Börse Frankfurt-News: Freudlose 18.000 (Marktstimmung)
14.03.2024 - 09:55:35Obwohl deutsche Bluechips gemessen am DAX im heutigen Handelsverlauf erstmals die 18.000er-Marke geknackt haben, misstrauen die von uns befragten institutionellen Investoren der Kursrallye hartnÀckig, wie Goldberg analysiert.
13. MĂ€rz 2024. (Goldberg & Goldberg). Es soll Zeiten gegeben haben, da knallten jedes Mal, wenn der DAX eine neue runde Zahl erreicht hatte, die Champagnerkorken, und ja, eine Torte wurde in den Börsensaal hereingefahren und angeschnitten. Ganz zu schweigen von den Fotografen, die frĂŒher vor der Börsentafel ausharrten, um in dem Moment, wo die nĂ€chste 1.000er Stufe erreicht war, auf den Auslöser zu drĂŒcken.
Nichts davon war heute zu beobachten, als der DAX kurz vor dem Stichpunkt unserer aktuellen Stimmungserhebung die 18.000er Marke touchierte. Das muss allerdings nicht unbedingt als Zeichen mangelnden Interesses gewertet werden. Denn prozentual gesehen wird natĂŒrlich jeder neue 1.000er Schritt beim DAX immer kleiner.
Oder wollte man ganz einfach um jeden Preis den Eindruck vermeiden, dass sich der DAX in einer euphorischen Phase kurz vor Ende seines AufwĂ€rtstrends befindet? Mitnichten. Denn zumindest das Gros der von uns befragten Börsianer war bei unserer vergangenen Umfrage nicht bullish gestimmt. Vielmehr dĂŒrften viele Akteure dem seit Wochen fast ununterbrochenen Anstieg des DAX immer mehr misstraut haben, obwohl derzeit auf den ersten Blick nicht ganz klar scheint, woher ein massiver Abverkauf von Aktien ĂŒberhaupt kommen soll. Obwohl etwa die Inflation in den USA laut dem gestern veröffentlichten Bericht stĂ€rker als erwartet ausgefallen war und somit die Erwartungen gedĂ€mpft wurden, die US-Notenbank könne schon bald die Zinsen senken.
Steigende Skepsis statt Feierlaune
Nun stand bei der heutigen Stimmungserhebung bei institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont erneut die Gruppe der neutral gestimmten Akteure im Mittelpunkt. Denn dort ergab sich abermals ein deutlicher Abgang, aber im Gegensatz zur Vorwoche - damals profitierten die Bullen davon - bewegten sich dieses Mal 10 Prozent aller Befragten in Richtung BĂ€renlager, das allerdings auch zu einem ganz geringen Anteil von ehemaligen Bullen profitierte. Damit ergibt sich innerhalb von zwei Wochen ein RĂŒckgang bei den neutral gestimmten Akteuren um insgesamt 16 Prozentpunkte und gleichzeitig handelt es sich beim verbliebenen Rest von 13 Prozent aller Befragten um den niedrigsten Stand seit dem 29. April 2020. Per Saldo ist unser Börse Frankfurt Sentiment-Index damit um 12 Punkte auf einen neuen Stand von -23 gefallen.
In die andere Richtung ging es indes bei den Privatanlegern, bei denen vormals bearish gestimmte Börsianer das Handtuch geworfen haben - immerhin 4 Prozent aller Befragten, um sich direkt zu den Optimisten zu gesellen und somit den Börse Frankfurt Sentiment-Index in diesem Panel gegenĂŒber der Vorwoche um 8 Punkte auf einen neuen Stand von +5 anzuheben.
NeutralitÀt keine Option
Damit ist die Stimmungskluft zwischen institutionellen Investoren und Privatanlegern wieder deutlich vergröĂert. Auch wenn der Pessimismus auf den ersten Blick bei den institutionellen Investoren mit -23 auf dem zweithöchsten Stand innerhalb dieses Jahres liegt, lohnt sich auf jeden Fall der Drei- bzw. Sechstmonatsvergleich. Da zeigt sich, dass der Pessimismus lĂ€ngst nicht so ausgeprĂ€gt ist, wie er in der absoluten Betrachtung erscheint. Allerdings ist die Sentiment-Entwicklung insofern bemerkenswert, als sich wĂ€hrend der vergangenen beiden Wochen der RĂŒckgang bei den neutral gestimmten Investoren nur ungleich entwickelt hat und letztlich im steigenden Markt zugunsten der BĂ€ren (rund 62 Prozent wanderten dorthin) ausgefallen ist.
Allerdings glauben wir nicht, dass die sich derzeit in der Mehrheit befindlichen BĂ€ren - vielfach dĂŒrften sich die dahinter stehenden Positionen bereits unter Wasser befinden - tatsĂ€chlich auf eine Trendwende, sondern lediglich auf einen RĂŒcksetzer beim DAX spekulieren. Dabei wĂŒrde den meisten von ihnen vermutlich schon eine Korrektur in Richtung 17.630/80 genĂŒgen, weswegen wir in diesem Bereich im Falle eines Falles fĂŒr den DAX stĂŒtzende Nachfrage erwarten. Allerdings dĂŒrften die Positionierungen nicht groĂ genug sein, um auf der anderen Seite bei weiter steigenden Kursen zwingend fĂŒr eine Short-Squeeze zu sorgen. Damit bleiben die Aussichten fĂŒr den DAX aus Sentiment-technischer Sicht weiterhin positiv.
13. MĂ€rz 2024, © Goldberg & Goldberg fĂŒr boerse-frankfurt.de
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

