Probleme bei der Kartenzahlung - Kein Hackerangriff
12.09.2024 - 15:40:51(neu: Stellungnahme)
BERLIN (dpa-AFX) - LĂ€ngst greifen viele Menschen beim Bezahlen an der Supermarktkasse zur Karte statt zum Bargeld - doch seit dem frĂŒhen Morgen kommt es dabei im ganzen Land zu erheblichen Problemen. Wegen einer technischen Störung bei einem internationalen IT-Dienstleister funktionieren derzeit bundesweit viele Kredit-, Debit- und Girokarten nicht. Wie lange die Probleme noch andauern, war zunĂ€chst nicht absehbar.
An den Automaten könne lediglich noch mit Girokarten problemlos Geld abgehoben werden, teilte die Deutsche Kreditwirtschaft mit. Bei Debit- und Kreditkarten könne es hingegen auch dabei vereinzelt zu EinschrÀnkungen kommen. Die Nutzung der Karten im Ausland sei ebenfalls betroffen. Die Störungen sind nicht auf einzelne Bankinstitute beschrÀnkt.
Dem Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei bekannt, "dass es derzeit bei verschiedenen Finanzinstituten zu Störungen im Kartenzahlungsverkehr kommt", teilte die Behörde mit. "Das BSI steht dazu im Austausch mit den Betroffenen und den zustĂ€ndigen Behörden."
Probleme bei IT-Dienstleister - keine Cyberattacke
Grund fĂŒr die EinschrĂ€nkung seien Probleme bei einem internationalen IT-Dienstleister, der auch fĂŒr viele deutsche Banken und Sparkassen Zahlungen mit Kredit- und Debitkarten abwickele. "Wir analysieren gemeinsam mit Zahlungssystembetreibern und Anbietern den weiteren Sachverhalt", teilte der Sprecher der Kreditwirtschaft weiter mit. Die Beteiligten arbeiteten mit Hochdruck an der Behebung der Störung. Eine Cyberattacke könne nach aktuellem Kenntnisstand ausgeschlossen werden.
Bei dem betroffenen IT-Dienstleister handelt es sich um das zum US-Konzern Fiserv gehörende Unternehmen First Data, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage mitteilte. Es liege ein technisches Problem bei einigen Verarbeitungsdiensten vor. "Wir arbeiten mit Hochdruck an der Lösung des Problems und werden unsere Kunden so bald wie möglich informieren", hieà es.
Probleme mit Kartenzahlungen kommen immer wieder vor
Die Probleme sind zwar flĂ€chendeckend und erheblich, doch rekordverdĂ€chtig sind sie nicht. Immer wieder kommt es zu EinschrĂ€nkungen beim bargeldlosen Bezahlen, zuletzt etwa im Mai dieses Jahres, als es wegen Softwarefehlern zu Problemen bei Kartenzahlungsterminals kam. Vor rund zwei Jahren fĂŒhrten technische Probleme sogar zu mehrtĂ€gigen AusfĂ€llen bei Kartenzahlungen.
"Diese groĂflĂ€chigen Störungen passieren selten, haben aber enorme Auswirkungen, da viele Menschen sich mittlerweile auf ihre Karten verlassen und kein oder nur wenig Bargeld bei sich tragen im Alltag", teilte Fachanwalt David Riechmann von der Verbraucherzentrale NRW auf Anfrage mit. "Man kann derzeit nur raten, sich mit ausreichend Bargeld einzudecken, sei es am Geldautomaten oder das Sparschwein zu Hause leeren, damit man sich im Alltag nicht einschrĂ€nken muss."
Die HĂ€ndler seien in der Pflicht, die Kundschaft rechtzeitig auf die fehlende Möglichkeit der Kartenzahlung hinzuweisen, "damit es an der Kasse zu keinen unnötigen bösen Ăberraschungen kommt", betonte Riechmann.
Auch fĂŒr den Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der UniversitĂ€t Hohenheim kommt die Störung nicht ĂŒberraschend. "Die Zahlungsprozesse laufen ĂŒber viele verschiedene Adressen ab, das macht das System anfĂ€llig", sagt er. "Kein System wird immer fehlerfrei funktionieren, daher es ist wichtig, Alternativen zu haben." Das sei zum Beispiel Bargeld, aber auch der digitale Euro könne eine valide Alternative sein, wenn es mit dem normalen Zahlungsverkehr nicht mehr klappe.
Herausforderung auch fĂŒr den Einzelhandel
Die Probleme stellen auch den Einzelhandel vor Herausforderungen. "FĂŒr die Handelsunternehmen sind Störungen bei den Kartenzahlungen immer problematisch", teilte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbands Deutschland, Stefan Genth, mit. "Kundinnen und Kunden sind dann oft verunsichert, ob sie bei ihren HĂ€ndlerinnen und HĂ€ndlern mit Karte bezahlen können."
Dies könne auch dazu fĂŒhren, dass sie ihre EinkĂ€ufe verschieben. Der Einzelhandel zahle fĂŒr die Nutzung der bargeldlosen Bezahlsysteme Geld an die Netzbetreiber und Kartenanbieter. "Im Gegenzug muss er auch erwarten können, dass die Technik einwandfrei funktioniert."

