Berlin will IT-Sicherheit nach Hackerangriff verstärken
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 16:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Datennetz der Berliner Verwaltung muss nach seiner Überzeugung schnell besser vor Cyberattacken geschützt werden. "Wir werden nicht warten, bis eine neue Koalition gebildet ist, sondern wir werden alle personellen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung stellen", sagte der CDU-Politiker nach der jüngsten Senatssitzung mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl am 20. September.
"Wir sind dabei, das Landesnetz zu härten. Hier haben wir aus der aktuellen Cyberattacke neue Erkenntnisse gewonnen." Ein Ziel müsse eine stärkere Zentralisierung im Bereich IT für die Berliner Verwaltung sein, sagte Wegner. "Wir leben in einer anderen Bedrohungslage als vielleicht noch vor drei, vier oder fünf Jahren. Wir müssen einfach schauen, wie wir unsere Netze noch sicherer machen."
Keine Hinweise auf weitere Hackeraktivitäten im Datennetz
Zu der Mitte August bekanntgewordenen Hackerattacke auf die Berliner Verwaltung sagte Wegner, oberste Priorität sei gewesen, den Angriff zu unterbinden. "Und wir können heute feststellen, so zumindest der aktuelle Sachstand, dass uns das gelungen ist", so der Regierende Bürgermeister.
Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine Hinweise darauf, dass das Landesnetz noch infiltriert sei. Der nach Bekanntwerden des Hackerangriffs eingesetzte Krisenstab, der sich um die Sicherheit des Landesnetzes kümmere, arbeite aber weiter.
Cyberattacken gebe es inzwischen tagtäglich. "Und bislang ist es uns gelungen, diese Angriffe immer abzuwehren", sagte Wegner. "Und jetzt ist einer durchgekommen, sehr, sehr professionell und mit einer sehr, sehr hohen kriminellen Energie."
Der Hackerangriff auf Teile des Datennetzes der Berliner Verwaltung war am 14. August bekanntgeworden. Betroffen waren die beiden Senatsverwaltungen für Bauen und für Verkehr. Die Hacker-Gruppe Rhysida erpresste das Land und forderte 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Senat zahlte nicht, die Cyberkriminellen veröffentlichten mindestens 1,2 Millionen Datensätze nach Ablauf ihres Ultimatums.
Senat will Beratung für Betroffene anbieten
Für möglicherweise von den Folgen der Cyberattacke betroffene Bürger und Unternehmen plant der Senat eine Anlaufstelle, wie Wegner ankündigte. Die Cyberkriminellen haben auch personenbezogene Daten erbeutet und veröffentlicht, die andere Kriminelle zum Beispiel für Identitätsdiebstahl oder weitere Formen von Betrug nutzen könnten.
Nach Angaben von Digitalstaatssekretär Florian Hauer geht es um Beratung und Hilfe für Menschen, die glauben, dass Daten von ihnen abgeflossen sein könnten. Details der Anlaufstelle sind noch offen, geplant ist zunächst ein zentraler E-Mail-Kontakt. Denkbar sei auch eine Telefon-Hotline. Das Ziel sei, das so schnell wie möglich anzubieten.
Nicht auszuschließen ist nach Angaben des Staatssekretärs, dass bei der Cyberattacke auch Daten von Berlinern und von Unternehmen abgeflossen sind, die mit beiden Senatsverwaltungen in Kontakt standen - etwa, um eine Baugenehmigung zu beantragen. Der Prozess, diese zu identifizieren und zu informieren, um ihnen Hilfestellung zu geben, sei wegen der enormen Datenmengen sehr schwierig und könne Wochen dauern.
Anlaufstelle soll Tipps geben
Bei der geplanten Anlaufstelle gehe es unter anderem darum, besorgten Menschen allgemeine Hinweise zu geben, was sie tun könnten und worauf sie achten müssten. Eine externe Rechtsanwaltskanzlei und die Datenschutzbeauftragte des Landes unterstützen dabei beratend.
Wegner sagte, es sei Aufgabe von Staatsanwaltschaft, Landes- und Bundeskriminalamt, die Kriminellen aufzuspüren, die hinter der Cyberattacke steckten. "Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann man heute leider noch nicht sagen", so der CDU-Politiker. "Aber ich kann Ihnen sagen, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren." Das Landeskriminalamt habe eine besondere Aufbauorganisation dazu eingesetzt.
Gleichzeitig werde weiterhin analysiert, welche Daten bei der Cyberattacke gestohlen wurden. "Wir sind dabei, sämtliche Systeme zu untersuchen, was genau abgeflossen ist, wer wie an welcher Stelle wo drauf war", sagte er. Staatssekretär Hauer wies darauf hin, die Daten mit Hilfe forensischer Software zu überprüfen, werde allerdings noch lange dauern.
