Bundesregierung, Schrottimmobilien

Bundesregierung will Schrottimmobilien enteignen lassen

22.03.2026 - 03:24:57 | boerse-global.de

Ein neuer Gesetzentwurf rĂŒstet Kommunen mit schĂ€rferen Instrumenten gegen spekulativen Leerstand aus. Bremen könnte als erste Stadt von erleichterten Instandsetzungsgeboten bis hin zur Zwangsenteignung profitieren.

Bundesregierung will Schrottimmobilien enteignen lassen - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Bundesregierung will Schrottimmobilien enteignen lassen - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Bremen könnte bald marode HĂ€user zwangsenteignen. Bundesbauministerin Verena Hubertz hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Kommunen schĂ€rfere Waffen gegen spekulative EigentĂŒmer gibt. FĂŒr die Hansestadt, die seit Jahren mit verwahrlosten GebĂ€uden kĂ€mpft, kommt der Vorstoß zur rechten Zeit.

Radikaler Vorstoß gegen den Verfall

Die zweite Novelle des Baugesetzbuches markiert einen Paradigmenwechsel. StĂ€dte sollen kĂŒnftig einfacher Instandsetzungsgebote gegen sĂ€umige EigentĂŒmer verhĂ€ngen können. Zeigt das keine Wirkung, ist als letztes Mittel die Enteignung zum Verkehrswert vorgesehen.

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Ziel ist es, spekulativen Leerstand und bewusste Verwahrlosung zu stoppen. HĂ€ufig kaufen Investoren marode HĂ€user, lassen sie verfallen und kassieren dennoch hohe Mieten. Neben diesen Sanktionen priorisiert die Novelle auch den Wohnungsbau rechtlich. Neue Projekte sollen ein â€žĂŒberragendes öffentliches Interesse“ genießen – Ă€hnlich wie Windkraftanlagen.

Auf politischer Ebene zeichnet sich breite Zustimmung ab. Der baupolitische Sprecher der Union, Jan-Marco Luczak, signalisierte GesprĂ€chsbereitschaft, mahnte aber zur Maßhaltung. Der Entwurf durchlĂ€uft derzeit die Ressortabstimmung und soll Ende Mai ins Kabinett.

Bremens langer Kampf mit Problembauten

FĂŒr Bremen kommen die neuen Werkzeuge zum kritischen Zeitpunkt. Die Stadt kĂ€mpft seit Jahren mit abgĂ€ngigen GebĂ€uden, die Sicherheit und Stadtbild gefĂ€hrden. Bekannte Beispiele sind das Koschnick-Haus in Gröpelingen oder GebĂ€ude am Rembertiring.

Bislang stĂŒtzten sich die Behörden auf das Wohnungsaufsichts- und Wohnraumschutzgesetz. Sie konnten so MĂ€ngel beseitigen lassen oder Immobilien unter treuhĂ€nderische Verwaltung stellen. In extremen FĂ€llen ließen Behörden GebĂ€ude sogar rĂ€umen.

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Doch der rechtliche Rahmen erwies sich oft als langwierig und bot Schlupflöcher. Die geplante Enteignungsoption wĂŒrde den Bremer Behörden ein schĂ€rferes Schwert geben, um pflichtvergessene EigentĂŒmer endgĂŒltig aus dem Markt zu drĂ€ngen.

Wohnungsnot befeuert die Debatte

Die Diskussion um Schrottimmobilien ist untrennbar mit der allgemeinen Wohnungsnot verbunden. Aktuelle Daten zeigen eine angespannte Lage: Neuvermietungen kosten in Bremen durchschnittlich 11,26 Euro pro Quadratmeter.

Diese Preise haben soziale Folgen. Wohnraumberater der Caritas warnen vor erheblichem Konfliktpotenzial. Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen schließe immer mehr Menschen aus, besonders Familien und GeflĂŒchtete. Das gefĂ€hrde den sozialen Zusammenhalt.

Der EigentĂŒmerverband Haus & Grund sieht das anders. Die durchschnittliche Bestandsmiete liege mit 7,50 Euro noch relativ niedrig. FĂŒr viele private Vermieter seien diese Einnahmen angesichts steigender Kosten kaum noch auskömmlich. Eine zu starke Regulierung könne Investitionen abwĂŒrgen.

Senat setzt auf Beschleunigung und Investitionen

Gegen Wohnungsnot und Sanierungsstau hat der Bremer Senat eigene Weichen gestellt. Die Koalition aus SPD, GrĂŒnen und Linken einigte sich auf ein zusĂ€tzliches Investitionspaket fĂŒr soziale Stadtentwicklung.

Ein zentraler Punkt ist die Beschleunigung von Baugenehmigungen. Gelockerte Abstandsregeln und vereinfachte Verfahren sollen mehr Wohnraum schaffen, besonders im geförderten Segment. Zudem investiert der Senat Hunderte Millionen in die Sanierung von Schulen und Kitas.

Diese Aufwertung des Wohnumfelds gilt als essenziell, um der Entstehung neuer Problemimmobilien vorzubeugen.

Wird Bremen die neuen Waffen nutzen?

Die kommenden Monate werden richtungsweisend sein. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, liegt der Ball bei den Bremer Behörden. Experten erwarten, dass die Stadt die neuen Rechte zeitnah prĂŒfen und in gravierenden FĂ€llen anwenden wird.

Allein die Drohung der Enteignung könnte eine abschreckende Wirkung haben und Investoren zu Sanierungen bewegen. Doch Stadtplaner und SozialverbÀnde betonen: Sanktionen sind nur ein Teil der Lösung.

Die drÀngendste Aufgabe bleibt der massive Ausbau des Wohnungsangebots. Nur mit deutlich mehr bezahlbaren Miet- und Eigentumswohnungen lÀsst sich der Druck vom Bremer Wohnungsmarkt nehmen.

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