Bitkom warnt: Bürokratie erstickt deutsche FinTechs
19.01.2026 - 12:13:12Die deutsche Digitalwirtschaft schlägt Alarm: Die überbordende Bürokratie gefährdet den Standort Deutschland. Eine neue Studie zeigt, dass drei Viertel der FinTech-Unternehmen Verwaltungsaufwand als größtes Wachstumshindernis sehen.
Regulierung bremst Innovation aus
Die am Freitag veröffentlichte Bitkom-Studie „FinTechs in Deutschland“ offenbart ein ernüchterndes Bild. 73 Prozent der befragten FinTechs sehen im Verwaltungsaufwand eine massive Hürde. Fast genauso viele klagen über allgemeine regulatorische Hindernisse.
Die Folgen sind konkret: Zulassungsverfahren dauern in Deutschland im Schnitt über zwei Jahre – deutlich länger als in anderen EU-Ländern. Kein Wunder also, dass nur 28 Prozent der Gründer Deutschland heute noch als Standort wählen würden.
„Deutschland hat enormes Potenzial, hinkt aber hinterher“, warnt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Schon jetzt gebe es hierzulande weniger FinTechs pro Einwohner als in vielen europäischen Nachbarländern.
Forderungen: Digitale Verwaltung und feste Fristen
Der Digitalverband hat konkrete Vorschläge zur Entlastung. Kernforderung ist die Einführung informeller Vorabfragen. Unternehmen sollen so frühzeitig eine Einschätzung ihrer Zulassungschancen erhalten, bevor sie in das formelle Verfahren einsteigen.
Weiter fordert Bitkom:
* Bindende Bearbeitungsfristen für mehr Planungssicherheit
* Vollständig digitale Verwaltungsverfahren
* Feste Ansprechpartner in den Behörden
* Behördenübergreifenden Datenaustausch zur Vermeidung von Doppelarbeit
58 Prozent der Unternehmen geben an, die unklaren Zeitrahmen bereiteten ihnen besondere Schwierigkeiten – besonders bei der Einführung neuer Technologien.
Tech-Konzerne bieten eigene Lösungen an
Während die Politik noch diskutiert, schafft die Tech-Industrie Fakten. Amazon Web Services (AWS) hat letzte Woche seine „European Sovereign Cloud“ gestartet. Die erste Region dieser unabhängigen Cloud-Infrastruktur steht in Brandenburg.
Mit einem Investitionsvolumen von 7,8 Milliarden Euro richtet sich das Angebot speziell an stark regulierte Branchen wie den Finanzsektor. Die Cloud erfüllt strikte EU-Anforderungen an Datenresidenz und digitale Souveränität. Beobachter sehen darin eine direkte Marktreaktion auf das komplizierte regulatorische Umfeld.
Misstrauen gegenüber Aufsichtsbehörden wächst
Das Verhältnis zwischen Innovatoren und Aufsehern ist angespannt. Nur 35 Prozent der FinTechs bewerten das deutsche Aufsumfeld positiv. 78 Prozent empfinden die Regulierung sogar als innovationshemmend.
Besonders bei Zukunftstechnologien herrscht Unsicherheit. Zwar erwarten 96 Prozent der Unternehmen, dass Künstliche Intelligenz (KI) den Markt prägen wird. Doch mehr als die Hälfte weiß nicht, wie der Einsatz unter den aktuellen Regeln zu bewerten ist.
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Wettlauf gegen die Zeit
Der Start der AWS Sovereign Cloud zeigt: Der Privatsektor investiert in komplizenzfreundliche Infrastruktur. Jetzt ist die Politik am Zug. Ob die Bundesregierung ihre Bürokratieabbau-Pläne beschleunigt, wird für die digitale Wirtschaft entscheidend sein.
Die kommenden Monate gelten als Weichenstellung. Werden Bitkoms Vorschläge aufgegriffen, könnte das ein Wendepunkt für die Startup-Szene werden. Bleiben Reformen aus, droht eine weitere Abwanderung innovativer Gründer in agilere EU-Staaten.
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