GESAMT-ROUNDUP, Koalition

GESAMT-ROUNDUP 2: Koalition verspricht sanierte Straßen und stabile BeitrĂ€ge

11.12.2025 - 15:20:42

BERLIN - Einen schnelleren Ausbau von Autobahnen und Zugstrecken, stabile BeitrĂ€ge und strengere Regeln fĂŒr Arbeitslose: Das haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die weiteren Spitzen von Union und SPD nach ihrem letzten Koalitionsausschuss vor Weihnachten versprochen.

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BERLIN (dpa-AFX) - Einen schnelleren Ausbau von Autobahnen und Zugstrecken, stabile BeitrĂ€ge und strengere Regeln fĂŒr Arbeitslose: Das haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die weiteren Spitzen von Union und SPD nach ihrem letzten Koalitionsausschuss vor Weihnachten versprochen. "So umfangreiche Reformen (...) hat es in Deutschland noch nie gegeben", sagte Merz. Der Kanzler verteidigte seine AnkĂŒndigung eines "Herbst der Reformen", der vielfach als ausgefallen kritisiert worden war. 2026 wĂŒrden Verbesserungen spĂŒrbar, sagten er und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD).

Nach EinschÀtzung der gesetzlichen Krankenkassen ist mit dem Koalitionsausschuss nun dagegen klar, "dass die BeitrÀge zum Jahreswechsel steigen werden", wie ihr Verbandsvorstandschef Oliver Blatt sagte. "Ehrlich gesagt hÀtten wir uns von dem Koalitionsausschuss mehr erwartet." Die UmweltverbÀnde lehnen die vereinbarte Beschleunigung beim Ausbau der Infrastruktur ab.

Infrastruktur - was ist geplant?

Es soll keine Jahre mehr dauern, bis Asphalt- oder Bahnstrecken gebaut werden. Es wĂŒrden sogar "weit ĂŒber das Sondervermögen hinaus" Projekte beschleunigt, kĂŒndigte der Finanzminister an. Kommenden Mittwoch soll nach Beilegung von Differenzen zwischen den Ministern Patrick Schnieder (Verkehr/CDU) und Carsten Schneider (Umwelt/SPD) der Entwurf eines "Infrastruktur-Zukunftsgesetzes" durchs Kabinett gehen. Merz: "Das ist ein wirklicher QualitĂ€tssprung." Klingbeil sagte: "Es kann schneller geplant werden, es kann schneller genehmigt werden, es kann schneller gebaut werden."

Mehr Vorrang als bisher soll es geben fĂŒr die Beseitigung von Straßen-EngpĂ€ssen und Autobahn-Neubauten sowie fĂŒr Schienen- und Wasserstraßen-Projekte. Der Artenschutz soll "standardisiert", das Umweltverbandsklagerecht geĂ€ndert werden. VerbĂ€nde sollen durch ihre Beteiligung keine "unsachgemĂ€ĂŸen Verzögerungen" verursachen. Schnieder zeigte sich zufrieden, dass seine VorschlĂ€ge nun umgesetzt wĂŒrden.

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sprach von einem "Generalangriff auf die Natur", Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser warf der Bundesregierung vor, sie wolle "Natur- und Klimaschutz vor die Asphaltiermaschine werfen". Wirtschaftsvertreter lobten die BeschlĂŒsse als ĂŒberfĂ€llig.

Heizungsgesetz - Weitere Debatten

Vertagt wurde das Thema GebÀudeenergiegesetz ("Heizungsgesetz"). Umstritten sind Vorgaben, wenn neue Heizungen eingebaut werden sollen (mindestens zu 65 Prozent erneuerbar - aber mit welchen genauen Regeln?). Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte vor zu strikten Vorgaben, Bauministerin Verena Hubertz (SPD) vor weniger Klimaschutz gewarnt. Bis Ende Januar soll es nun gemeinsame Eckpunkte geben.

Private Altersvorsorge und Rente

Mit einer Reform der privaten Altersvorsorge soll die Riester-Rente abgelöst werden. Ein Gesetzentwurf Klingbeils soll nĂ€chste Woche ins Kabinett. Die steuerlich geförderte private Altersvorsorge soll weit attraktiver werden - ein neues Modell die fĂŒr viele enttĂ€uschende Riesterrente ablösen. ZusĂ€tzlich gestĂ€rkt werden soll vor allem die private Altersvorsorge der jungen Menschen. Konkret soll die Grundzulage fĂŒr sogenannte EigenbeitrĂ€ge bis 1.200 Euro ab 2029 jĂ€hrlich von aktuell 30 Cent pro Euro auf 35 Cent pro Euro erhöht werden.

Neues auch zur geplanten FrĂŒhstartrente: Bekannt ist, dass jedes Kind, das etwa eine Schule besucht, vom 6. bis zum 18. Lebensjahr zehn Euro pro Monat bekommen soll. Das Geld soll dann bis zur Rente weiter bespart werden können. Nun wollen die Koalitionsspitzen, dass Geld auch fĂŒr zusĂ€tzliche JahrgĂ€nge von Kindern fließt, die nach den bisherigen PlĂ€nen nicht berĂŒcksichtigt werden sollten.

Eingesetzt werden sollen Einnahmen aus Beteiligungen des Bundes - etwa an Post und Telekom. Klingbeil sprach von zehn Milliarden Euro.

Arbeitsministerin und SPD-Chefin BĂ€rbel Bas bekrĂ€ftigte auch die ReformplĂ€ne bei der gesetzlichen Rente: Kommende Woche werde der Einsetzungsbeschluss fĂŒr die geplante Kommission fĂŒr eine Rentenreform im Kabinett gefasst.

Die Krankenkassen - teurer oder stabil?

Ungeachtet der Warnungen der Kassen gibt sich der Kanzler optimistisch, dass die BeitrĂ€ge nĂ€chstes und sogar ĂŒbernĂ€chstes Jahr stabil bleiben. Nach Angaben von Merz und Bas haben die LĂ€nder der Regierung signalisiert, dass sie ihre Blockade gegen ein Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wohl aufgeben. Doch selbst wenn das Gesetz durchkommt, reicht es nach Angaben des Kassen-Spitzenverbands nicht aus.

Merz sagte: "Zwischen den LĂ€ndern gibt es offensichtlich eine VerstĂ€ndigung darĂŒber, dass die Entlastung bei den KrankenversicherungsbeitrĂ€gen in GrĂ¶ĂŸenordnung von zwei Milliarden Euro jetzt im Bundesrat in der nĂ€chsten Woche so beschlossen wird, wie wir das vereinbart haben." Über Warkens Gesetz soll der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag am Mittwoch beraten. Merz sagte, geplant sei nun ein Entschließungsantrag im Hinblick auf die zukĂŒnftigen nötigen Einsparungen. Bas meinte, man sei mit den LĂ€ndern in Vorverhandlungen "auf einem guten Weg".

Laut Merz stehen nach den bisherigen Vorhaben fĂŒr die Kassenfinanzen kommendes Jahr weitere GesprĂ€che an. Die Belastungen fĂŒr die Kassen wĂŒchsen deutlich. "Im Verlauf des Jahres 2026 wird es also nach unserem Willen eine grundlegende Reform auch der Krankenversicherung geben, so dass wir dann auch fĂŒr das Jahr 2027 hoffen, die BeitrĂ€ge stabil halten zu können."

BĂŒrgergeld - Wie soll sanktioniert werden?

Der kommende Mittwoch wird auch fĂŒr die BĂŒrgergeld-Reform wichtig. Die neue Grundsicherung soll im Kabinett auf den Weg kommen - mit strengeren Regeln bis hin zu kompletten Sanktionen fĂŒr Totalverweigerer. Bas hob hervor: Etwa psychisch kranke Menschen mĂŒssten nicht um UnterstĂŒtzung bangen. Es sei "wichtig, dass wir diese Menschen schĂŒtzen, bevor sie total sanktioniert werden", sagte die SPD-Chefin und Arbeitsministerin.

Es sei in Ordnung, dass es noch RĂŒckfragen von zwei Ressorts zu ihrem Gesetzentwurf gegeben habe, sagte Bas. Die EinwĂ€nde waren von den unionsgefĂŒhrten Ressorts fĂŒr Wirtschaft und Inneres gekommen. "Aber das werden wir klĂ€ren, da bin ich mir ganz sicher."

Söder freut sich ĂŒber Ausgleich bei LĂ€nderfinanzen

Neues auch beim LÀnderfinanzausgleich: Die GeberlÀnder sollen in den kommenden Jahren mehrere hundert Millionen als Ausgleich vom Bund bekommen. Eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag werde nun genau umgesetzt, sagte CSU-Chef Markus Söder. "Ein kleines, aber doch wichtiges Trostpflaster", betonte der bayerische MinisterprÀsident.

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