Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Nach Anschlag: Tesla-Produktion ruht noch bis Ende nÀchster Woche

06.03.2024 - 20:54:59

BERLIN/GRÜNHEIDE - Nach dem Anschlag auf die Stromversorgung bleibt die Produktion beim US-Elektroautobauer Tesla US88160R1014 in GrĂŒnheide bis voraussichtlich Ende nĂ€chster Woche unterbrochen.

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BERLIN/GRÜNHEIDE (dpa-AFX) - Nach dem Anschlag auf die Stromversorgung bleibt die Produktion beim US-Elektroautobauer Tesla US88160R1014 in GrĂŒnheide bis voraussichtlich Ende nĂ€chster Woche unterbrochen. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend auf Anfrage mit. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darĂŒber berichtet. Bislang unbekannte TĂ€ter hatten am Dienstag auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der auch fĂŒr die Versorgung der Tesla-Fabrik zustĂ€ndig ist. Die Produktion in GrĂŒnheide bei Berlin wurde daraufhin gestoppt. Zehntausende Bewohner in der Region waren von dem Stromausfall ebenfalls betroffen.

Mit dem erzwungenen lĂ€ngeren Produktionsstopp in Teslas einzigem Autowerk in Europa dĂŒrfte auch der Schaden fĂŒr das Unternehmen steigen. Zuletzt nannte Tesla als Schaden mehrere hundert Millionen Euro. Aber da war noch mit einem Wiederanlauf der Fertigung am nĂ€chsten Montag gerechnet worden. Nun kĂ€me eine weitere Woche Stillstand dazu.

Die Wirtschaft in Deutschland dringt nach dem Anschlag auf die Stromversorgung auf mehr Sicherheit. "Politik und Wirtschaft sind gemeinsam gefordert, die Sicherheit der Netze und kritischer Anlagen zu gewĂ€hrleisten", sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben. Die Bundesregierung will mit einem Gesetz den Schutz wichtiger Netze und Anlagen verstĂ€rken und die SicherheitsbemĂŒhungen der Betreiber unterstĂŒtzen. Die Regierung verschleppe aber die Verabschiedung des zugehörigen Gesetzes seit Monaten, kritisierte Wansleben.

Unbekannte TĂ€ter hatten am Dienstag auf einem Feld Feuer an einem Strommast gelegt, der auch fĂŒr die Versorgung der Tesla-Fabrik zustĂ€ndig ist. Die Polizei bezeichnete ein Bekennerschreiben der linksextremen "Vulkangruppe" als authentisch. Der Energienetzbetreiber Edis teilte mit, die EinsatzkrĂ€fte arbeiteten unter Hochdruck daran, das Tesla-Werk und ein Logistikzentrum wieder mit Strom zu versorgen.

Gesetz soll im ersten Halbjahr ins Kabinett

Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte am Mittwoch, die Bundesregierung verurteile solche AnschlĂ€ge auf das SchĂ€rfste. Das Bundesinnenministerium plant, dass sich das Kabinett zeitnah in der ersten JahreshĂ€lfte mit dem sogenannten Kritis-Dachgesetz befasst. Damit soll die kritische Infrastruktur besser gegen Gefahren geschĂŒtzt werden. DarĂŒber hinaus sei es erst einmal die Pflicht der Netzbetreiber, ihre Infrastruktur zu schĂŒtzen, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Maximilian Kall. Dies sei natĂŒrlich bei einem Umspannwerk leichter als bei einem Strommast, der auf einem Feld steht.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schlug vor, Bund und LĂ€nder bei der Gefahrenabwehr stĂ€rker in die Pflicht zu nehmen. Der öffentliche Zugang zu Daten kritischer Infrastruktur mĂŒsse beschrĂ€nkt werden.

Nicht der erste Anschlag auf Tesla

Die linksextreme "Vulkangruppe" wirft Tesla "extreme Ausbeutungsbedingungen" vor. Die Gruppierung schrieb von Sabotage gegen Tesla. "Wir schÀtzen das Schreiben als echt ein", sagte eine Sprecherin der Brandenburger Polizei. Auch wenn die Folgen diesmal deutlich gravierender sind, folgt der Anschlag dem gleichen Muster wie der Brandanschlag vom Mai 2021, bei dem ein Stromkabel beschÀdigt wurde, das unter anderem die Tesla-Baustelle versorgte. Auch damals tauchte ein von den Sicherheitsbehörden als authentisch eingestuftes Schreiben der Selbstbezichtigung im Namen der "Vulkangruppe" auf.

Die TÀter konnten damals nicht ermittelt werden. Deshalb behelfen sich die Sicherheitsbehörden mit der Arbeitshypothese, dass es sich hier um eher lose vernetzte linksextremistische Kleingruppen mit Schwerpunkt in Berlin und Brandenburg handelt.

Fest steht, dass in den vergangenen Jahren vor allem US-Unternehmen, die sich in der Region Berlin-Brandenburg ansiedeln wollten, nicht immer willkommen waren - auch jenseits von AnschlĂ€gen und Sabotage. In Brandenburg mobilisierten unter anderem UmweltschĂŒtzer sowie Anwohner, die sich gestört fĂŒhlten und die AfD gegen die Gigafactory von Tesla. Der US-Internetkonzern Google US02079K1079 hatte ein ehemaliges Umspannwerk im Berliner Stadtteil Kreuzberg erworben und Ende 2016 angekĂŒndigt, dort einen Campus fĂŒr junge Firmen und andere Organisationen zu etablieren. Kritiker protestierten dagegen, weil der Campus nach ihrer Ansicht die Gegend stark verĂ€ndert und teurer gemacht hĂ€tte. Schließlich verzichtete Google auf den Start-up-Campus. Auf die Frage eines Journalisten, ob die Bundesregierung negative Konsequenzen fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland fĂŒrchte, antwortete der Regierungssprecher: "Ich wĂŒrde da jetzt vor Alarmismus warnen."

Minister: Elon Musk reagiert sachlich

Tesla-Chef Elon Musk zeigte sich den Angaben zufolge gelassen, obwohl das Werk in Deutschland vorerst lahmgelegt ist. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) telefonierte am Dienstag mit ihm. "Elon Musk war sehr sachlich und souverĂ€n in der Reaktion", sagte Steinbach dem "Tagesspiegel" (Mittwoch/online). "Es bestand sofort Einigkeit, dass als Reaktion nichts passieren darf, was den AttentĂ€tern einen Erfolg gegönnt hĂ€tte." Musk forderte jedoch SolidaritĂ€t und vertrauensbildende Maßnahmen zur UnterstĂŒtzung des Unternehmens und seiner BeschĂ€ftigten ein.

Der Widerstand gegen den Autobauer nimmt zu. Bei einer BĂŒrgerbefragung in GrĂŒnheide lehnten rund zwei Drittel die von Tesla geplante Erweiterung um einen GĂŒterbahnhof und Lager auf einem angrenzenden GelĂ€nde ab. Dort sollen mehr als 100 Hektar Wald gerodet werden. Am Donnerstag schlugen dann UmweltschĂŒtzer und Tesla-Kritiker in der NĂ€he des Werks im Wald ein Protestcamp mit BaumhĂ€usern auf.

Werksleiter AndrĂ© Thierig zeigt sich besorgt. Er sieht mit Blick auf den Anschlag eine "sehr kritische Grundstimmung, die vielleicht auch solches Verhalten ein StĂŒck weit schĂŒren". Bei dem bisher genannten Schaden von mehreren hundert Millionen Euro bezieht sich Thierig nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf den Umsatzverlust der Autos, die nicht verkauft werden. Er rechnet mit einem Ausfall von mehr als 1000 Autos pro Tag.

Branchenexperte sieht Imageschaden

Es geht um viel: Rund 12 500 Menschen arbeiten bei Tesla in GrĂŒnheide. Der Autobauer plant einen Ausbau des bestehenden Werks. Die geplante Produktion von 500 000 Autos pro Jahr soll auf eine Million steigen. Thierig lĂ€sst offen, ob die PlĂ€ne so Bestand haben. "Ob das jetzt einen Einfluss hat auf den weiteren Ausbau der Fabrik, kann ich an der Stelle nicht sagen."

Der Branchenexperte Stefan Bratzel sieht nach dem Anschlag eine gewisse Gefahr fĂŒr die Produktion der deutschen Automobilindustrie. Es gebe neben der Stromversorgung weitere Möglichkeiten, um die Produktion zu stören, sagte der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

@ dpa.de | US02079K1079 PRODUKTION/ABSATZ