'reine Profitgier'
02.10.2024 - 16:22:48(neu: GrĂŒnde fĂŒr SchlieĂungen und Reaktion der Stadt Köln ergĂ€nzt)
BERLIN/HAMBURG (dpa-AFX) - Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) kritisiert die PlĂ€ne von Coca-Cola, im Jahr 2025 bundesweit fĂŒnf Standorte zu schlieĂen. "Coca-Cola verdient weltweit enorm viel Geld, dennoch werden in Deutschland durch die erneuten StandortschlieĂungen 500 ArbeitsplĂ€tze vernichtet", sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Freddy Adjan laut einer Mitteilung. "Da entsteht der Eindruck, dass es nicht um wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern um reine Profitgier auf Kosten der BeschĂ€ftigten geht."
Der GetrĂ€nkehersteller hatte am Dienstag angekĂŒndigt, in Deutschland fĂŒnf Standorte fĂŒr Produktion und Logistik dichtmachen zu wollen. Betroffen sind die Werke in Köln, NeumĂŒnster, Berlin-Hohenschönhausen, Bielefeld und Memmingen. Auch an den Standorten FĂŒrstenfeldbruck, Halle, Achim, Herten und in der Hauptverwaltung in Berlin sollen Stellen abgebaut werden. 505 ArbeitsplĂ€tze sollen im Laufe des kommenden Jahres insgesamt wegfallen, 207 an andere Standorte verlagert werden und 78 neue Jobs entstehen.
BegrĂŒndet wird der Schritt auch mit einer verĂ€nderten GetrĂ€nkelogistik. So sei die Zahl der direkten Kunden und Bestellungen an den Standorten deutlich gesunken, wie Coca-Cola mitteilte. Das Unternehmen möchte seine KapazitĂ€ten kĂŒnftig auf andere Betriebe verteilen und diese besser auslasten. Die geplanten VerĂ€nderungen seien notwendig, "um weiterhin wettbewerbsfĂ€hig zu sein".
NGG: Abbau fĂŒhrt zu "tausenden Kilometern zusĂ€tzlicher Transporte"
FĂŒr die Gewerkschaft ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Coca-Cola gliedere Arbeit an externe Dienstleister aus, kritisierte Adjan. Mit jeder SchlieĂung entferne sich das Unternehmen von seinem Versprechen, eine weltweite Marke zu sein, die regional produziert und ausgeliefert werde. Der Abbau von Standorten sei "verbunden mit tausenden Kilometern zusĂ€tzlicher Transporte" auf den StraĂen. Dies sei weder nachhaltig noch ökologisch sinnvoll.
Die Gewerkschaft forderte Coca-Cola auf, Verantwortung fĂŒr seine BeschĂ€ftigten zu ĂŒbernehmen und gemeinsam an einer tragfĂ€higen Zukunft zu arbeiten. Die GesprĂ€che zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern sollen zeitnah starten, wie Coca-Cola erklĂ€rte. Betriebsbedingte KĂŒndigungen wolle man dabei vermeiden - durch alternative Stellen an anderen Standorten und einvernehmliche Lösungen.
Auch die Stadt Köln Ă€uĂerte sich zu den SchlieĂungsplĂ€nen. Man bedauere die Entscheidung, sagte der Beigeordnete fĂŒr Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales, Andree Haack. "FĂŒr unseren Industriestandort ist der Weggang des Weltkonzerns und der Marke Coca-Cola ein immenser Verlust." Der GetrĂ€nkehersteller plant, die Produktion im Werk im Stadtteil Ossendorf im MĂ€rz 2025 einzustellen. Bis Ende September soll der Standort dann endgĂŒltig aufgegeben werden.
Coca-Cola erzielte in Deutschland 2023 Rekord-Absatz
In Deutschland ist das Unternehmen Coca-Cola Europacific Partners (CCEP) GB00BDCPN049 fĂŒr AbfĂŒllung, Verkauf und Vertrieb der GetrĂ€nke des US-Konzerns zustĂ€ndig. Vor einigen Monaten hatte CCEP verkĂŒndet, im Jahr 2023 mit 4,1 Milliarden Litern GetrĂ€nken einen Rekord-Absatz erzielt zu haben. "Wir schauen auf ein sehr gutes Jahr in Deutschland zurĂŒck, in dem wir das Angebot unserer beliebten GetrĂ€nke vor allem im Lebensmittelhandel, bei Discountern und in Tankstellen deutlich ausgebaut haben", sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer John Galvin.
CCEP ist nach eigenen Angaben das gröĂte GetrĂ€nkeunternehmen in der Bundesrepublik und beschĂ€ftigt aktuell etwa 6.500 Mitarbeiter an 27 Standorten, davon 14 Produktionswerke. Im Jahr 2015 hatte Coca-Cola einer Sprecherin zufolge hierzulande noch 52 Standorte, darunter 20 fĂŒr Produktion. BeschĂ€ftigt waren rund 9.500 Menschen.

