Brandschutz, Sensoren

Brandschutz 2026: Sensoren statt Feuerlöscher in deutschen Schaltanlagen

03.01.2026 - 09:53:12

Deutsche Industriebetriebe rüsten Elektrobetriebsräume mit permanenter Sensorüberwachung auf, um Brände aktiv zu verhindern und strengeren Vorschriften gerecht zu werden.

Die deutsche Industrie rüstet ihre Elektroräume digital auf. Statt auf passive Schutzmaßnahmen setzen Betreiber zunehmend auf permanente Sensor-Überwachung, um Brände von vornherein zu verhindern.

Berlin, 3. Januar 2026 – Der Jahresbeginn bringt eine klare Trendwende im industriellen Brandschutz. Fachleute und Behörden drängen auf strengere Sicherheitsstandards für Elektrobetriebsräume – und lösen damit einen schnellen Umstieg auf sensorbasierte Überwachungstechnologien aus. Ein aktueller Bericht zeigt, wie die Verordnung über den Bau von Betriebsräumen für elektrische Anlagen (EltBauVO) die Compliance-Strategien für 2026 prägt. Die Branche wandelt sich von passiver Eindämmung zu aktiver, digitaler Prävention.

EltBauVO: Vorschriften werden strenger durchgesetzt

Seit dem 2. Januar schärfen Sicherheitsbehörden und Fachmedien den Fokus auf die strengen Anforderungen für Elektrobetriebsräume. Ein aktueller Compliance-Bericht des Fachportals Elektrofachkraft macht deutlich: Betreiber von Hochspannungsschaltanlagen (über 1 kV) stehen unter verschärfter Beobachtung ihrer baulichen Brandschutzmaßnahmen.

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Der rechtliche Rahmen verlangt, dass Elektroräume als Sonderbauten mit spezifischer Feuerwiderstandsfähigkeit fungieren. Wände und Decken müssen feuerbeständig (typischerweise F90) sein, Türen mindestens feuerhemmend und rauchdicht. Doch der Fokus für 2026 geht über reine physikalische Abschottung hinaus. Experten betonen: Passive Maßnahmen wie feuerfeste Wände sind Pflicht, bleiben aber reaktiv. Die Branche definiert „Sicherheit“ zunehmend so, dass sie die Verhinderung der Brandquelle – der Schaltanlage selbst – durch permanente Überwachung einschließt.

Diese Neuausrichtung speist sich aus der Erkenntnis: Selbst ein eingedämmter Brand verursacht katastrophale Betriebsausfälle. Das Ziel für 2026 lautet daher, Lichtbogenfehler und thermisches Durchgehen zu verhindern, noch bevor ein Feuer entsteht. So soll die Lücke zwischen den gesetzlichen Mindestanforderungen der EltBauVO und der betrieblichen Notwendigkeit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung geschlossen werden.

Aktive Prävention: Sensoren überwachen rund um die Uhr

Um diesen gestiegenen Sicherheitserwartungen gerecht zu werden, setzen deutsche Facility Manager auf sensorbasierte Überwachungssysteme. Anders als traditionelle, periodische Inspektionen (z.B. mit Wärmebildkameras), die nur eine Momentaufnahme liefern, priorisieren die Betriebsstrategien für 2026 die 24/7-Dauerüberwachung.

Neue Sensortechnologien ermöglichen die Echtzeit-Verfolgung kritischer Parameter:
* Sammelschienen-Temperatur: Drahtlose Thermalsensoren an Sammelschienen und Kabelverbindungen erkennen Überhitzung, lange bevor ein Feuer ausbricht.
* Teilentladungen (TE): Moderne akustische und elektromagnetische Sensoren identifizieren Isolationsverschlechterungen – eine häufige Ursache für Lichtbogenfehler.
* Umgebungsbedingungen: Die Überwachung von Luftfeuchtigkeit und Ozonkonzentration hilft, Kurzschluss-gefährdete Zustände vorherzusagen.

Branchenanalysten sehen die Integration dieser Sensoren auf dem Weg zum De-facto-Standard für kritische Infrastrukturen. Die gesammelten Daten ermöglichen „prädiktiven Brandschutz“ – etwa die Identifikation einer sich lockernden, erhitzenden Verbindung Wochen vor einer möglichen Zündung. Dies passt zum übergreifenden „Industrie 4.0“-Trend, bei dem Sicherheitssysteme nicht länger isoliert, sondern in die zentrale Gebäudeleittechnik integriert werden.

Marktdynamik: Technologieriesen treiben Digitalisierung vor

Den Schub zur sensorbasierten Prävention unterstützen signifikante Marktbewegungen großer Technologieanbieter. Im breiteren Marktkontext für Anfang 2026 haben Global Player wie ABB und Siemens ihre Portfolios für diesen digitalen Wandel ausgebaut.

So soll der strategische Kauf des Teilentladungs-Spezialisten IPEC durch ABB im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Diese Bewegung unterstreicht das Bestreben der Branche, Diagnose-Intelligenz direkt in die elektrische Infrastruktur einzubetten. Parallel erweitert Siemens sein „blue GIS“-Portfolio, das nicht nur fluorierte Gase eliminiert, sondern auch intelligente Sensoren integriert. Sie liefern die von modernen Netzbetreibern geforderte Transparenz über den Anlagenzustand.

Diese technologischen Fortschritte sind entscheidend für die Nachrüstung bestehender Anlagen. Viele deutsche Industriebetriebe arbeiten mit alternder Schaltanlagentechnik. Ein Komplettaustausch ist oft kostspielig. Die Nachrüstung mit drahtlosen Thermalsensoren bietet dagegen einen wirtschaftlichen Upgrade-Pfad, der sowohl interne Sicherheitsauditoren als auch externe Versicherer zufriedenstellt.

Versicherer belohnen aktive Vorsorge

Die Rolle der Sachversicherer ist in dieser Entwicklung für 2026 nicht zu unterschätzen. Die Richtlinien des VdS Schadenverhütung bleiben der Maßstab für die Risikobewertung. Versicherer begünstigen zunehmend Betriebe, die proaktives Risikomanagement nachweisen können.

Während die VdS-Richtlinie 2046 die Anforderungen für Elektrobetriebsräume umreißt, geht die Interpretation 2026 stark in Richtung Risikominimierung. Eine Anlage, die sich nur auf passive Lösungen wie Sprinkler oder Gaslöschanlagen verlässt, könnte mit höheren Prämien rechnen als ein Betrieb mit aktiver Prävention durch Thermomonitoring. Die Logik ist einfach: Ein verhinderter Brand ist unendlich viel günstiger als ein gelöschter – samt anschließender Sanierung und Stromausfall.

Der Bericht der Elektrofachkraft vom 2. Januar weist zudem darauf hin, dass Kabeldurchführungen mit nichtbrennbaren Materialien abgedichtet sein müssen. Auch spezifische Lüftungsanforderungen zum Druckabbau bei Kurzschlusslichtbögen sind zu erfüllen. Sensordaten helfen dabei, die Einhaltung dieser Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftströmung) stets zu verifizieren und einen digitalen Prüfpfad für Versicherer zu schaffen.

Ausblick: Künstliche Intelligenz wird Brandschutz revolutionieren

Für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 wird eine beschleunigte Konvergenz von Brandschutz und Künstlicher Intelligenz erwartet. Je mehr Schaltanlagen sensorbestückt sind, desto mehr Daten fallen an. KI-Analysen werden nötig, um zwischen normaler lastbedingter Erwärmung und gefährlichen Anomalien zu unterscheiden.

Experten prognostizieren, dass bis Jahresende „Digitale Zwillinge“ elektrischer Systeme in großen deutschen Industrieanlagen verbreitet sein werden. Diese virtuellen Abbilder, gespeist von Echtzeit-Sensordaten, werden Sicherheitsverantwortlichen erlauben, Belastungsszenarien zu simulieren und Schwachstellen mit hoher Genauigkeit vorherzusagen.

Die Botschaft für Januar 2026 ist klar: Die Einhaltung der EltBauVO ist die Basis, aber die sensorbasierte Überwachung ist der neue operative Standard. Deutsche Unternehmen sollten ihre Brandschutzstrategien umgehend überprüfen – und von der Haltung „auf Alarme reagieren“ zu „den Alarm von vornherein verhindern“ wechseln.

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