Chinas Energiewende: Erneuerbare überholen erstmals Kohle
23.03.2026 - 04:01:05 | boerse-global.deChina hat einen historischen Wendepunkt erreicht: Erstmals übersteigt die installierte Leistung aus Wind und Sonne die der fossilen Kraftwerke. Dieser Meilenstein fällt mit dem Start des neuen Fünfjahresplans zusammen, der die grüne Energie zur Grundlage der Wirtschaft erklärt.
Strategiewende: Der 15. Fünfjahresplan setzt auf sauberen Strom
Der am Montag, 23. März 2026, in Kraft getretene 15. Fünfjahresplan (2026–2030) markiert einen fundamentalen Kurswechsel. Sauberer Strom wird nicht mehr nur ergänzend gesehen, sondern zum primären Wachstumstreiber der Wirtschaft erklärt. Die Nationale Energiebehörde (NEA) stellt die Integration eines „neuen Energiesystems“ in den Mittelpunkt.
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Konkret soll der gesamte zusätzliche Strombedarf künftig aus nicht-fossilen Quellen gedeckt werden. Ein neues „Dual-Control“-System begrenzt sowohl die Gesamtemissionen als auch die Kohlenstoffintensität. Der Fokus liegt auf „hochwertigem Wachstum“. Dafür entstehen riesige Solar- und Windparks in den Wüsten- und Gobi-Regionen im Westen, die über ein wachsendes Netz von Ultrahochspannungsleitungen (UHV) mit den Industriezentren im Osten verbunden werden.
Historischer Meilenstein: Erneuerbare Kapazität übertrifft fossile Brennstoffe
Die Zahlen belegen den Umbruch: Mit neu installierten 430 Gigawatt in 2025 stieg die Gesamtleistung von Wind und Solar auf 1,84 Terawatt. Das entspricht 47,3 Prozent der gesamten chinesischen Kraftwerkskapazität – ein historischer Erstüberholung der fossilen Thermalkraft.
Prognosen deuten darauf hin, dass 2026 sogar die Solarkapazität allein die der Kohle übersteigen wird. Um diese volatile Einspeisung zu managen, setzt die Regierung auf Pumpspeicherkraftwerke und neue Speichertechnologien. Gleichzeitig beginnt die erste Generation alter Anlagen das Ende ihrer Lebensdauer zu erreichen, was den Aufbau von Recycling-Infrastruktur für Solarmodule und Rotorblätter erforderlich macht.
Geopolitische Triebkraft: Energiesicherheit durch Unabhängigkeit
Die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Störungen in der Straße von Hormus haben Chinas Drang nach energetischer Unabhängigkeit zusätzlich beschleunigt. Die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas soll reduziert werden.
Staatsunternehmen wurden angewiesen, Projekte für erneuerbare Energien und Kernkraft zu beschleunigen. Dazu zählen der Ausbau des Kernkraftwerks San’ao-1 und das Milliardenprojekt Bailong. Zudem wird eine dritte Hochspannungsleitung zwischen Xinjiang und Gansu gebaut, um sauberen Strom besser transportieren zu können. Das Ziel: Bis 2030 sollen nicht-fossile Energien 25 Prozent des Gesamtverbrauchs ausmachen.
Neue Regeln: Umweltgesetzbuch und strengerer Emissionshandel
Parallel zum Infrastrukturausbau verschärft China seine Gesetze. Der Nationale Volkskongress berät über ein umfassendes Umweltgesetzbuch, das über 1.200 bestehende Regelungen bündeln und den Klimazielen einen langfristigen rechtlichen Rahmen geben soll.
Der nationale Emissionshandel (ETS) wird 2026 auf sechs neue Sektoren wie die Petrochemie und Luftfahrt ausgeweitet. Neue Offenlegungspflichten für Unternehmen orientieren sich an internationalen Standards und folgen einem „doppelten Wesentlichkeitsprinzip“. Dies soll chinesischen Firmen den Zugang zum EU-Markt und die Compliance mit dem EU-Grenzausgleichssystem (CBAM) erleichtern.
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Industriepolitisches Kalkül: China als Technologieanbieter der globalen Wende
Die Energiewende ist auch Industriepolitik. Unter dem Schlagwort „neue qualitative Produktivkräfte“ treibt China den Wandel zur Hightech- und Grünen Ökonomie voran. Durch die Dominanz in globalen Lieferketten für Solarmodule, Windturbinen und Batterien positioniert sich das Land als zentraler Technologielieferant für die weltweite Dekarbonisierung.
Die Herausforderung: Kurzfristig wird die Kohlekapazität 2026 sogar einen Rekord erreichen, da bereits genehmigte Projekte fertiggestellt werden. Experten sehen darin jedoch das „letzte Aufbäumen“. Die Rolle der Kohle wandelt sich vom Grundlastträger zur Ausgleichsenergie für das volatile Ökostromnetz.
Ausblick: Verdopplung der Ökostrom-Leistung bis 2035
Die Marschroute ist klar: Bis 2035 soll die Wind- und Solarleistung auf über 3,6 Terawatt verdoppelt werden. Dafür sind ab sofort jährlich mindestens 120 Gigawatt neue Windkraft nötig – doppelt so viel wie zu Beginn des Jahrzehnts.
Die kommenden Jahre werden zudem die Kommerzialisierung von Wasserstoff für Industrie und Schwerlastverkehr vorantreiben. Um das Ziel der Kohlenstoffdioxid-Spitze bis 2030 zu erreichen, sind intelligente Netze, KI-gesteuertes Lastmanagement und massive Speicherprojekte unerlässlich. Die nächsten fünf Jahre werden zur entscheidenden Phase, um Chinas Wirtschaftswachstum von den Emissionen zu entkoppeln.
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