So ist der Stand bei Varta
25.11.2024 - 17:32:11Beobachter konnten miterleben, wie der Konzern immer weiter in die Krise rutscht. Bereits seit Sommer gibt es einen Plan, wie Varta saniert werden soll. Dieser hat nun eine wichtige HĂŒrde genommen. Ein Ăberblick ĂŒber die Krise bei Varta - und wie es um die Zukunft des Traditionsunternehmens bestellt ist:
Der Aufstieg
Vor der Krise sah bei dem Batteriekonzern mit Sitz in schwĂ€bischen Ellwangen alles nach Erfolgsgeschichte aus: 2017 brachte Mehrheitseigner Michael Tojner das Unternehmen an die Börse. Mit Erfolg. Getrieben wurde die Entwicklung vor allem von der rasant steigenden Nachfrage nach wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien - zum Beispiel fĂŒr kabellose Kopfhörer und Smartwatches. 2019 kaufte Varta den GeschĂ€ftsbereich Haushaltsbatterien zurĂŒck. Innerhalb weniger Jahre vervierfachte sich der Erlös nahezu. Um die Produktion zu erweitern, wurden Millionen investiert - und Schulden aufgenommen.
Erste Risse im Bild
Zu kriseln begann es im Jahr 2022: Varta hatte sich offenkundig zu sehr von einem seiner Hauptkunden - Apple US0378331005 - abhĂ€ngig gemacht. Das US-Unternehmen hatte die Batterien damals in seinen kabellosen Ohrhörern verbaut. Als sich Apple einen weiteren Zulieferer suchte, geriet das GeschĂ€ft unter Druck. Der damalige Varta-Chef Herbert Schein kassierte die Umsatz- und Gewinnziele - und trat wenig spĂ€ter zurĂŒck. In der Zeit danach versetzte die weltweite Wirtschaftsflaute und die hohe Inflation der Unterhaltungselektronik einen Schlag, die Nachfrage sank. Hinzu kamen Konkurrenz aus Fernost und Lieferketten-Probleme. Auch ein Ausflug ins GeschĂ€ft mit E-Auto-Batterien brachte keinen Erfolg.
Der groĂe Knall
Varta schlitterte in der Folge immer weiter in die Krise. BeschĂ€ftigte mussten in Kurzarbeit, spĂ€ter wurden Hunderte Stellen gestrichen. Zu allem Ăberfluss legte ein Hackerangriff im FrĂŒhjahr die Produktion an den deutschen Standorten lahm. Kritiker machen hauptsĂ€chlich Managementfehler fĂŒr die Misere verantwortlich. Auch Tojner gab sich selbstkritisch: "Wir haben die Latte zu hoch gelegt. Wir haben verschiedene Projekte gestartet, groĂ investiert, die Produktion ausgebaut." Es sei zu viel Geld zu leichtfertig investiert worden. Bis der Absturz gekommen sei - wegen mangelnder RisikoeinschĂ€tzung und Ăberlastung. Um die Pleite zu verhindern, melde Varta im Juli ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren an.
Das Sanierungskonzept
Im Sommer einigte sich der Konzern mit wichtigen GlĂ€ubigern auf ein Sanierungskonzept. Das Konzept sieht im Wesentlichen zwei Schritte vor: Zum einen sollen ein Schuldenschnitt und die VerlĂ€ngerung von Krediten die Verbindlichkeiten von fast einer halben Milliarde Euro auf 230 Millionen Euro verringern. AuĂerdem soll das Grundkapital der Varta AG auf null Euro herabgesetzt werden. Der Effekt: Die AktionĂ€re scheiden ohne Kompensation aus, und der Konzern verliert seine Börsennotierung.
Im Anschluss sollen wieder Aktien ausgegeben werden - allerdings nur an eine Gesellschaft Tojners und den Sportwagenbauer Porsche. Beide lassen sich das jeweils 30 Millionen Euro kosten. Von den GlÀubigern kommen 60 Millionen als Darlehen.
Was am Montag geschah
Die Sanierung lĂ€uft nach dem Unternehmensstabilisierungs- und-restrukturierungsgesetz (StaRUG) ab. Dieses sieht einen Termin vor,an dem das Sanierungskonzept vorgestellt und mit GlĂ€ubigern wie Banken sowie den AktionĂ€ren diskutiert wird. Eine Mehrheit der von der Restrukturierung betroffenen Gruppen stimmte im Anschluss fĂŒr den Plan, wie Varta mitteilte. Einen entsprechenden PlanbestĂ€tigungsbeschluss des zustĂ€ndigen Amtsgerichts in Stuttgart erwarte man noch in diesem Jahr. Die weitere Umsetzung der Sanierung erfolge nach Eintritt der Rechtskraft.
Dagegen stimmten wie erwartet die KleinaktionĂ€re. Denn das Konzept sieht ihre Enteignung vor. In einem StaRUG-Verfahren können nĂ€mlich die Interessen der Anleger ausgehebelt werden. Der Varta-FĂŒhrung zufolge ist der Schritt alternativlos, AktionĂ€rsschĂŒtzer sehen das anders. Erst am Freitag hatte die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) eine Klage beim Bundesverfassungsgericht in der Sache eingereicht. Der entschĂ€digungslose Ausschluss des Bezugsrechts bei der Sanierung des Unternehmens verstoĂe gegen die Eigentumsgarantie, argumentieren sie.
Wie es weitergeht
Varta-Chef Michael Ostermann ging zuletzt davon aus, dass die Sanierung im besten Fall Ende Dezember, wahrscheinlicher aber Ende Januar, beendet werden kann. Dann werden auch die wertlosen Aktien ausgebucht und Varta von der Börse genommen. Dann sollen auĂerdem Unternehmenszahlen fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2023 sowie mehrere Quartale 2024 veröffentlicht werden. Abzuwarten bleibt aber, ob die AktionĂ€rsvertreter mit ihrem Widerstand erfolgreich sind. Dadurch könnte sich das Verfahren verzögern.
Die (mögliche) Zukunft
Und wie geht es dann beim Unternehmen weiter? Varta will an allen deutschen Standorten festhalten. Auch an der Mitarbeiterzahl von rund 4.000 dĂŒrfte sich wenig Ă€ndern. Allerdings soll es Ostermann zufolge eine Verschiebung geben: In der Verwaltung gebe es zu viele Stellen, dort werde abgebaut. In der Produktion wĂŒrden aber BeschĂ€ftigte gesucht.
Im laufenden Jahr musste Varta seine Umsatz-Prognose bereits mehrfach nach unten korrigieren. Aktuell erwarten die Schwaben einen Erlös von 750 bis 800 Millionen Euro. Ostermann gab sich fĂŒr die Zukunft des Konzerns dennoch vorsichtig optimistisch. "Varta hatte ja kein operatives Problem, sondern ein Schuldenproblem", sagte er. Im Markt fĂŒr KonsumgĂŒter habe man eine exzellente Positionierung und auch im HörgerĂ€tebereich laufe es gut. Beim GeschĂ€ft mit Energiespeichern fĂŒr Photovoltaikanlagen erwartet Ostermann auĂerdem in Zukunft wieder Wachstum.

