Hoppermann neue CDU-GeneralsekretÀrin - Merz unter Druck
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 15:14 Uhr | dpa.deAuf seinen Vorschlag wÀhlte der CDU-Vorstand die bisherige Schatzmeisterin der Partei aus Hamburg einstimmig zur Nachfolgerin von Carsten Linnemann, der Gesundheitsminister wird.
In den Sitzungen der Spitzengremien der CDU konnte der Kanzler den Ărger ĂŒber den Rauswurf von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nicht abmildern. Schnieders Landesverband geht jetzt offen auf Konfrontation zu Merz. Und die WahlkĂ€mpfer in Ostdeutschland sind sauer, welches Bild die Partei nur sechs Wochen vor der ersten von drei Landtagswahlen im September abgibt.
Weitere Frau in FĂŒhrungsposition
Mit der 44-jÀhrigen Hoppermann steigt nach Nina Warken als Kanzleramtschefin eine weitere Frau in eine wichtige Position im Umfeld von Merz' auf, das bisher sehr mÀnnlich geprÀgt ist. Sie ist mit der Wahl im Vorstand kommissarisch im Amt, bis sie auf dem nÀchsten Parteitag bestÀtigt wird.
Regierungspersonalien mit Risiko
Merz gab weitere Personalien bekannt, die ihm teilweise neue Probleme bescheren könnten.
* Die Sport-Staatsministerin im Kanzleramt, Christiane Schenderlein, soll Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Gesundheitsministerium werden und dort Tino Sorge ablösen, der aus Sachsen-Anhalt stammt. Das dĂŒrfte dem dortigen MinisterprĂ€sidenten Sven Schulze ĂŒberhaupt nicht gefallen, der gerade versucht, einen Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl am 6. September zu verhindern. AuĂerdem gibt es noch keine Nachfolge fĂŒr Schenderlein. Die Ex-FuĂballerin Nadine KeĂler ist im GesprĂ€ch, es gibt aber noch keine Zusage von ihr. Die HĂ€ngepartie beim Personal geht also weiter.
* Die bisherige Parlamentarische StaatssekretÀrin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann, soll auf denselben Posten im Digitalministerium wechseln. Sie hat sich mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nicht besonders gut verstanden, soll aber Mittelstandsbeauftragte bleiben.
* Connemann soll im Wirtschaftsministerium vom Bundestagsabgeordneten und rheinland-pfĂ€lzischen CDU-GeneralsekretĂ€r Johannes Steiniger abgelöst werden - offenbar ein Kompensationsversuch fĂŒr die geplante Entlassung des aus Rheinland-Pfalz stammenden Verkehrsministers Patrick Schnieder. Steiniger war vorher auch als GeneralsekretĂ€r im GesprĂ€ch, soll aber selbst abgesagt haben.
Bereits am Vortag hatte Merz verkĂŒndet, dass der bisherige Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Steffen Bilger Verkehrsminister werden soll. Der Kanzler hatte Schnieder bereits am Donnerstag darĂŒber informiert, dass er ihn entlassen will. Wegen der kurzfristigen Absage des fĂŒr die Nachfolge vorgesehenen Bundestagsabgeordneten Fritz GĂŒntzler wurde das aber drei Tage lang nicht kommuniziert. Am Sonntag bat Schnieder dann selbst um Entlassung, um den "unwĂŒrdigen Zustand" zu beenden.
Weder in den Gremiensitzungen noch in der Pressekonferenz nannte Merz die genauen GrĂŒnde fĂŒr den Rausschmiss Schnieders. Er sagte öffentlich nur, dass er kein persönliches Problem mit ihm habe. Schnieders Bruder, der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder, hatte bereits am Sonntag einen X-Post von Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier geteilt, in dem der seine Wut ĂŒber die Entlassung zum Ausdruck brachte.
GroĂer Unmut in Schnieders Landesverband
Heute sagte die rheinland-pfÀlzische CDU-Landtagsfraktion wegen des Umgangs des Kanzlers mit Schnieder ein avisiertes Treffen mit Merz ab. "Ein persönlicher Austausch zwischen der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz und Ihnen setzt aus unserer Sicht ein Mindestmaà an gegenseitigem Vertrauen und WertschÀtzung voraus, was durch die aktuelle Situation so leider nicht gegeben ist", schrieb der neue Fraktionschef Christoph Gensch in einem Brief an Merz.
Die Fraktion plant vom 9. bis 11. September eine Klausur in Berlin. Merz sagte dazu: "Ich gehe mal davon aus, dass sich die Wogen bis zum September wieder etwas geglÀttet haben und dass ich selbstverstÀndlich dann auch die Landtagsfraktion aus Rheinland-Pfalz sehe." Im Augenblick gebe es gerade in diesem Landesverband eine verstÀndliche Aufregung, "aber ich werde das auch nochmal erlÀutern".
WahlkÀmpfer Schulze fordert Ende der Personalquerelen
Auch in den Ost-VerbĂ€nden der CDU wird der Ărger ĂŒber Merz gröĂer. Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Schulze sagte im Deutschlandfunk, die Personalrochade sei "nicht unbedingt gut verlaufen". Es sei "fast unmöglich, sich dann am Wahlkampfstand auf Landesthemen zu konzentrieren". "Deswegen ist mein Wunsch nicht nur, sondern auch meine Forderung, dass dieses Thema jetzt oder diese Themen, die jetzt heute noch final beschlossen werden mĂŒssen oder verkĂŒndet werden mĂŒssen, dann auch ein Ende finden."
Söder nimmt Merz in Schutz
Auch Bundestagsabgeordnete und hochrangige Parteivertreter sprechen von handwerklichen Fehlern, von einem "Desaster", das Merz zu verantworten habe. CSU-Chef Markus Söder nahm Merz dagegen am Wochenende in Schutz. Die Verantwortung fĂŒr die HĂ€ngepartie sieht er bei GĂŒntzler. "Wenn man mit jemandem am Abend ausmacht, dass er kommt, und dann in der FrĂŒh um 4.00 Uhr hört, dass es nicht klappt, das macht es manchmal nicht leichter. Da liegt also die Verantwortung sicher nicht beim Bundeskanzler", sagte der bayerische MinisterprĂ€sident im ZDF.
Personalrochade könnte im Herbst eine neue Wendung nehmen
Beendet ist die Personalrochade jedenfalls noch nicht. Möglicherweise ist in den GesprĂ€chen der letzten Tage auch schon ĂŒber das höchste Staatsamt gesprochen worden. Nach den Landtagswahlen im Herbst soll darĂŒber entschieden werden, wen die Union fĂŒr die Nachfolge von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier aufstellt.
Merz nannte die von Söder ins Spiel gebrachte bayerische LandtagsprĂ€sidentin Ilse Aigner eine "respektable, denkbare BundesprĂ€sidentin". Er machte zugleich deutlich, dass es noch keine Entscheidung gebe, wen die Union vorschlagen wolle. Aigner selbst hatte auf die Frage, ob sie fĂŒr das höchste Amt bereitstĂŒnde, zuletzt gesagt: "Diese Frage stellt sich jetzt nicht".
Die Bundesversammlung besteht aus allen Bundestagsabgeordneten und der gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der LÀnder gewÀhlt werden. Am 30. Januar wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Steinmeier gewÀhlt.
