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Börse Frankfurt-News: Die MÀrkte und die Trump-Revolution

19.05.2025 - 14:15:43

Sollten Anlegerinnen und Anleger, die langfristig orientiert sind, die derzeitigen Marktturbulenzen aussitzen? Ali Masarwah erinnert daran, dass man zwar InaktivitÀt nicht mit Strategie verwechseln sollte, aber auch nicht Taktik mit Hektik.19. Mai 2025.

Sollten Anlegerinnen und Anleger, die langfristig orientiert sind, die derzeitigen Marktturbulenzen aussitzen? Ali Masarwah erinnert daran, dass man zwar InaktivitÀt nicht mit Strategie verwechseln sollte, aber auch nicht Taktik mit Hektik.

19. Mai 2025. FRANKFURT (envestor): "Wer A sagt, muss auch B sagen" ist ein sehr deutsches Sprichwort, von dem ich kein Fan bin, das ich aber mit Blick auf die aktuelle Marktlage fĂŒr nĂŒtzlich halte. Es geht hier - natĂŒrlich - wieder einmal um den US-PrĂ€sidenten und seinen Einfluss auf die MĂ€rkte. Anleger neigen dazu, dem tĂ€glichen Getöse an der Börse zu viel Einfluss auf ihre Entscheidungen einzurĂ€umen. Getöse gibt es wegen des tĂ€glichen Trump-Chaos aktuell sehr viel. Jeden Tag werden in Washington in atemberaubendem Tempo Entscheidungen getroffen, geĂ€ndert, verworfen. Investoren, die nach dem sogenannten Liberation Day am 2. April investiert haben, lagen mutmaßlich besser als diejenigen, die am 3. April ihr Portfolio umgeschichtet haben. In etlichen Punkten ist die Trump-Administration bei den Strafzöllen zurĂŒckgerudert. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Weisheit etabliert: Wer sich bewegt, verliert! Strategie schlĂ€gt also Taktik. Ist es auch dieses Mal so?

Ich meine, nein. Allerdings darf man Taktik nicht mit Hektik und Strategie nicht mit InaktivitĂ€t verwechseln. Nach gut 100 Trump-Tagen muss ich festhalten: MAGA-Amerika stellt einen Wendepunkt dar - nicht nur in den internationalen Beziehungen, sondern auch fĂŒr die KapitalmĂ€rkte. Die Verschiebungen sind real und von tektonischer Natur. Die Trump-Disruption der internationalen Beziehungen erfordert eine Neubewertung globaler MĂ€rkte. Die Zeit des US-Exzeptionalismus geht dem Ende entgegen, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen und auch mit Blick auf die bisherige globale LeitwĂ€hrung, den US-Dollar. Wenn wir aber anerkennen, dass US-Assets nicht lĂ€nger das Maß aller Dinge sind (hier kommt das "A" ins Spiel), dann mĂŒssen wir auch die Konsequenzen zumindest als plausible Investmentthese ins Blickfeld nehmen (wir sind beim "B" angekommen).

Wir sollten uns aufgefordert fĂŒhlen, die MĂ€rkte mit anderen Augen zu sehen. Allerdings gilt das nicht erst seit heute. Auch tektonische Verschiebungen bahnen sich langsam an. Unsere langjĂ€hrige Kritik an US-zentrierten Aktienportfolios (Stichwort: MSCI-World-ETFs) hat sich als richtig herausgestellt. Wir sind seit zwei Jahren in unseren Beratungsmandaten systematisch untergewichtet in den USA. Europa und auch China werden zwei neue Zentren in einer zunehmend multipolaren Welt sein, und daraus sollte sich ein stĂ€rkeres Gewicht dieser beiden Regionen bzw. LĂ€nder in globalen Aktienportfolios ergeben. Der Performance von Rentenportfolios hat es wiederum gutgetan, weniger in Staatsanleihen zu allokieren und stattdessen stĂ€rker Anleihen mit RisikoaufschlĂ€gen zu berĂŒcksichtigen - Unternehmensanleihen, High Yield, Loans und CAT-Bonds. Wer den US-Dollar als Risikofaktor identifiziert hat, wird auch bei Treasuries, die in globalen Rentenportfolios hoch gewichtet sind, Vorsicht walten lassen.

Von Ali Masarwah, 19. Mai 2025, © envestor.degen

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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