Chevron Aktie: Wheatstone-Schaden eskaliert
30.03.2026 - 10:42:38 | boerse-global.deWochen, nicht Tage â so lautet die ernĂŒchternde EinschĂ€tzung von Chevron zur Reparatur des Wheatstone-LNG-Werks in Australien. Tropischer Wirbelsturm Narelle hat physische SchĂ€den an der Anlage hinterlassen, die eine schnelle Wiederaufnahme des Betriebs ausschlieĂen.
Wheatstone fÀllt lÀnger aus als erwartet
Chevrons australische Tochter bestĂ€tigte, dass Schadensbeurteilungen sowohl am Onshore-Werk als auch auf der Offshore-Plattform noch laufen. Bis die Produktion wieder auf voller KapazitĂ€t lĂ€uft, werden mehrere Wochen vergehen. Das Werk produziert jĂ€hrlich 8,9 Millionen Tonnen LNG â im Februar allein entsprach das 2,4 Prozent des weltweiten LNG-Handels, mit zehn Lieferungen nach Japan und einer nach Thailand.
Immerhin: Das gröĂere Gorgon-Werk mit einer KapazitĂ€t von 15,9 Millionen Tonnen lĂ€uft seit dem 29. MĂ€rz wieder mit allen drei ProduktionsstrĂ€ngen auf Volllast. Wheatstone bleibt das Problem.
Globaler LNG-Markt unter Druck
Der Ausfall trifft einen Markt, der ohnehin unter Stress steht. Die StraĂe von Hormus ist durch den Nahost-Konflikt faktisch blockiert, ein groĂes katarisches LNG-Exportwerk wurde Anfang des Monats auĂer Betrieb gesetzt. Analyst Saul Kavonic von MST Marquee schĂ€tzt, dass der Zyklon australische LNG-KapazitĂ€ten von ĂŒber 30 Millionen Tonnen jĂ€hrlich getroffen hat. In Kombination mit den Nahost-Schocks sind damit mehr als ein Viertel des globalen LNG-Angebots beeintrĂ€chtigt.
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Betroffen ist auch Woodside Energys North West Shelf-Anlage, die durch denselben Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zusammen mit Gorgon und Wheatstone deckte diese Anlage zuletzt fast die HĂ€lfte der australischen LNG-Exporte ab.
Kalifornien als zusÀtzliche Baustelle
Parallel dazu wĂ€chst der Druck auf Chevrons US-GeschĂ€ft. Das Unternehmen warnt, Kalifornien steuere wegen des Iran-Kriegs auf eine Energiekrise zu, und droht damit, das RaffinieriegeschĂ€ft im Bundesstaat aufzugeben, sollten Steuern und Regulierungen nicht gelockert werden. Rund 20 Prozent der raffinierten Kraftstoffe in Kalifornien stammen aus Asien â ein Lieferweg, der durch die aktuellen Verwerfungen stark belastet ist.
Um die Versorgung zu sichern, verschifft Chevron derzeit Rohöl von der GolfkĂŒste durch den Panamakanal nach Kalifornien. Geplante neue Emissionsregeln der California Air Resources Board könnten die Kosten fĂŒr die verbliebenen Raffinerien zusĂ€tzlich erhöhen â Chevron beziffert den Mehraufwand auf bis zu 500 Millionen Dollar innerhalb von fĂŒnf Jahren.
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Aktie hÀlt sich trotzdem
Die Aktie zeigt sich von den Belastungen bislang wenig beeindruckt. Am 29. MĂ€rz notierte sie bei 211,65 Dollar, nahe dem Bereichshoch von 212,46 Dollar â ein Plus von mehr als 13 Prozent gegenĂŒber Anfang MĂ€rz. Morgan Stanley-Analyst Devin McDermott hob sein Kursziel von 174 auf 212 Dollar an und bestĂ€tigte die Einstufung âOverweight".
RĂŒckendeckung liefert die Bilanz: Chevron erzielte 2025 einen bereinigten freien Cashflow von 20 Milliarden Dollar â ein Anstieg von ĂŒber 35 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, trotz eines ĂlpreisrĂŒckgangs von fast 15 Prozent. Die Investitionsausgaben sind bis 2030 auf 18 bis 21 Milliarden Dollar gedeckelt. Am 30. April legt Chevron Quartalszahlen vor â dann dĂŒrfte der finanzielle Einfluss des Wheatstone-Ausfalls erstmals konkret beziffert werden.
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