ROUNDUP, Steinmeier

Steinmeier: Truppen in Deutschland auch im Interesse der USA

07.05.2026 - 14:23:28 | dpa.de

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier rechnet damit, dass die USA in Deutschland militĂ€risch prĂ€sent bleiben werden - trotz des angekĂŒndigten RĂŒckzugs mehrerer tausend Soldaten.

Er gehe davon aus, dass den Amerikanern sehr bewusst sei, dass die Stationierung von Soldaten in Deutschland an wichtigen Standorten wie Ramstein auch in ihrem eigenen strategischen Interesse liege, sagte Steinmeier in Helsinki. "Darauf vertrauen und bauen wir."

Finnlands PrĂ€sident Alexander Stubb zeigte sich in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Steinmeier davon ĂŒberzeugt, dass die USA ihren europĂ€ischen VerbĂŒndeten bei einer russischen Aggression weiterhin zu Hilfe kĂ€men. "Ich glaube, dass die US-Sicherheitsgarantien gelten und weiter gelten werden." Die 100 Kilometer von der finnischen Grenze entfernt stationierten russischen Atomwaffen seien in Wahrheit nicht auf Helsinki, Stockholm oder Oslo gerichtet, sondern auf Washington D.C. und New York.

Stubb: StÀrkeres Deutschland bedeutet stÀrkeres Europa

Steinmeier riet den EuropĂ€ern zu Gelassenheit angesichts stĂ€ndig neuer AnkĂŒndigungen und Kommentare von US-PrĂ€sident Donald Trump. "Meine Empfehlung ist: Wir sollten nicht lamentieren und klagen ĂŒber jeden Satz, der uns möglicherweise frĂŒh morgens aus Amerika zuflattert, und daraus versuchen SchlĂŒsse zu ziehen. Sondern die einzige richtige Reaktion darauf ist, uns selbst so stark wie möglich zu machen."

Stubb begrĂŒĂŸte es, dass Deutschland seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 eine fĂŒhrende politische und militĂ€rische Rolle in Europa ĂŒbernommen habe. "Dies ist im Interesse ganz Europas. Ein stĂ€rkeres Deutschland bedeutet ein stĂ€rkeres Europa." Was Deutschland jetzt fĂŒr seine Verteidigung tue, liege nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern der europĂ€ischen Sicherheit insgesamt.

Steinmeier sprach in Helsinki auch mit Finnlands MinisterprÀsident Petteri Orpo. Begleitet wurde er unter anderem vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, und vom PrÀsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Hermann Gröhe.

Finnland bei Zivilschutz Deutschland weit voraus

Steinmeier verschaffte sich nach dem GesprÀch mit Stubb einen Eindruck von den Zivilschutzvorbereitungen Finnlands. Beide PrÀsidenten besuchten die Anlage Merihaka - ein riesiger Bunker, der im Ernstfall rund 25 Metern unter der ErdoberflÀche 6.000 Menschen Schutz bietet.

Anders als Deutschland besitzt Finnland ein dichtes Netz an Luftschutzbunkern. In Helsinki zum Beispiel stehen PlĂ€tze fĂŒr rund 900.000 Menschen bereit - fĂŒr gerade einmal rund 660.000 Einwohner. Landesweit reichen die PlĂ€tze der 55.000 Bunker fĂŒr etwa 85 Prozent der Bevölkerung, wie Stubb erlĂ€uterte.

Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesamts fĂŒr Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe 579 öffentliche SchutzrĂ€ume mit rund 478.000 PlĂ€tzen. Diese seien aber "weder funktions- noch einsatzbereit", schreibt die Behörde auf ihrer Internetseite. Denn seit 2007 erhĂ€lt der Bund die SchutzrĂ€ume nicht mehr. Das Schutzraumkonzept wurde eingestellt.

Wehrpflicht als sozialer Klebstoff der Gesellschaft

Steinmeier lobte das VerstĂ€ndnis von gemeinsamer Verantwortung fĂŒr den Schutz von Sicherheit, Freiheit und Demokratie in der finnischen Gesellschaft. "Das ist ein Beispiel fĂŒr Europa, auch fĂŒr uns." Stubb erlĂ€uterte, dass die in seinem Land nie ausgesetzte Wehrpflicht auch den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördere. "Das ist wirklich ein guter sozialer Klebstoff."

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