BMW Aktie: EU-Absatz zieht an, Lieferkette wackelt
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BMW verkauft in Europa so viele Autos wie kein anderer deutscher Hersteller im laufenden Jahr â und trotzdem drĂ€ngen chinesische Anbieter unaufhaltsam nach vorn. Ausgerechnet in dieser Wachstumsphase kassiert der Konzern einen RĂŒckschlag bei einem zentralen Baustein seiner Elektro-Lieferkette in Osteuropa.
StÀrkstes Plus unter den deutschen Platzhirschen
Der europĂ€ische Automarkt legte im Juni krĂ€ftig zu: Die Neuzulassungen kletterten um 13,6 Prozent auf fast 1,148 Millionen Fahrzeuge. BMW ĂŒbertraf mit einem Plus von 16,1 Prozent sowohl Volkswagen als auch Mercedes-Benz deutlich â ein Wert, der sich im Vergleich zur gesamten deutschen Konkurrenz sehen lassen kann. Der Boom kommt vor allem aus dem Elektrosegment: Batterieautos legten europaweit um mehr als 60 Prozent zu, ihr Marktanteil kletterte im ersten Halbjahr von 15,6 auf 20,7 Prozent.
Der Wermutstropfen liegt im Detail. Chinesische Marken wie BYD, Chery und Leapmotor bauen ihre PrĂ€senz in Europa aus und melden im Jahresvergleich krĂ€ftige ZuwĂ€chse, wenn auch von niedrigem Niveau aus. In Deutschland verkauften chinesische Hersteller im ersten Halbjahr rund 38.000 Elektroautos â nahezu gleichauf mit BMWs eigenen 39.772 Einheiten. Eine Marktanalyse des Center of Automotive Management stellt fest, dass die deutsche Kernflotte beim Elektroanteil insgesamt hinter dem Gesamtmarkt zurĂŒckbleibt.
Ungarn stoppt Elektrolytwerk
WĂ€hrend BMW auf der Absatzseite punktet, hakt es in der Lieferkette. Die neue ungarische Regierung hat den Bau einer Elektrolytfabrik der chinesischen Firma KunlunChem in der Region Szolnok und Abony gestoppt. Das Werk sollte eine SchlĂŒsselrolle in der jungen europĂ€ischen Batterie-Lieferkette fĂŒr BMW und Mercedes-Benz spielen. Der Ausfall dieses Projekts könnte den Aufbau europĂ€ischer BatteriekapazitĂ€ten verzögern â just in einer Phase, in der Elektroautos den gröĂten Wachstumstreiber des Marktes darstellen.
Parallel beobachtet Washington die Beteiligungsstrukturen deutscher Autobauer. Der US-Senatsausschuss hat einen Gesetzentwurf gebilligt, der BeschrĂ€nkungen fĂŒr vernetzte Fahrzeugtechnik aus China dauerhaft festschreiben soll. Eine enthaltene Beteiligungsschwelle von 15 Prozent trifft nach bisherigem Kenntnisstand vor allem Mercedes-Benz, dessen chinesische Anteilseigner in dieser GröĂenordnung liegen sollen. BMW gilt bislang nicht als unmittelbar betroffen, wird aber als Beobachtungsfall gefĂŒhrt, da eine neue Vorgabe PrĂ€zedenzwirkung fĂŒr die gesamte Branche entfalten könnte.
Der Gesetzentwurf muss noch das Senatsplenum sowie drei AusschĂŒsse im ReprĂ€sentantenhaus passieren, bevor er in Kraft treten kann. Zeitlich drĂ€ngt die fĂŒr 2027 vorgesehene Softwarefrist der zugrunde liegenden Verordnung â fĂŒr BMW bleibt das Thema damit vorerst eine Randnotiz mit Beobachtungscharakter, wĂ€hrend die Absatzzahlen aus Europa die eigentliche Kursgeschichte der Woche liefern.
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