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Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 07:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBearingPoint-Studie: Fossile Nachfrage bleibt in Deutschland lĂ€nger bestehen als erwartet (FOTO) Frankfurt (ots) - Steigende Energiepreise verĂ€ndern das Verhalten der Verbraucher, fĂŒhren aber nicht automatisch zu einem Umstieg auf klimafreundlichere Energielösungen.
Steigende Energie- und Kraftstoffpreise verĂ€ndern bereits spĂŒrbar das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, lösen aber nicht automatisch Investitionen in klimafreundlichere Energielösungen aus. Laut einer reprĂ€sentativen Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint geben 38 Prozent der Befragten an, aufgrund der Energie- und Kraftstoffpreise der vergangenen zwölf Monate weniger Auto zu fahren. Gleichzeitig nutzt rund jeder vierte Befragte hĂ€ufiger Alternativen: 11 Prozent nutzen hĂ€ufiger den öffentlichen Nahverkehr, 13 Prozent das Fahrrad und 4 Prozent hĂ€ufiger ein E-Auto. 42 Prozent der Befragten berichten, dass die Energie- und Kraftstoffpreise keine Auswirkungen auf ihr MobilitĂ€tsverhalten hatten.
Kein schneller Umstieg auf klimafreundlichere Energielösungen
Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass ein schneller flĂ€chendeckender Umstieg auf klimafreundlichere Energielösungen fĂŒr viele Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit nicht geplant ist. 53 Prozent der befragten Menschen in Deutschland geben an, in den nĂ€chsten zwei Jahren weder im Bereich MobilitĂ€t noch beim Heizen klimafreundlichere Energielösungen nutzen zu wollen. 15 Prozent planen einen Umstieg im Bereich MobilitĂ€t, etwa auf E-Auto oder Hybrid, und 11 Prozent planen einen Umstieg im Bereich Heizen, etwa auf WĂ€rmepumpe oder FernwĂ€rme.
Hierbei zeigen sich deutliche Unterschiede nach Einkommen. Im unteren Einkommensdrittel planen nur 5 Prozent einen Umstieg im Bereich MobilitÀt und 4 Prozent im Bereich Heizen. Im oberen Einkommensdrittel sind es 21 Prozent bei der MobilitÀt und 16 Prozent beim Heizen.
Das bedeutet: Die fossile Nachfrage verschwindet nicht abrupt. Sie bleibt am lĂ€ngsten dort bestehen, wo Kapital und Alternativen fehlen. Ablesbar ist das an weiterhin ĂŒber 19 Millionen Ăl- und Gasheizungen im Bestand, deren Zahl nur langsam zurĂŒckgeht. Ăl und Gas werden damit planbar und ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum gebraucht.
Die Umfrage zeigt damit eine zentrale Herausforderung der Energietransformation: PreisĂ€nderungen fĂŒhren meist schneller zu Verhaltensanpassungen als zu strukturellen Investitionsentscheidungen. Verbraucherinnen und Verbraucher können kurzfristig auf höhere Kosten reagieren, indem sie weniger Auto fahren, nicht notwendige MobilitĂ€t vermeiden oder hĂ€ufiger auf ĂPNV und Fahrrad ausweichen. Der Schritt zu klimafreundlicheren Investitionen, etwa in E-MobilitĂ€t oder klimafreundlichere Heizsysteme, ist dagegen mit deutlich mehr Voraussetzungen verbunden und hĂ€ngt stĂ€rker von Einkommen, Wirtschaftlichkeit und verfĂŒgbaren Alternativen ab.
"Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren auf steigende Energiepreise unmittelbar. Der Schritt vom Sparen zum Investieren fÀllt jedoch deutlich schwerer. Ob sich klimafreundliche Energielösungen durchsetzen, hÀngt deshalb vor allem von ihrer Wirtschaftlichkeit ab. Aus Unternehmensperspektive werden vergleichbare, bezahlbare, verlÀssliche und kundengerechte Angebote zum entscheidenden Erfolgsfaktor der Transformation", sagt Nina London, Partnerin bei BearingPoint.
Rund ein Drittel sieht Risiken oder EngpÀsse bei der Energieversorgung
Im Rahmen der Umfrage hat BearingPoint auch untersucht, wie die Menschen in Deutschland das Thema Versorgungssicherheit beurteilen. Demnach halten 57 Prozent der Befragten die Energieversorgung der kommenden fĂŒnf Jahre fĂŒr sicher. Allerdings sehen 40 Prozent diese Sicherheit nur mit EinschrĂ€nkungen, rund ein Viertel rechnet mit Risiken und jeder Zehnte mit EngpĂ€ssen. Zusammengenommen sieht damit rund ein Drittel der Befragten Risiken oder EngpĂ€sse bei der Energieversorgung.
Bemerkenswert ist das vor dem Hintergrund der tatsĂ€chlichen Lage: Die physische Versorgung war auch in angespannten Phasen durchgehend gewĂ€hrleistet. Von der Gasmangellage 2022 bis zu den jĂŒngsten geopolitischen Spannungen kam es zu keinem Zeitpunkt zu einer Rationierung der Energieversorgung oder Abschaltung von Verbrauchern. SpĂŒrbar wurde die Belastung nicht an leeren Tanks, sondern an Preisen und Kosten.
Genau darin liegt das Muster, das die Umfrageergebnisse sichtbar machen: Wahrgenommene Sicherheit ist heute weniger eine Frage physischer VerfĂŒgbarkeit als von Preis, Kosten und Vertrauen. Das zeigt sich auch in der Verteilung: Im oberen Einkommensdrittel fĂŒhlen sich 64 Prozent sicher, im unteren nur 45 Prozent.
FĂŒr den Ăl- und Gasmarkt heiĂt das: Resilienz bemisst sich nicht allein an Versorgungsmengen. Eine sinkende fossile Nachfrage erhöht die Sicherheit nicht automatisch. Sie kann den wirtschaftlichen Druck auf die Infrastruktur, die diese Versorgung trĂ€gt, sogar verstĂ€rken.
Resilienz wird zur Investitions- und Steuerungsfrage
Aus Sicht von BearingPoint entsteht die zentrale Herausforderung aus der Gleichzeitigkeit mehrerer Entwicklungen: Fossile MĂ€rkte schrumpfen langfristig, verschwinden aber nicht abrupt. Gleichzeitig mĂŒssen Netze, Lieferketten, Speicher, Raffinerie- und Vertriebsstrukturen zuverlĂ€ssig weiterbetrieben werden. Unternehmen stehen damit vor der Aufgabe, kritische Infrastruktur fĂŒr eine lange Ăbergangsphase zu sichern, wĂ€hrend die wirtschaftliche Grundlage dieses Marktes perspektivisch abnimmt.
Damit verschiebt sich die Resilienzfrage im Ăl- und Gasmarkt. Es geht nicht nur darum, kurzfristige EngpĂ€sse zu vermeiden, sondern darum, den Ăbergang wirtschaftlich, technisch und gesellschaftlich tragfĂ€hig zu gestalten. Energieunternehmen mĂŒssen stĂ€rker segmentieren, welche Kundengruppen wann umsteigen können, welche weiterhin auf fossile EnergietrĂ€ger angewiesen sind und welche Investitionen notwendig bleiben, um Versorgungssicherheit auch in der Ăbergangsphase zu gewĂ€hrleisten.
"Die zentrale Frage lautet, wie kritische Infrastruktur in einer langen Ăbergangsphase wirtschaftlich, resilient und investierbar bleibt. Unternehmen mĂŒssen deshalb deutlich stĂ€rker steuern, welche Assets modernisiert, transformiert oder verkauft werden. Resilienz wird damit zunehmend zu einer Investitions- und Steuerungsfrage", so Nina London.
Ăber die Umfrage
Die Daten basieren auf einer Online-Umfrage von BearingPoint ĂŒber das Marktforschungsinstitut YouGov. FĂŒr die Befragung wurden im Zeitraum vom 3. bis 6. Juli 2026 insgesamt 2.016 Personen in Deutschland befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschlieĂend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind reprĂ€sentativ fĂŒr die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
Ăber BearingPoint
BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite, die Unternehmen mithilfe moderner Technologien transformiert. Wir unterstĂŒtzen Unternehmen bei der Transformation, indem wir fundiertes Branchenwissen mit starken Kompetenzen in Strategie, GeschĂ€ftsprozessen, Technologie und KI kombinieren. Unsere Beraterteams arbeiten dabei in unterschiedlichsten Industrien - immer nah am Kunden. Spezialisierte SAP- und Microsoft-Einheiten, ein starker Fokus auf KI sowie ergebnisorientierte Softwarelösungen ermöglichen maĂgeschneiderte, innovative Lösungen fĂŒr die Herausforderungen unserer Kunden.
Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.
BearingPoint gehört zu den TIME World's Best Companies und den Forbes World's Best Employers. Das Unternehmen ist zudem eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfĂŒllt.
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