Sparpaket gegen höhere KassenbeitrÀge kommt
15.10.2025 - 18:17:29(neu: Prognose des SchÀtzerkreises; Reaktion gesetzliche Kassen)
BERLIN (dpa-AFX) - Die KrankenkassenbeitrĂ€ge fĂŒr Millionen Versicherte sollen nach PlĂ€nen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) im nĂ€chsten Jahr insgesamt stabil bleiben können. Das Kabinett brachte dazu ein Sparpaket von zwei Milliarden Euro auf den Weg, das den Druck fĂŒr neue Beitragserhöhungen auflösen soll. Es sieht Ausgabenbremsen vor allem bei den Kliniken vor. Die Krankenkassen warnten jedoch schon vor weiterhin drohenden Anhebungen.
Warken sagte in Berlin: "Die Bundesregierung hat Wort gehalten." Eine ermittelte DeckungslĂŒcke von zwei Milliarden Euro fĂŒr 2026 werde geschlossen. Damit durchbreche man die schon zur Gewohnheit gewordenen Erhöhungen der ZusatzbeitrĂ€ge in den vergangenen Jahren. "Stabile SozialbeitrĂ€ge sind ein Beitrag zum notwendigen wirtschaftlichen Aufschwung in unserem Land." Erst Anfang 2025 hatte es eine breite Erhöhungswelle gegeben. Angesichts stark steigender Ausgaben drohten zum 1. Januar 2026 die nĂ€chsten Anhebungen.
Kassen legen konkreten Zusatzbeitrag selbst fest
Direkt stabile BeitrĂ€ge fĂŒr alle Versicherte bei jeder einzelnen Krankenkasse festlegen kann die Politik nicht. Das Gesundheitsministerium macht jeweils zum 1. November einen "durchschnittlichen ausgabendeckenden Zusatzbeitrag" fĂŒr das Folgejahr bekannt, der eine Orientierungsmarke darstellt. Warken sagte, dieser Wert dĂŒrfte mit dem Kabinettsbeschluss "auf dem heutigen Niveau" von 2,9 Prozent stabilisiert werden. Die Krankenkassen entscheiden dann aber noch je nach ihrer Finanzlage selbst, wie hoch sie ihre ZusatzbeitrĂ€ge ansetzen, die zum allgemeinen Beitragssatz von einheitlich 14,6 Prozent hinzukommen.
Das Sparpaket wurde kurz vor der Bekanntgabe der jĂ€hrlichen Finanzprognose eines zustĂ€ndigen SchĂ€tzerkreises vorgestellt. Das Gremium ermittelte, dass sich fĂŒr 2026 ein rechnerischer durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent ergibt, wie das Bundesamt fĂŒr Soziale Sicherung nach der Beratung mitteilte. Dabei seien VerĂ€nderungen bei den Finanzreserven der Kassen nicht berĂŒcksichtigt - das heiĂt, wenn sie Geld verwenden, um vorgeschriebene RĂŒcklagen zu fĂŒllen. ZunĂ€chst berichtete Politico ĂŒber den Wert fĂŒr 2026.
GroĂteil der Einsparungen bei KrankenhĂ€usern
Konkret sollen bei den Kliniken 1,8 Milliarden Euro eingespart werden. DafĂŒr soll der Anstieg der VergĂŒtungen auf die tatsĂ€chlichen Kostensteigerungen der KrankenhĂ€user begrenzt werden. Eine Klausel, die zu höheren Zahlungen fĂŒhren wĂŒrde, soll demnach fĂŒr 2026 ausgesetzt werden. Bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen sollen 100 Millionen Euro eingespart werden, etwa bei Porto oder Werbeaktionen. Weitere 100 Millionen Euro bringen soll eine Halbierung der Einzahlungen aus Kassenmitteln in einen Fonds zur Versorgungsforschung.
Bei den PflegebeitrĂ€gen, die die Politik direkt festlegt, gibt es im nĂ€chsten Jahr keine Erhöhung, wie Warken deutlich machte. Mit welchen MaĂnahmen eine bestehende FinanzlĂŒcke von 1,7 Milliarden Euro geschlossen werden soll, steht aber noch nicht fest. Warken kĂŒndigte eine Einigung in den nĂ€chsten Tagen an. Prinzipiell gebe es die Möglichkeit von LeitungskĂŒrzungen oder Darlehen.
Kassen: Sparpaket nur ein Notnagel
Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) Ă€uĂerten sich skeptisch zu den Stabilisierungseffekten. Das "Sparpaket" sei nur ein Notnagel, mit dem die aktuelle Situation verbessert, die grundlegenden Probleme aber nicht gelöst wĂŒrden, sagte der Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt. Auf den ersten Blick scheine die finanzielle Situation stabil. "Aber wer genauer hinschaut, erkennt, dass weiterhin Beitragsanhebungen zu erwarten sind." Denn viele Kassen mĂŒssten noch gesetzlich vorgeschriebene RĂŒcklagen auffĂŒllen.
GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte: "Die vermeintliche BeitragsstabilitĂ€t ist eine optische TĂ€uschung, erkauft durch unrealistische Konjunkturannahmen und kurzfristige Buchungstricks." Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies auf Einsparpotenziale auch bei ambulanten Behandlungen und in der Pharmaindustrie hin. Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) kritisierte einen verfehlten Sparkurs zulasten der Kliniken.

