Edeka, Lidl & Co. zu mĂ€chtig - schlecht fĂŒr Kunden
21.11.2025 - 13:19:40Laut einem neuen Gutachten der Monopolkommission profitieren LebensmittelhĂ€ndler und -hersteller davon unverhĂ€ltnismĂ€Ăig stark, Landwirte jedoch immer weniger.
"Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise der Hersteller ist zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich gestiegen", sagte der Vorsitzende Tomaso Duso. Grund dafĂŒr seien zahlreiche Fusionen, zudem betĂ€tigten sich HĂ€ndler zunehmend auch auf Herstellerebene. Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) wiesen die Kritik zurĂŒck.
Wegen steigender Preise und der Bauernproteste hatte die damalige Bundesregierung die Kommission im vergangenen Jahr beauftragt, die Lebensmittellieferkette unter die Lupe zu nehmen. Das Gremium ist unabhÀngig und berÀt die Politik zu Wettbewerbspolitik, Wettbewerbsrecht und Regulierung.
Wettbewerb geschwÀcht?
Laut Statistischem Bundesamt kosteten Nahrungsmittel und alkoholfreie GetrĂ€nke im Oktober in Deutschland 37 Prozent mehr als 2020. Die Gewinnmargen von HĂ€ndlern und Herstellern stiegen seit ĂŒber zehn Jahren, kritisiert Duso. Im gleichen Zeitraum hĂ€tten sich die Verbraucherpreise stĂ€rker erhöht als in vielen anderen EU-LĂ€ndern. Zudem fĂ€nden sich auch Hinweise, dass Kostensenkungen nicht an Kunden weitergegeben wurden.
Die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen geht dem Gutachten zufolge immer weiter auseinander. So seien etwa die Preise fĂŒr Milcherzeugnisse im Supermarkt in den vergangenen Jahren deutlich stĂ€rker gestiegen als die Erzeugerpreise.
Rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden von Edeka, Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi kontrolliert. "Die hohe Marktkonzentration und steigende PreisaufschlÀge auf Lebensmittel durch Hersteller und Einzelhandel sind besorgniserregend", sagte Duso. Der Wettbewerb sei geschwÀcht.
Höhere Gewinne "ein Trugschluss"
Die BranchenverbĂ€nde des Handels widersprachen den ĂuĂerungen. Die Mitteilung der Kommission dramatisiere die Lage. "Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel funktioniert", sagte Björn Fromm, BVLH-PrĂ€sident und HDE-Vize. Dass steigende Lebensmittelpreise zu höheren Gewinnen der HĂ€ndler fĂŒhrten, sei "ein Trugschluss".
Den Preisanstieg begrĂŒndete er mit höheren Kosten fĂŒr Energie, Personal und Wareneinkauf. In einigen FĂ€llen seien schlechte Ernten und weltpolitische Unsicherheiten die Ursache. Fromm sagte weiter: Im Wettbewerb könne es sich kein Handelsunternehmen leisten, "seine Margen auf Kosten der Kundinnen und Kunden zu erhöhen". Diese lĂ€gen im Lebensmittelhandel nur bei ein bis drei Prozent.
Ăbernahme von Kaiser's Tengelmann schĂ€dlich fĂŒr Wettbewerb
Die Monopolkommission fordert eine strengere Kontrolle kĂŒnftiger ZusammenschlĂŒsse. Fusionen könnten die Verbraucherpreise demnach weiter in die Höhe treiben. Die 2016 erfolgte Ăbernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka hat den Experten zufolge negative Folgen gehabt. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte dem Deal zugestimmt. "Der verbleibende Wettbewerb in den Lieferketten muss dringend geschĂŒtzt werden", heiĂt es im Gutachten.
Anlass zur Besorgnis sieht das Gremium auch darin, dass die HÀndler zunehmend selbst Lebensmittel produzieren und direkt mit Landwirten verhandeln - das verschaffe ihnen zusÀtzliche Macht. Eigenmarken haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wegen der gestiegenen Preise griffen Verbraucher hÀufiger danach.
Molkereiriesen fusionieren
In der Nahrungsmittelindustrie sieht die Kommission den Wettbewerb ebenfalls schwinden. Als Beispiel wird die geplante Fusion von Arla Foods und der DMK Group genannt. Dadurch wĂŒrde die gröĂte Molkereigenossenschaft Europas entstehen.
Das Beratergremium hĂ€lt es fĂŒr sinnvoll, entschiedener gegen Machtmissbrauch vorzugehen. Die zunehmende Marktkonzentration mache eine effektivere Aufsicht nötig. Duso fordert zudem bessere Bedingungen fĂŒr die Landwirtschaft. BĂŒrokratie mĂŒsse abgebaut werden. Kriterien fĂŒr Agrarsubventionen sollten sich stĂ€rker an ProduktivitĂ€t, Innovation und Nachhaltigkeit ausrichten.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband forderte die Bundesregierung auf, fĂŒr mehr Transparenz bei den Lebensmittelpreisen zu sorgen. "Verbraucher mĂŒssen darauf vertrauen können, dass sich die Preise entlang der Wertschöpfungskette - vom Bauern bis zum Supermarkt - fair bilden", sagte VorstĂ€ndin Ramona Pop. Es sei deshalb nötig, eine Preisbeobachtungsstelle einzurichten - nach dem Vorbild von LĂ€ndern wie Frankreich und Spanien.

