CDU-Wirtschaftsflügel, Teilzeit-Recht

CDU-Wirtschaftsflügel will Teilzeit-Recht einschränken

28.01.2026 - 20:00:12

Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit kippen. Sein Vorstoß entfacht eine Grundsatzdebatte über die Zukunft der Arbeit in Deutschland. Die sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ steht im Fokus.

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU bringt einen Antrag auf den Bundesparteitag im Februar ein. Dieser sieht vor, den gesetzlichen Anspruch auf Arbeitszeitreduzierung nur noch für Menschen zu gewähren, die Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder sich weiterbilden. Für alle anderen soll er wegfallen.

MIT-Chefin Gitta Connemann begründet den Schritt mit der historisch hohen Teilzeitquote bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. Die deutsche Wirtschaft brauche mehr Arbeitsvolumen, so das Argument.

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Die Zahlen geben den Rahmen vor: Die Teilzeitquote in Deutschland erreichte im dritten Quartal 2025 mit 40,1 Prozent einen Rekordwert. Fast jede zweite erwerbstätige Frau, aber nur rund zwölf Prozent der Männer arbeiten in Teilzeit.

Kritiker des CDU-Vorstoßes sehen darin den Beweis: Teilzeit ist selten reine Lifestyle-Entscheidung, sondern oft Notwendigkeit. Vor allem Frauen reduzieren ihre Stunden wegen der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit.

Ökonomen warnen vor Rückschlag für Wirtschaft

Wirtschaftsexperten sehen den Vorstoß kritisch. DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnt vor schweren Schäden für die Konjunktur. „Ein solcher Schritt könnte der deutschen Wirtschaft großen Schaden zufügen“, so seine Prognose.

Seine Befürchtung: Nimmt man Vollzeitbeschäftigten die Option auf Teilzeit, verlassen einige den Arbeitsmarkt ganz. Das würde den Fachkräftemangel verschärfen, statt ihn zu lindern.

Andere Stimmen, wie vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), halten den gesetzlichen Teilzeitanspruch für überholt. Die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer sei heute stark genug, um Flexibilität auch ohne Gesetz durchzusetzen. Doch auch das IW räumt ein: Das Kernproblem liegt woanders.

Der Wunsch nach Autonomie prallt auf alte Strukturen

Die Debatte offenbart einen tiefen gesellschaftlichen Graben. Auf der einen Seite steht der breite Wunsch nach mehr Zeitautonomie und besserer Work-Life-Balance. Modelle wie die Vier-Tage-Woche gewinnen an Popularität.

Auf der anderen Seite stehen strukturelle Hürden: unzureichende Kinderbetreuung, steuerliche Fehlanreize und eine Unternehmenskultur, die Vollzeit oft noch als Norm sieht. Der CDU-Sozialflügel argumentiert daher, man müsse die Bedingungen für Vollzeit attraktiver machen, statt Rechte zu beschneiden.

Die Diskussion markiert eine Weichenstellung. Sie zwingt Politik und Wirtschaft zur Frage: Wie soll die Arbeitswelt von morgen aussehen? Die Antwort wird voraussichtlich mehr erfordern als eine einfache Gesetzesänderung.

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