Ergebnisse, Produktion/Absatz

DHL bestÀtigt Jahresziele inmitten von Zoll-Chaos - Aktie im Plus

30.04.2025 - 15:05:10

BONN - Anders als einige Branchenkonkurrenten hÀlt der Logistikkonzern DHL Group DE0005552004 an seinen Jahreszielen fest.

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenzen, Kursteil, Analystenstimmen)

BONN (dpa-AFX) - Anders als einige Branchenkonkurrenten hĂ€lt der Logistikkonzern DHL Group DE0005552004 an seinen Jahreszielen fest. Es sei weiterhin mit einem gedĂ€mpften makroökonomischen Umfeld sowie einem positiven Beitrag aus den eingeleiteten Sparmaßnahmen zu rechnen, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des Dax DE0008469008-Konzerns. Auf Basis dieser Annahmen bleibe die Prognose fĂŒr 2025 unverĂ€ndert. Mögliche Auswirkungen aus Änderungen der US-Zoll- und Handelspolitik klammert das Management hierbei allerdings aus.

Im ersten Quartal schnitten die Bonner derweil ĂŒberraschend gut ab. Wenngleich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur ein kleines Plus geschafft wurde, fielen die Ergebnisse etwas besser aus, als die vom Unternehmen erfassten Analysten im Mittel erwartet hatten. Die Aktie zog auf die Nachrichten hin an.

Am Nachmittag gehörte sie mit 2,5 Prozent Plus weiterhin zu den Top-Werten im deutschen Leitindex. Das Auf und Ab in diesem Jahr setzt sich damit fort: Bis Anfang MĂ€rz war die Aktie zunĂ€chst aufwĂ€rts geklettert; dann entwickelte sich im Gleichklang mit den allgemeinen Marktverwerfungen ein AbwĂ€rtstrend, der vor drei Wochen in dem niedrigsten Niveau des laufenden Jahres mĂŒndete. Von diesem Tief aus geht es seitdem wieder aufwĂ€rts, und seit dem Jahreswechsel steht so momentan ein Plus von gut 11 Prozent zu Buche.

Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler hob hervor, dass das operative Ergebnis (Ebit) vor allem dank der besser als erwartet ausgefallenen GeschĂ€ftsentwicklung in den zwei Bereichen Post & Paket Deutschland (P&P) sowie Express die KonsensschĂ€tzung ĂŒbertroffen habe. Es wurden allerdings auch Schwachstellen im Quartalsbericht ausgemacht.

So verwiesen Warburg-Analyst Christian Cohrs und JPMorgan-Analystin Alexia Dogani auf die ĂŒberraschende und auch sehr deutliche Ergebnisverschlechterung im Speditionsbereich (GFF). Alles in allem wurde dem Unternehmen aber eine gute GeschĂ€ftsentwicklung in einem stark herausforderndem Marktumfeld bescheinigt.

Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um 2,8 Prozent auf gut 20,8 Milliarden Euro. Davon blieben vor Zinsen und Steuern (Ebit) fast 1,4 Milliarden Euro hĂ€ngen, was 4,5 Prozent mehr war als ein Jahr zuvor. Der freie Barmittelzufluss legte um gut 17 Prozent auf 732 Millionen Euro zu und fiel damit ebenfalls höher aus, als am Markt geschĂ€tzt worden war. Gleiches galt fĂŒr den auf die AktionĂ€re entfallenden Gewinn, der mit 786 Millionen Euro um gut 6 Prozent stieg.

Konzernchef Tobias Meyer verwies bei der Zahlenvorlage auf das schwierige konjunkturelle Umfeld. Dieses sei zum Jahresstart von einer allgemeinen wirtschaftlichen ZurĂŒckhaltung sowie der US-Zoll- und Handelspolitik geprĂ€gt gewesen.

Selbige stand auch bei den Telefonkonferenzen mit dem Konzern-Management im Fokus. Meyer und Finanzchefin Melanie Kreis berichteten von einer großen Vielzahl und Varianz an FĂ€llen und Sondersituationen, mit deren Abwicklung der Logistikkonzern konfrontiert sei, seitdem US-PrĂ€sident Donald Trump vor rund vier weitreichende Zölle verkĂŒndet hatte. Diese unterliegen wiederum seitdem bereits zahlreichen Änderungen und Ausnahmen.

Die Verzollung sei komplex, kommentierte Managerin Kreis, und der Teufel stecke im Detail. Die Kunden brĂ€uchten umso mehr UnterstĂŒtzung. Sie und Konzernchef Meyer zeigten sich zuversichtlich, dass viele Kunden in diesen volatilen Zeiten fĂŒr den Warentransport verstĂ€rkt auf Premiumanbieter im Markt setzen. Auch eine mögliche Neuordnung der Welthandelsrouten könnte der DHL zugutekommen.

Dennoch spĂŒren die Bonner auch die negativen Folgen des Zoll-Chaos. So hĂ€tten sich die Handelsströme insbesondere zwischen China und den USA bereits merklich verringert. Außerdem seien viele Kunden verunsichert und wĂŒrden sich angesichts der sich stĂ€ndig Ă€ndernden Regeln momentan zurĂŒckhalten, berichtete das Management. Ob am Ende die positiven oder negativen Auswirkungen ĂŒberwiegen werden, mĂŒsse abgewartet werden.

Zugleich bereitet die DHL sich auch auf eine mögliche rapide Erholung der Sendungsmengen und Handelsströme vor. Diese könnte aufkommen, sollten im Handelskrieg, speziell zwischen den USA und China, ĂŒberraschend schnell Einigungen erzielt werden.

Die Jahresziele von DHL sehen momentan einen operativen Gewinn von mindestens 6 Milliarden Euro sowie einen freien Barmittelzufluss von rund 3 Milliarden Euro vor. Am Dienstag hatte der US-Konkurrent UPS US9113121068 seine Jahresprognose ausgesetzt, und im MĂ€rz hatte Konkurrent Fedex US31428X1063 mit Verweis auf die unsichere US-Wirtschaftslage seine Jahresziele gesenkt.

DHL hat derweil einen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleinen Fußabdruck in den USA. Allerdings wĂŒrde ein RĂŒckgang der globalen Wirtschaft und ein erlahmender Welthandel als Folge des US-Handelskriegs den Konzern beeintrĂ€chtigen, der in ĂŒber 220 LĂ€ndern und Territorien aktiv ist. Das Gros der Analysten rechnet damit, dass die Fracht- und LogistikmĂ€rkte in einen Abschwung ĂŒbergehen dĂŒrften, wenn die US-Regierung ihren Kurs nicht Ă€ndert.

@ dpa.de | DE0005552004 ERGEBNISSE