Deutschlands Bauern zwischen Gewinnplus und AbwÀrtstrend
07.12.2023 - 15:48:13 | dpa.de(neu: ErgÀnzung zum Getreidepreis)
BERLIN (dpa-AFX) - Bei der wirtschaftlichen Lage der deutschen Landwirte fĂŒhlt sich BauernprĂ€sident Joachim Rukwied an das Wetter erinnert: Es sei wie der stĂ€ndige "Wechsel zwischen Hochdruck- und Tiefdruck-Wetterlagen", sagte er am Donnerstag bei der Jahresbilanz des Deutschen Bauernverbandes in Berlin. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2022/23 stieg das durchschnittliche Unternehmensergebnis der Betriebe auf ein Allzeithoch von je 115 400 Euro - ein Plus von 45 Prozent. Angesichts sinkender Preise bei Getreide, Ălsaaten und Milch sieht Rukwied die nĂ€here Zukunft jedoch pessimistisch: "Wir werden die guten Ergebnisse nicht halten können."
Das jĂŒngste Rekordergebnis, das auf der Basis von rund 8000 landwirtschaftlichen Betrieben errechnet wurde, fĂŒhrt der Bauernverband vor allem auf die gestiegenen Erzeugerpreise zurĂŒck. Der Zuwachs dort fiel den Angaben zufolge deutlich stĂ€rker aus als die Preissteigerungen beim Kauf von Futter oder Vieh.
Vom AufwĂ€rtstrend profitierten allerdings nicht alle Betriebsformen. So verbuchten die Obst- und Weinbauern ein deutliches Minus. Da der Personalbedarf dort besonders groĂ ist, macht sich nach Rukwieds Worten der Anstieg des Mindestlohns besonders bemerkbar. Die auslĂ€ndische Konkurrenz mĂŒsse den ArbeitskrĂ€ften mitunter nicht einmal halb so viel zahlen. "Wenn wir hier nicht schnell einen europĂ€ischen Mindestlohn einfĂŒhren, dann ist es um die Zukunft der Obstbaubetriebe, der Weinbaubetriebe und der GemĂŒsebaubetriebe dĂŒster bestellt", warnte der BauernprĂ€sident.
Bei der Bilanz des Wirtschaftsjahres 2022/23 zeigt sich ferner ein deutliches Nord-SĂŒd-GefĂ€lle: WĂ€hrend das durchschnittliche Betriebsergebnis in Schleswig-Holstein bei mehr als 136 000 Euro liegt, sind es in Baden-WĂŒrttemberg kaum mehr als 50 000 Euro. Neben der BetriebsgröĂe schlagen dort laut Bauernverband die witterungsbedingt höheren ErtrĂ€ge bei der Getreideernte 2022 zu Buche. Zudem werde in SĂŒddeutschland mehr Obst, GemĂŒse und Wein angebaut - mit all den spezifischen Problemen beim Arbeitslohn.
Sorgen bereiten den deutschen Landwirten zudem Getreideimporte aus der Ukraine. Seit Kriegsbeginn seien rund 40 Millionen Tonnen in die EU geliefert worden. "Das entspricht einer durchschnittlichen deutschen Getreideernte", warnte Rukwied. SchĂ€tzungen zufolge werde dadurch der Getreidepreis um 40 bis 60 Euro je Tonne gedrĂŒckt. Zum Vergleich: Im Wirtschaftsjahr 2022/23 erlösten die deutschen Landwirte fĂŒr Brotweizen durchschnittlich 272 Euro je Tonne.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 kann das Land seine SchwarzmeerhĂ€fen kaum noch zur Ausfuhr in alle Welt nutzen. So kommen ukrainische Agrarprodukte ĂŒberwiegend ĂŒber die Landesgrenzen Richtung Europa.
Angesichts der unsicheren Lage halten die Landwirte ihr Geld zusammen. So verharren die Investitionen trotz wirtschaftlicher Erholung auf niedrigem Niveau. Rukwied macht dafĂŒr auch unklare politische Rahmenbedingungen verantwortlich - vor allem beim angepeilten Umbau der StĂ€lle. Der agrarpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Albert Stegemann (CDU), beklagt deshalb fehlende RĂŒckendeckung durch Landwirtschaftsminister Cem Ăzdemir (GrĂŒne). "Stattdessen denkt die Ampel laut ĂŒber weitere Auflagen und verschĂ€rfte Regeln nach", kritisiert Stegemann. Das sei jedoch "jenseits aller RealitĂ€ten".
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