GDL-Mitglieder stimmen fĂŒr unbefristete Streiks bei der Bahn
19.12.2023 - 17:16:08Die Mitglieder der LokfĂŒhrergewerkschaft GDL haben per Urabstimmung den Weg fĂŒr unbefristete ArbeitskĂ€mpfe freigemacht, wie GDL-Chef Claus Weselsky am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. 97 Prozent der abstimmenden Mitglieder sprachen sich demnach dafĂŒr aus. "Insgesamt gesehen haben die Kolleginnen und Kollegen ein klares Signal gesendet", sagte Weselsky zum Ergebnis. FĂŒr unbefristete Streiks waren 75 Prozent Zustimmung nötig. Laut Weselsky lag die Wahlbeteiligung bei mehr als 70 Prozent.
Die Gewerkschaft hatte zuletzt versprochen, bis einschlieĂlich 7. Januar nicht zu ArbeitskĂ€mpfen aufzurufen - danach haben Weselsky und seine Mitglieder durch das Votum aber die Möglichkeit, auch tagelang die Bahn zu bestreiken. "Das, was jetzt kommt, wird krĂ€ftiger, wird lĂ€nger, wird hĂ€rter fĂŒr die Kunden", kĂŒndigte der Gewerkschaftschef an im Vergleich zu den bisherigen Warnstreiks an.
VerhÀrtete Fronten beim Thema Arbeitszeit
Die GDL und die Deutsche Bahn verhandeln im aktuellen Tarifkonflikt erst seit Anfang November, haben sich dabei aber in kĂŒrzester Zeit verhakt. Bereits nach der zweiten Runde erklĂ€rte Weselsky die Verhandlungen fĂŒr gescheitert und schob in der Folge die Urabstimmung unter den GDL-Mitgliedern an.
Ein zentraler Knackpunkt des Konflikts ist die von der GDL geforderte Absenkung der Wochenarbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter bei vollem Lohn. Die Gewerkschaft will eine Absenkung von 38 auf 35 Stunden erreichen. Die Bahn hĂ€lt das unter anderem mit Blick auf den FachkrĂ€ftemangel fĂŒr unerfĂŒllbar. Zudem fordert die Gewerkschaft unter anderem 555 Euro mehr pro Monat sowie eine steuer- und abgabenfreie InflationsausgleichsprĂ€mie. Die Bahn hat bereits unter anderem elf Prozent mehr in Aussicht gestellt - allerdings bei einer Laufzeit von 32 Monaten.
LĂ€ngster GDL-Streik im Personenverkehr dauerte 127 Stunden
Nach einer Urabstimmung mĂŒssen Streiks prinzipiell nicht mehr zeitlich begrenzt werden. "Wir sind so verantwortungsbewusst, dass wir nicht auf ewige Zeiten streiken werden", sagte Weselsky aber kĂŒrzlich. Bei weiteren 24-Stunden-Streiks bleibe es aber eben auch nicht.
Bei vorigen Tarifrunden waren mehrtĂ€gige Streiks keine Seltenheit. Der bisher lĂ€ngste GDL-Streik bei der Bahn fand mit 127 Stunden (5 Tage plus 7 Stunden) im Personenverkehr und 138 Streikstunden (5 Tage plus 18 Stunden) im GĂŒterverkehr im Mai 2015 statt. Damals handelte es sich allerdings um den bereits achten Streik seit Beginn des Tarifkonflikts. 2021 streikte die GDL fĂŒr etwa fĂŒnf Tage.
FĂŒr lĂ€ngere Streiks sind Urabstimmungen nötig, weil nur so gewĂ€hrleistet werden kann, dass eine breite Mehrheit der Mitglieder die Strategie der GewerkschaftsfĂŒhrung auch unterstĂŒtzt. FĂŒr die BeschĂ€ftigten bedeutet jeder Streiktag Einnahmeverluste. Zwar gleichen Gewerkschaften den Lohn- und Gehaltsausfall aus der Streikkasse aus, aber in der Regel nicht in vollem Umfang. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben darum per Urabstimmung das Signal, dass sie zu diesem finanziellen Opfer bereit sind.
Bereits zwei Warnstreiks
Im aktuellen Tarifkonflikt hat die Gewerkschaft bisher zweimal mit 20 beziehungsweise 24 Stunden langen Warnstreiks im Personenverkehr die meisten ZĂŒge zum Stehen gebracht. Zusammen mit den ArbeitskĂ€mpfen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG gab es damit im laufenden Jahr vier Warnstreiks auf der Schiene.

