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Millionenstrafe: EU 'zeigt ZÀhne' und Àrgert Apple und Meta

23.04.2025 - 16:07:05

BRÜSSEL - Im laufenden Handelskonflikt mit den USA verĂ€rgert die EU-Kommission mit Millionen-Strafen US-Unternehmen - erntet aber auch Applaus.

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BRÜSSEL (dpa-AFX) - Im laufenden Handelskonflikt mit den USA verĂ€rgert die EU-Kommission mit Millionen-Strafen US-Unternehmen - erntet aber auch Applaus. Erstmals setzt die Behörde ein neues Digitalgesetz ein und bittet zwei Tech-Giganten zur Kasse: 500 Millionen Euro muss die iPhone-Firma Apple US0378331005 und 200 Millionen Euro der Facebook-Konzern Meta US30303M1027 zahlen. Gegen die Strafen kann noch vor Gericht vorgegangen werden.

Apple sieht darin ein unfaires Vorgehen und hat bereits juristischen Widerstand angekĂŒndigt. Meta spricht davon, die BrĂŒsseler Behörde versuche, "erfolgreiche amerikanische Unternehmen zu behindern". Die Firmen haben nach Ansicht der Behörde europĂ€isches Digitalrecht verletzt - genauer gesagt das Gesetz ĂŒber digitale MĂ€rkte (DMA).

Lob aus Europa

Die Entscheidung der EU-Kommission zu Millionenstrafen gegen die US-Techfirmen trifft hingegen in Europa auf Zustimmung. "Wer in der EU GeschĂ€fte macht, muss sich an unsere Regeln halten", sagte Katarina Barley (SPD), VizeprĂ€sidentin des EU-Parlaments. "Wir mĂŒssen rigoros gegen weitere VerstĂ¶ĂŸe vorgehen. Big Tech hat zu lange durch unfaire Praktiken den Wettbewerb verzerrt und kleinere Unternehmen behindert." Auch Politiker anderer Parteien begrĂŒĂŸten das Vorgehen der Kommission.

Auch der EuropĂ€ische Verbraucherverband Beuc befĂŒrwortete die Maßnahme. Apple und Meta hĂ€tten reichlich Zeit gehabt, sich an das geltende Recht zu halten, hĂ€tten das jedoch hinausgezögert und versucht, die Regeln zu ihrem eigenen Vorteil zu verdrehen.

Mit der Verordnung soll zum Beispiel sichergestellt werden, dass mit einer marktbeherrschenden Stellung keine anderen Anbieter benachteiligt werden. Damit sollen auch Verbraucherinnen und Verbraucher gestÀrkt werden, indem sie etwa von niedrigeren Preisen und besserem Datenschutz profitieren. Die nun verhÀngten Sanktionen sind die ersten Strafen unter dem noch recht jungen Gesetz.

Apple: Wir werden gezwungen Technologie umsonst abzugeben

Nach Ansicht von Apple wird das Unternehmen durch die Kommission gezwungen, Technologie kostenlos abzugeben. "Wir haben Hunderttausende von Entwicklungsstunden investiert und Dutzende von Änderungen vorgenommen, um diesem Gesetz zu entsprechen", teilte Apple mit. Trotz zahlloser Treffen verschiebe die Kommission immer wieder Zielvorgaben.

Meta wird in seiner Wortwahl noch deutlicher: Es gehe nicht nur um eine Geldstrafe; die Kommission zwinge Meta sein GeschÀftsmodell zu Àndern und belaste das Unternehmen mit einem "milliardenschweren Zoll". WÀhrenddessen werde chinesischen und europÀischen Unternehmen erlaubt, nach anderen Standards zu arbeiten.

Weitere Kritik zu den Sanktionen kommt vom Wirtschaftsverband Computer & Communications Industry Association (CCIA Europe). Es fehle an Vorhersehbarkeit und VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit. Apple und Meta sind Mitglieder bei CCIA Europe. Lob fĂŒr das Vorgehen der BrĂŒsseler Behörde kommt hingegen vom deutschen Startup-Verband: "Der Digital Markets Act zeigt ZĂ€hne - und das ist ĂŒberfĂ€llig."

Kommission: Verfahren hÀngt nicht mit Zollstreit zusammen

Die Strafen könnten Auswirkungen auf die aktuellen Spannungen zwischen den USA und der EU haben. Der republikanische Vorsitzende der US-Bundeshandelskommission (FTC), Andrew Ferguson, sagte jĂŒngst bei einer Veranstaltung, dass es so aussehe, als sei der Digital Markets Act (DMA) eine Form der Besteuerung amerikanischer Unternehmen. Die EU-Kommission hat in den vergangenen Jahren immer wieder hohe Strafen gegen US-Techunternehmen verhĂ€ngt.

Die BrĂŒsseler Behörde betont hingegen stets, dass Verfahren gegen amerikanische Techkonzerne nicht mit den aktuellen Spannungen mit Washington wegen des Zollstreits im Zusammenhang stehen.

Kommission: Apple schrÀnkt App-Entwickler zu stark ein

BrĂŒssel betont, dass es in dem Verfahren darum geht, dass Apple App-Entwickler daran hindert, Verbrauchern Angebote außerhalb des App-Stores zugĂ€nglich zu machen. Nutzer könnten nicht in vollem Umfang von alternativen und gĂŒnstigeren Angeboten profitieren, da der Konzern die Entwickler davon abhalte, sie direkt ĂŒber solche Angebote zu informieren.

Metas Strafe ist laut Kommission auf dessen sogenanntes Pay-or-consent-Modell zurĂŒckzufĂŒhren. Die BrĂŒsseler Behörde hatte bereits vergangenen Juli mitgeteilt, dass sie die Ansicht vertritt, dass dieses nicht mit EU-Recht vereinbar ist.

Meta fĂŒhrte neue Optionen ein

Im Fokus steht, dass sich Nutzer von Facebook und Instagram zwischen einer monatlichen GebĂŒhr fĂŒr eine werbefreie Version und einer kostenlosen Version mit personalisierter Werbung entscheiden mĂŒssen. Es gebe Nutzern nicht ausreichend Möglichkeit, sich fĂŒr einen Dienst zu entscheiden, der weniger persönliche Daten verwende.

Nach Angaben der Kommission hat Meta im November 2024 eine andere Version des kostenlosen personalisierten Werbemodells eingefĂŒhrt. Dabei gebe es eine neue Option, bei der weniger personenbezogene Daten verwendet werden sollen. "Die Kommission prĂŒft derzeit diese neue Option." Die Strafe beziehe sich auf den Zeitraum des mutmaßlichen Rechtsverstoßes zwischen MĂ€rz 2024 und November 2024.

Höhere Strafen wÀren möglich gewesen

Wer sich nicht an den DMA hÀlt, muss mit drastischen Sanktionen rechnen. Der Rechtstext sieht die Möglichkeit vor, Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes zu verhÀngen. Bei WiederholungstÀtern kann dieser Satz auf 20 Prozent steigen.

FĂŒr das vergangene Jahr hatte Apple einen Umsatz von knapp 400 Milliarden US-Dollar (rund 370 Mrd. Euro) vermeldet. Bei Meta liegt der Wert Unternehmensangaben zufolge bei rund 165 Milliarden US-Dollar.

@ dpa.de | US0378331005 PRODUKTION/ABSATZ