschÀftigten ist in Deutschland wie auch EU-weit in den vergangenen Jahren leicht gesunken. Zugleich ist aber die Zahl der ErwerbstÀtigen gestiegen.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte Ende vergangenen Jahres beschlossen, eine Rentenkommission einzusetzen. Sie soll bis Mitte des laufenden Jahres VorschlĂ€ge machen, wie die Altersvorsorge gesichert und eine Überlastung von Beitrags- und Steuerzahlern vermieden werden kann - auch nach dem immer zahlreicheren Renteneintritt der Babyboomer.

Söder fĂŒr Karenztage und frĂŒhere Pflicht zur Krankschreibung

Söder beklagte mit Blick auf steigende Gesundheitskosten auch, es werde "zu oft und zu schnell krankgeschrieben in Deutschland". "Deswegen wĂ€re es wichtig, dass wir im Gesundheitssystem darĂŒber nachdenken, Karenztage wieder einzufĂŒhren, also dass die Lohnfortzahlung erst spĂ€ter stattfindet, dass die Krankschreibepflicht frĂŒher stattfinden muss, also zum Beispiel ab dem dritten Tag", sagte Söder, der auch CSU-Chef ist.

In der Bundesrepublik gilt - anders als in einigen anderen LĂ€ndern - seit Jahrzehnten die Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag. Eine ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung mĂŒssen Arbeitnehmer in Deutschland bislang spĂ€testens am vierten Krankheitstag vorlegen.

Der Vorsitzende des DGB Bayern, Bernhard Stiedl, sagte dazu: "Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist ein zentrales soziales Schutzrecht." EinschrĂ€nkungen wĂŒrden dazu fĂŒhren, dass mehr Menschen krank zur Arbeit gingen - mit höheren Unfallrisiken, mehr Fehlern und langfristig steigenden Kosten fĂŒr Betriebe und Sozialversicherungen. "Wer den Krankenstand senken will, muss ĂŒber Arbeitsbedingungen, Personalnot und steigenden Leistungsdruck sprechen - nicht ĂŒber Sanktionen bei Krankheit."

Söder sprach sich zudem dafĂŒr aus, Teil-Krankschreibungen nach skandinavischem Vorbild einzufĂŒhren. "Das heißt, bei leichten Beschwerden nicht den ganzen Tag krank bleiben, sondern nur den halben Tag. Das wĂ€re manchmal wichtiger als manche Debatten, die es jetzt ĂŒber Zuzahlungen gibt."

@ dpa.de