Bosch will Milliarden in GebÀudetechnik-Deal stecken
23.07.2024 - 14:59:46Wie die Unternehmensgruppe aus Gerlingen bei Stuttgart mitteilte, ist geplant, das Heizungs-, LĂŒftungs- und KlimalösungsgeschĂ€ft fĂŒr Wohn- und kleine GewerbegebĂ€ude vom irischen GebĂ€udetechnik-Konzern Johnson Controls zu ĂŒbernehmen.
GröĂte Transaktion in Bosch-Geschichte
AuĂerdem will Bosch im Zuge der Ăbernahme ein Gemeinschaftsunternehmen von Johnson Controls US4783661071 und dem japanischen Industriekonzern Hitachi erwerben. Der Kaufpreis betrĂ€gt insgesamt acht Milliarden US-Dollar, also rund 7,4 Milliarden Euro. "Wir können diese Transaktionen komplett aus eigener Kraft finanzieren", sagte Bosch-Chef Stefan Hartung.
Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat von Bosch haben der Transaktion zugestimmt, hieĂ es weiter. Die beteiligten Parteien unterzeichneten demzufolge verbindliche Vereinbarungen zu den Akquisitionen. Die Ăbernahme soll voraussichtlich in zwölf Monaten erfolgen - vorausgesetzt, die Behörden stimmen dem Deal zu.
Bei dem Zukauf handelt es sich Hartung zufolge um die gröĂte Transaktion in der fast 140-jĂ€hrigen Unternehmensgeschichte. Zum Vergleich: Der nĂ€chstkleinere Zukauf tĂ€tigte Bosch nach eigenen Angaben vor knapp zehn Jahren. Damals ĂŒbernahm der Konzern die HĂ€lfte des HausgerĂ€teherstellers BSH von Siemens DE0007236101 und wurde so zum alleinigen EigentĂŒmer des Unternehmens. Der Kaufpreis betrug damals drei Milliarden Euro.
Zukauf stÀrkt Marktposition in den USA und Asien
Die GeschÀfte, die Bosch nun kaufen will, erwirtschafteten im GeschÀftsjahr 2023 einen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Rund 12.000 Menschen waren dort beschÀftigt. Die Transaktion umfasst 16 ProduktionsstÀtten und 12 Entwicklungsstandorte in mehr als 30 LÀndern. Rund 90 Prozent des Umsatzes wurden in den USA und Asien erzielt. Mit dem Zukauf stÀrke man die PrÀsenz in diesen Regionen, sagte Hartung.
"So eröffnen wir uns weitere Wachstumschancen und stellen das gesamte Unternehmen noch robuster auf", sagte Hartung. Der Manager hatte bereits in den vergangenen Wochen mehrfach angedeutet, Bosch mit strategischen ZukÀufen stÀrken zu wollen.
Bosch sieht Wachstumschancen
Bosch rechnet im Heizungs-, LĂŒftungs- und Klimatisierungsmarkt mit viel Potenzial fĂŒr Wachstum: Das Unternehmen geht davon aus, dass der weltweite Markt fĂŒr Produkte in dem Bereich bis 2030 um 40 Prozent wachsen wird. Die Treiber dafĂŒr seien der technologische Fortschritt, der Kampf gegen den Klimawandel und neue gesetzliche Vorgaben.
Bosch sieht sich dafĂŒr aufgestellt: Das Ziel sei, den wachsenden Markt in der Energie- und GebĂ€udetechnik aktiv mitzugestalten und eine globale Spitzenposition einzunehmen. Bislang ist Bosch mit seiner Tochter Bosch Home Comfort Group - zu der auch Marken wie Buderus gehören - insbesondere im Heizungsmarkt in Europa vertreten. Durch die den Kauf verstĂ€rke man vor allem den Bereich Klimatisierung. AuĂerdem könne der Konzern das GeschĂ€ft mit WĂ€rmepumpen nun global ausbauen und so bessere Kostenvorteile erzielen.
Integriert werden soll das neue GeschĂ€ft in die Tochter, die bis 2023 Bosch Thermotechnik hieĂ. Die Home Comfort Group mit Verwaltungssitz in Wetzlar erwirtschaftete vergangenes Jahr mit 14.600 BeschĂ€ftigten einen Umsatz von rund fĂŒnf Milliarden Euro. Das war rund ein Zwanzigstel des Konzernumsatzes von gut 91,6 Milliarden Euro. Umsatz und Mitarbeiterzahl des Tochterunternehmens wĂŒrden sich nach Abschluss des Kaufs fast verdoppeln.
Bosch zurĂŒckhaltend bei Jahreszielen
Bosch ist als weltweit gröĂter Autozulieferer bekannt, verkauft aber unter anderem auch HaushaltsgerĂ€te, Elektrowerkzeuge und WĂ€rmepumpen. Die breite Aufstellung - sonst ein Vorteil des Konzerns - wurde ihm zuletzt aber zum Nachteil. Denn aktuell hat Bosch in fast allen Sparten mit Gegenwind zu kĂ€mpfen.
Der Wandel zu E-Motor und Brennstoffzelle verlĂ€uft nicht so schnell wie erwartet. Bis sich die Milliardeninvestitionen in die Transformation auszahlen, dĂŒrfte daher noch einige Zeit vergehen. Die maue Weltkonjunktur trifft auch viele Kundinnen und Kunden. Sie halten sich beim Kauf von GerĂ€ten wie Akkuschraubern, Waschmaschinen und KĂŒhlschrĂ€nken zurĂŒck.
Um die WettbewerbsfĂ€higkeit nicht zu gefĂ€hrden, spart Bosch daher aktuell Kosten und priorisiert Investitionen. Auch beim Personal. Zuletzt stand konzernweit ein Abbau von mehreren Tausend Stellen im Raum. Bei den Jahreszielen hĂ€lt sich der Traditionskonzern daher ebenfalls zurĂŒck. Angepeilt wird ein Umsatzwachstum von fĂŒnf bis sieben Prozent.

