Klarer Sieg des russlandfreundlichen Ex-PrÀsidenten
20.04.2026 - 15:57:56 | dpa.deDer als russlandfreundlich geltende Ex-General konnte rund 44,6 Prozent der Stimmen am Sonntag auf sein BĂŒndnis Progressives Bulgarien (PB) vereinigen. Damit dĂŒrfte PB die absolute Mehrheit im 240 Sitze umfassenden Parlament haben.
Radew zeigte seine NÀhe zu Russland auch im Wahlkampf. In einem Video bei einer Wahlversammlung zum Abschluss seiner Wahlkampagne in der Hauptstadt Sofia war etwa eine Sekunde lang ein Treffen Radews mit dem russischen PrÀsidenten Wladimir Putin zu sehen.
Foto mit Putin
Dieses Foto soll Wahlexperten zufolge das Wahlergebnis von zwei politischen Gruppierungen verbessert haben - auĂer Radews Allianz PB auch des liberal-konservativen proeuropĂ€ischen Verbands PP-DB. Dieser schnitt bei der Neuwahl als drittstĂ€rkste Kraft mit rund 12,7 Prozent der Stimmen ab. Im Gegensatz zu Radews AnhĂ€ngern war PP-DB empört ĂŒber das Foto. Es habe beiden Seiten "Brennstoff gegeben", sagte der Soziologe Andrej Rajtschew im Fernsehsender bTV.
Russland-Freunde und Russland-Gegner in Bulgarien
Die bulgarische Gesellschaft ist in Bezug zu Russland historisch stark gespalten. Die einen sehen Russland als Befreier von den TĂŒrken und auch vom Faschismus. FĂŒr die anderen ist Russland ein Besatzer, der den Kommunismus in dem sĂŒdosteuropĂ€ischen Land durchgesetzt hatte. Die GegenĂŒberstellung von Russland-Freunden und -Gegnern reicht bis ins 19. Jahrhundert zurĂŒck.
Der Ex-General und frĂŒhere Kampfjet-Pilot Radew war im Januar vom Amt des StaatsprĂ€sidenten zurĂŒckgetreten, um an der Wahl teilzunehmen. Die potenziellen WĂ€hler seiner Allianz seien im linken, nationalistischen und prorussischen Spektrum zu verorten, schreibt die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in ihrem LĂ€nderbericht zur Abstimmung. Im Wahlkampf habe Radew sich nicht klar zu Russland positioniert, sondern die Wahrung nationaler Interessen innerhalb der Nato und EU betont.
Radew kein "bulgarischer OrbĂĄn"
"Es ist wenig wahrscheinlich, dass sich Radew zumindest bei seinen Beziehungen zu den europĂ€ischen Kollegen offen eine Rhetorik im OrbĂĄn-Stil aneignet", sagte die Leiterin des BĂŒros des EuropĂ€ischen Rats fĂŒr AuĂenpolitik in Sofia, Maria Simeonowa, der Internetzeitung mediapool.bg zufolge mit Blick auf den jĂŒngst abgewĂ€hlten ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor OrbĂĄn. Radews Kritik, vor allem an der finanziellen und militĂ€rischen UnterstĂŒtzung der Ukraine oder an den Russland-Sanktionen, sei hauptsĂ€chlich an die heimische Zuhörerschaft gerichtet, so Simeonowa.
Als frĂŒherer Kampfjet-Pilot könnte Radew der militĂ€rischen Modernisierung und StĂ€rkung der VerteidigungskapazitĂ€t einen Vorrang geben. "Das sind Bereiche, in denen die Zusammenarbeit sowohl mit der EU als auch mit der Nato von substanzieller Bedeutung bleiben wird", sagte Simeonowa.
Radew will konkurrenzfÀhiges Europa
In der Wahlnacht umriss Radew, wie er sich Europa vorstellt. Europa mĂŒsse seine KonkurrenzfĂ€higkeit wiederherstellen und die Deindustrialisierung stoppen, sagte Radew. Zudem sollte Europa ernsthaft darĂŒber nachdenken, wie es seine Energieressourcen garantieren könne. Radew erwarte, dass Europa viel pragmatischer werde.
Radew orientiert sich an Magyar
Was die von Russland angegriffene Ukraine betrifft, nimmt sich Radew den ungarischen Wahlsieger PĂ©ter Magyar zum Vorbild. In einem Fernsehinterview sagte Radew, Bulgarien werde sich, falls er Regierungschef werden sollte, nicht finanziell an MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine beteiligen, aber Entscheidungen auf EU-Ebene darĂŒber nicht blockieren. Die im Dezember 2025 zurĂŒckgetretene Regierung hatte einen deutlich proukrainischen Kurs verfolgt, den die Interimsregierung fortsetzte.
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