Deutsche Beteiligung an Ukraine-Truppe bleibt offen
16.12.2025 - 17:44:33(neu: Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Auch nach dem gemeinsamen VorstoĂ mehrerer europĂ€ischer Staaten fĂŒr eine Ukraine-Truppe zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstands bleibt die Frage einer deutschen Beteiligung offen. Die Spitze der Unions-Fraktion erklĂ€rte am Tag nach den Ukraine-Verhandlungen, dass dies noch kein Thema sei. "Die Frage einer multinationalen Friedenstruppe stellt sich erst, wenn es tatsĂ€chlich Frieden gibt", sagte Fraktionschef Jens Spahn (CDU).
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch schloss eine Entsendung deutscher Soldaten immerhin nicht aus. "Aber der Einsatz von Truppen kommt sehr darauf an, in welchem Setting er stattfindet, in welchem Umfeld, in welchen Aufgabenbereichen", sagte er.
Verteidigungsminister Boris Pistorius Ă€uĂerte sich zurĂŒckhaltend. Er finde den Vorschlag der Staats- und Regierungschefs im Kern gut, jedoch gebe es viele offene Fragen, machte der SPD-Politiker in Berlin deutlich.
Soldaten auch fĂŒr "Operationen innerhalb der Ukraine"
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die Staats- und Regierungschefs mehrerer anderer fĂŒhrender europĂ€ischer Staaten hatten sich am Montagabend zum Abschluss der zweitĂ€gigen Ukraine-Verhandlungen in Berlin auf eine gemeinsame ErklĂ€rung verstĂ€ndigt, die Angebote zur Absicherung eines Waffenstillstands enthĂ€lt. Dazu gehört eine von Europa gefĂŒhrte und den USA unterstĂŒtzte Truppe, die die ukrainischen StreitkrĂ€fte unterstĂŒtzen und die Sicherheit des Luftraums und der Meere gewĂ€hrleisten soll. Dies solle "auch durch Operationen innerhalb der Ukraine" geschehen.
Das bedeutet: EuropĂ€ische Soldaten kĂ€men auf ukrainischem Boden zum Einsatz. GroĂbritannien und Frankreich haben sich lĂ€ngst dazu bereit erklĂ€rt, sich daran zu beteiligen. Kanzler Merz ist bislang zurĂŒckhaltend. Er hob bisher stets die UnterstĂŒtzung der ukrainischen StreitkrĂ€fte hervor und erklĂ€rte, dass alle weiteren Fragen spĂ€ter geklĂ€rt werden mĂŒssten.
Pistorius sieht viele offenen Fragen
Dem Einsatz deutscher Soldaten mĂŒsste der Bundestag zustimmen. Deswegen ist die Haltung der beiden Koalitionsfraktionen von Union und SPD entscheidend. Miersch sagte, die bei den Ukraine-GesprĂ€chen in Berlin verabschiedete ErklĂ€rung sei sehr breit. Die nĂ€chsten Wochen mĂŒssten zeigen, was sich daraus ergebe. "Friedrich Merz hat unsere volle UnterstĂŒtzung in dem, was er jetzt augenblicklich als Initiative hervorgebracht hat, und insofern schlieĂen wir an dieser Stelle nichts aus."
Pistorius sagte, das von den EuropÀern unterbreitete Angebot sei ein Bekenntnis zur Mitverantwortung. "Wenn (der russische PrÀsident Wladimir) Putin sagt, wohin er die Reise gehen will, dann werden wir weiter sehen, woraus das im Einzelnen bestehen kann", sagte Pistorius. Offen sei in der Frage einer deutschen Beteiligung ein mögliches Mandat des Bundestags und "unter wessen Kommando findet eigentlich was, wo und in welchem Rahmen statt", sagte er.
Briten bereiten sich auf Bodentruppe vor
Pistorius und sein britischer Amtskollege John Healey leiteten im Anschluss eine virtuelle Sitzung der Ukraine Defence Contact Group (UDCG), in der mehr als 50 Nationen MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine organisieren.
Healey sprach mit Blick auf die Berlin-GesprÀche von einem wesentlichen Moment in dem Krieg und Signalen des Fortschritts in den FriedensgesprÀchen. Er bereite die britischen StreitkrÀfte vor, "so dass wir einsatzbereit sind, wenn es Frieden gibt - mit Truppen am Boden und Jets in der Luft". Allerdings lasse Putin seine brutalen Angriffe auf die Ukraine fortsetzen. In den vergangenen beiden Monaten seien 20.000 Drohnen und Raketen auf die Ukraine abgefeuert worden.
Zehn LÀnder zÀhlen zu den Unterzeichnern
Die MilitĂ€rtruppe ist eine von mehreren Zusagen, die die unterzeichnenden Staaten fĂŒr den Fall abgeben, dass eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges erzielt wird. Neben Merz unterschrieben die ErklĂ€rung auch seine Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, GroĂbritannien, Polen, Italien, DĂ€nemark, Finnland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden sowie EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen.
Von US-Seite gab es zu der ErklĂ€rung zunĂ€chst keine Stellungnahme. Die USA hatten unlĂ€ngst ausgeschlossen, sich an einer solchen Truppe zu beteiligen. Trump hatte im Sommer aber gesagt, die Vereinigten Staaten seien bereit, die VerbĂŒndeten - etwa aus der Luft - zu unterstĂŒtzen. Russland lehnt den Einsatz von Truppen zur Ăberwachung eines Waffenstillstands kategorisch ab.
In der ErklĂ€rung der EuropĂ€er wird der Ukraine auch "anhaltende und erhebliche UnterstĂŒtzung" ihrer StreitkrĂ€fte zugesichert, die in Friedenszeiten eine StĂ€rke von 800.000 Soldaten haben sollten.
Kreml kommentiert keine Medienberichte ĂŒber GesprĂ€che
Der Kreml bekrĂ€ftigte unterdessen seine Ablehnung einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg und wies damit einen VorstoĂ von Merz zurĂŒck. "Wir wollen Frieden, wir wollen keine Waffenruhe", in der die Ukraine Atem schöpfen und sich auf die Fortsetzung des Kriegs vorbereiten könne, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge zur Idee einer Weihnachtswaffenruhe. Russland wolle den Krieg beenden und seine Ziele erreichen.
Merz hatte Kremlchef Putin am Montag zu einer Waffenruhe in der Ukraine ĂŒber Weihnachten aufgefordert. Ukrainer, US-Amerikaner und EuropĂ€er hatten am Sonntag und Montag in Berlin ĂŒber eine Friedenslösung fĂŒr die vor fast vier Jahren von Russland angegriffene Ukraine gesprochen.
Russische Vertreter waren bei den GesprĂ€chen in Berlin nicht dabei. Moskau habe den Text ĂŒber Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine noch nicht gesehen und werde keine Medienberichte dazu kommentieren, sagte Peskow.

