Trump provoziert Chicago
07.09.2025 - 19:01:58(Neu: Gouverneur Maryland letzter Absatz)
CHICAGO (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump zĂŒndelt weiter um ein mögliches Eingreifen mit MilitĂ€r in Chicago und hat erneut den BĂŒrgermeister und den Gouverneur des umliegenden Bundesstaats Illinois gegen sich aufgebracht. Er verbreitete am Samstag eine mit KĂŒnstlicher Intelligenz erstellte Grafik, die die Skyline der demokratisch regierten Millionenstadt zeigt und in Gestaltung und Wortwahl an den Film "Apocalypse Now", in dem es um einen Krieg geht, erinnert. Dort steht zu lesen: Chicago sei davor herauszufinden, warum das US-Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenannt wurde.
Trumps provozierender Post auf der Plattform Truth Social war mit den Worten "Ich liebe den Geruch von Abschiebungen am Morgen" versehen - eine Anspielung auf das bekannte Film-Zitat "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen." Wie so oft bei Trump blieb zunÀchst unklar, ob der Inhalt der Grafik wirklich als ernsthafte Drohung zu verstehen ist oder ob er es als PR-Aktion oder Ironie auslegen wird.
Der PrĂ€sident hatte zuvor angekĂŒndigt, gegen angeblich ausufernde KriminalitĂ€t in Chicago massiv einzuschreiten. In der Hauptstadt Washington, von ihm als "Rattenloch" bezeichnet, hatte er vor Wochen mit dieser BegrĂŒndung die Nationalgarde aktiviert und die örtliche Polizei unter Bundeskontrolle gestellt. Trump sagte nicht, was genau er in Chicago plant, wie weit diese PlĂ€ne gediehen sind, ob er erneut die Nationalgarde mobilisieren will oder wann ein solcher Einsatz beginnen könnte.
Gouverneur nennt Trump "Möchtegern-Diktator"
Politiker in Illinois nahmen Trumps Anspielung ernst. Illinois' demokratischer Gouverneur JB Pritzker schrieb auf X: "Der PrÀsident der Vereinigten Staaten droht damit, einer amerikanischen Stadt den Krieg zu erklÀren.
Das ist kein Witz. Das ist nicht normal." Und weiter:
"Donald Trump ist kein starker Mann, er ist verĂ€ngstigt. Illinois lĂ€sst sich von einem Möchtegern-Diktator nicht einschĂŒchtern."
BĂŒrgermeister: MĂŒssen uns vor Autoritarismus schĂŒtzen
Chicagos BĂŒrgermeister Brandon Johnson, ebenfalls ein Demokrat, nannte die Drohungen des Republikaners unwĂŒrdig fĂŒr einen PrĂ€sidenten. "Die RealitĂ€t ist, dass er unsere Stadt besetzen und unsere Verfassung brechen will", schrieb Johnson auf X. "Wir mĂŒssen unsere Demokratie vor diesem Autoritarismus verteidigen, indem wir uns gegenseitig schĂŒtzen und Chicago vor Donald Trump schĂŒtzen."
Razzien gegen Migranten - Proteste gegen Trump
In der WestkĂŒstenmetropole Los Angeles begrĂŒndete Trumps Regierung das Eingreifen und die Mobilisierung der Nationalgarde im Juni unter anderem mit angeblichem Chaos und Widerstand gegen Beamte der Einwanderungsbehörde ICE. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem kĂŒndigte unlĂ€ngst weitere EinsĂ€tze der Behörde an, die fĂŒr Razzien mit teils vermummten Beamten bekannt ist. In Chicago, Illinois und anderen Bundesstaaten habe es schon ICE-EinsĂ€tze gegeben - nun plane man zusĂ€tzliche Ressourcen dafĂŒr ein. Die Razzien fĂŒhren immer wieder zu Protesten gegen Trumps aggressive Migrationspolitik.
Chicago wĂ€re nach Los Angeles und Washington die dritte demokratisch regierte Stadt, in der der PrĂ€sident eingreift. In Washington wurde am Wochenende erneut gegen die MilitĂ€reinsĂ€tze Trumps gröĂer demonstriert. Der PrĂ€sident brachte bereits weitere GroĂstĂ€dte wie Baltimore im US-Bundesstaat Maryland ins Spiel. Auch ĂŒber MilitĂ€reinsĂ€tze in New York und New Orleans dachte er schon öffentlich nach.
Gouverneur kritisiert: Nationalgarde hat ZĂ€une gestrichen
Der Gouverneur von Maryland, Wes Moore, stellte am Sonntag in der Sendung "Meet the Press" bei NBC News infrage, ob der Einsatz der Nationalgarde tatsĂ€chlich zu einem RĂŒckgang der KriminalitĂ€t in der Hauptstadt gefĂŒhrt habe. Er bezifferte die Kosten auf mehr als eine Million Dollar pro Tag, dafĂŒr dass Soldaten etwa MĂŒll gesammelt und ZĂ€une gestrichen hĂ€tten. Trumps Post zu Chicago nannte er "peinlich".

