WDHROUNDUP, Merz

WDH/ ROUNDUP 3: Merz ruft alle zur Reformbereitschaft auf

11.06.2026 - 12:00:03 | dpa.de

(Berichtigt wird: "das" statt "dass" im 5. Absatz, 2.

Satz)

BERLIN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Reformkurs seiner schwarz-roten Regierung im Bundestag verteidigt und alle zur VerĂ€nderungsbereitschaft aufgerufen. Jeder sollte prĂŒfen, "was er zum Gelingen des Ganzen beitragen kann", forderte Merz in einer RegierungserklĂ€rung von der Politik, aber auch von allen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern. "Und wenn es einfach die Bereitschaft ist, nur wohlwollend mit Blick auf das Wohl unseres Landes mitzudiskutieren und nicht verĂ€chtlich abzuwinken."

In der anschließenden Debatte warfen ihm Oppositionspolitiker eine gescheiterte Politik, UntĂ€tigkeit und soziale Ungerechtigkeit vor.

"Entweder wir scheuen VerĂ€nderungen, und zwar VerĂ€nderungen, die zunĂ€chst auch EinschrĂ€nkungen bedeuten." Oder "wir nutzen die StĂ€rken und Potenziale, die wir haben, um das Ruder fĂŒr alle herumzureißen und uns auf allen Feldern, auf denen das nötig ist, wieder besser aufzustellen", sagte Merz.

Er und seine Regierung hĂ€tten sich fĂŒr den zweiten Weg entschieden. "Und wir wollen ihn mit der von mir gefĂŒhrten Bundesregierung auch weiter einschlagen. Wir sind dazu fest entschlossen", betonte der CDU-Vorsitzende.

GesprÀch mit Tarifpartnern "in konstruktiver AtmosphÀre"

Merz gab seine RegierungserklĂ€rung wenige Stunden nach einem Treffen der Koalitionsspitzen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften im Kanzleramt zu den anstehenden Reformprojekten ab. Bis zur Sommerpause Mitte Juli will das BĂŒndnis von Union und SPD ein Reformpaket schnĂŒren, das den Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungen, die Einkommensteuer und den BĂŒrokratieabbau umfasst. Das Treffen mit den Tarifpartnern galt als Auftakt fĂŒr diesen Prozess. Es gab wie erwartet zwar keine konkreten Ergebnisse. Man vereinbarte aber, im GesprĂ€ch zu bleiben.

"Dieses lange GesprÀch hat in ausgesprochen guter, sehr konstruktiver AtmosphÀre stattgefunden, und wir werden es zu einzelnen Themen auch weiter fortsetzen", sagte Merz. Es gelte zuzuhören, dann aber auch Entscheidungen zu treffen. Genau daran arbeite die Bundesregierung.

Merz machte deutlich, dass die Zeit fĂŒr Reformen drĂ€nge. Jeden Tag gingen ArbeitsplĂ€tze in der Industrie verloren, Unternehmen gĂ€ben angesichts hoher Kosten und BĂŒrokratielasten auf. Das dĂŒrfe so nicht weitergehen. "Wir wollen in dieser Wahlperiode das Fundament unseres Landes so erneuern, dass es wieder fĂŒr viele Jahre, vielleicht sogar fĂŒr ein Jahrzehnt trĂ€gt." Dies solle so umgesetzt werden, dass auch Lasten gerecht verteilt werden "und dass jeder aufgerufen ist, an diesem Ziel mitzuarbeiten".

AfD spricht von "Abgesang eines Gescheiterten"

Anschließend musste sich Merz scharfe Kritik aus der Opposition anhören. AfD-Chefin Alice Weidel warf der Koalition eine verfehlte Wirtschafts-, Energie- und Migrationspolitik vor. Die RegierungserklĂ€rung des Kanzlers sei der "Abgesang eines Gescheiterten gewesen". Weidel warf Merz zudem vor, Deutschland in den Krieg in der Ukraine hineinziehen zu wollen.

Der Kanzler hatte in seiner Rede zuvor der Ukraine weitere UnterstĂŒtzung zugesichert und der AfD vorgehalten, deren Abwehrkampf ins LĂ€cherliche zu ziehen. "Sie lachen darĂŒber, ĂŒber das Schicksal von Millionen Menschen in diesem Land, und reisen nach Moskau zu Ihren ChampagnerempfĂ€ngen, gute Reise weiterhin."

GrĂŒne: "Reißen Sie sich zusammen!"

GrĂŒnen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sprach in der Debatte von Streit und Misstrauen und einer mĂŒhseligen Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Koalition und sagte, das Wort Reformen sei zu einem Synonym fĂŒr KĂŒrzungen verkommen. An Merz gerichtet forderte sie: "Reißen Sie sich zusammen! Liefern Sie! Begegnen Sie den Menschen mit Respekt". Linke-Fraktionschef Sören Pellmann warf der Regierung vor, die Axt an den Sozialstaat zu legen. Eine massive AufrĂŒstung fĂŒhre bereits jetzt zu einem sozialen Kahlschlag in Deutschland.

SPD zufrieden mit Treffen im Kanzleramt

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch zog in seiner Rede eine positive Bilanz des Treffens der Koalitionsspitzen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften im Kanzleramt. "Das, was gestern passiert ist, ist meines Erachtens eine sehr, sehr gute Grundlage", sagte Miersch. "Ich bin den Arbeitgebern und den Gewerkschaften sehr, sehr dankbar fĂŒr ihre Bereitschaft mitzuhelfen."

Auch Gewerkschaften und Arbeitgeber Ă€ußerten sich positiv: In einer gemeinsamen ErklĂ€rung des Dachverbandes DGB und der Gewerkschaften verdi, IG Metall und IG BCE war von einem "respektvollen GesprĂ€ch" die Rede. "Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Entscheidungen zu treffen", hieß es weiter. "Wir haben unsere Positionen deutlich gemacht und VorschlĂ€ge fĂŒr eine Reformagenda eingebracht, die wirtschaftliche StĂ€rke, gute Arbeit und soziale Sicherheit schafft."

IndustrieprÀsident Peter Leibinger nannte den Austausch im Kanzleramt wichtig. "Wir haben ein gemeinsames VerstÀndnis wahrgenommen, dass die gesamte Gesellschaft profitiert, wenn wir Wachstum und damit Wohlstand und ArbeitsplÀtze sichern."

de | boerse | 69519983 |