OFFIZIELLE KORREKTUR/ Drei Jahre Deutschlandticket: Forderungen nach ĂPNV-Ausbau
01.05.2026 - 14:27:45 | dpa.deSatz, die GröĂenordnung: 500 Millionen rpt Millionen Liter. Greenpeace hat die Angaben korrigiert.)
BERLIN (dpa-AFX) - Drei Jahre nach EinfĂŒhrung des Deutschlandtickets fordern Kommunen sowie VerbĂ€nde einen Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs in Deutschland. "Bund und LĂ€nder mĂŒssen den angekĂŒndigten Modernisierungspakt fĂŒr den ĂPNV endlich umsetzen", sagte Christian Schuchardt, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen StĂ€dtetages, der Deutschen Presse-Agentur. "Es gilt, zusammen mit den VerkehrsverbĂŒnden und kommunalen Unternehmen den FahrgĂ€sten ein Deutschlandangebot zu machen: mit mehr Linien, dichteren Takten und zusĂ€tzlichen MobilitĂ€tsangeboten."
BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg sagte, jetzt mĂŒsse weiteres Entwicklungspotenzial im ĂPNV gehoben werden. "Es braucht mehr Linien, engere Taktungen, lĂ€ngere ZĂŒge und elektrische Busse." Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen forderte Angebotsausweitungen und Taktverbesserungen, damit das Ticket flĂ€chendeckend wirke.
Auch aus Sicht der Allianz pro Schiene ist das Potenzial des Deutschlandtickets lĂ€ngst nicht ausgeschöpft. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dirk Flege sagte, Menschen in den StĂ€dten profitierten bislang oft stĂ€rker vom Deutschlandticket als in lĂ€ndlichen Regionen, wo die AnschlĂŒsse an Busse und Bahnen oft zu wĂŒnschen lieĂen.
"Das Deutschlandticket ist ein Versprechen, dass der öffentliche Nahverkehr einfach und unkompliziert zu nutzen ist", sagte Flege. "Dazu gehört neben einer fairen Preisstruktur natĂŒrlich auch, dass jede und jeder ein entsprechendes ĂPNV-Angebot vor der eigenen HaustĂŒr vorfindet."
Deutschlandticket wird 3 Jahre alt
Das Deutschlandticket gibt es seit dem 1. Mai 2023 - damals zum EinfĂŒhrungspreis von 49 Euro pro Monat. Das monatlich kĂŒndbare Abo hat rund 14,5 Millionen Nutzer und ermöglicht bundesweit Fahrten im Regional- und Nahverkehr. Es hat zuvor bestehende Tarifstrukturen erheblich vereinfacht.
Zum Jahresbeginn stieg der Preis auf 63 Euro im Monat - zuvor zahlten Nutzer fĂŒr das Ticket 58 Euro im Monat. Von 2027 an soll der Preis nach einem Index errechnet werden, der Personal-, Energie- und allgemeine Kosten enthĂ€lt. Was das Ticket dann kostet, ist noch unklar.
Bund und LĂ€nder geben Ausgleichsgelder
Weil das Ticket gĂŒnstiger ist als bisherige regionale Abos, kommt es zu EinnahmeausfĂ€llen bei Verkehrsunternehmen. Deswegen geben Bund und LĂ€nder pro Jahr jeweils 1,5 Milliarden Euro. Die Verkehrsminister hatten sich geeinigt, diese Finanzierung bis 2030 zu verstetigen.
Schuchardt forderte, die EinnahmeausfĂ€lle der Verkehrsunternehmen durch das vergĂŒnstigte Ticket mĂŒssten von Bund und LĂ€ndern vollstĂ€ndig ausgeglichen werden. "Sonst gibt es zwar ein erschwingliches Deutschlandticket, aber es fehlt das Geld fĂŒr Betrieb, QualitĂ€t und Ausbau des Angebots an Bussen und Bahnen."
"Spritverbrauch senken"
Greenpeace-MobilitĂ€tsexpertin Marissa Reiserer sagte, der Erfolg des Deutschlandtickets habe im vergangenen Jahr mindestens 500 Millionen Liter Sprit eingespart. "Die vielen Millionen ĂPNV-Abos ersetzen Autofahrten, entlasten StraĂen und Geldbörsen, bringen den Klimaschutz voran - und machen Deutschland weniger abhĂ€ngig von Ălimporten." Doch statt das Erfolgsmodell des 9-Euro-Tickets wieder aufleben zu lassen, kehre die Bundesregierung zum gescheiterten Tankrabatt zurĂŒck. Vom 1. Mai an bis Ende Juni soll ein Tankrabatt die nach dem Iran-Krieg stark gestiegenen Spritpreise drĂŒcken.
Wie hoch ist Potenzial des Tickets?
Mitte April hatte das Bundesverkehrsministerium eine Evaluation zum Deutschlandticket veröffentlicht. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte, die Nachfrage sei besonders in Metropolen hoch, zugleich spiele das Ticket auch in lĂ€ndlicheren RĂ€umen eine relevante Rolle. Einem Gutachten zufolge gebe es zusĂ€tzliches Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets. Dieses könne vor allem durch Reaktivierung frĂŒherer Nutzerinnen und Nutzer sowie konsequentes Marketing erschlossen werden.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen kommentierte: "Das angebliche Potenzial an zusĂ€tzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschlandticket stellen wir in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr ist es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ĂPNV-Angebot bundesweit schlechter wird." Deshalb gebe es seit Monaten kaum Zuwachs beim Deutschlandticket.
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