Corning, Aktie

Corning Aktie: Wendell Weeks verkauft 100.000 Aktien

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 01:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Trotz zahlreicher Kurszielerhöhungen für Corning reduziert der Vorstandsvorsitzende seinen Aktienbestand deutlich.

Corning Aktie: Analysten optimistisch, CEO verkauft Anteile
Abstrakte Darstellung eines leichten Abwärtstrends im Technologiesektor mit kühlen Farbtönen und sanften Schatten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Analysten überschlagen sich gerade mit Kurszielerhöhungen für Corning. Zeitgleich verkauft CEO Wendell Weeks Aktien im großen Stil. Diese Gegenläufigkeit wirft eine Frage auf, die sich Anleger vor den nächsten Quartalszahlen stellen müssen.

Am Freitag schloss die Corning-Aktie in Frankfurt bei 167,54 Euro, ein Minus von 0,53 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von rund 5 Prozent zu Buche. Der langfristige Trend bleibt trotzdem intakt: Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs nahezu vervierfacht, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei über 116 Prozent.

Analysten überbieten sich gegenseitig

Innerhalb weniger Tage haben gleich mehrere Häuser ihre Kursziele angehoben. Oppenheimer erhöhte von 210 auf 230 Dollar und vergibt ein "Outperform"-Rating. UBS startete neu mit 243 Dollar, Bank of America zog von 223 auf ebenfalls 243 Dollar nach. Mizuho setzte mit einem Sprung von 220 auf 270 Dollar den bislang mutigsten Akzent.

BofA-Analyst Wamsi Mohan lieferte die detaillierteste Begründung. Er erwartet für das zweite Quartal einen Umsatz von 4,65 Milliarden Dollar, über der Unternehmensprognose von etwa 4,6 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie rechnet er mit 76 Cent, nahe der oberen Grenze der Konzernspanne von 73 bis 77 Cent.

Treiber ist laut Mohan die Sparte Optical Communications. Der KI-Infrastrukturboom befeuert die Nachfrage nach Glasfaser, Verbindungstechnik und Verkabelung gleich auf mehreren Ebenen. BofA rechnet hier mit einem Quartalsumsatz von 2,05 Milliarden Dollar, ein Plus von gut 30 Prozent zum Vorjahr. Besonders das Unternehmenskundengeschäft soll um 45 Prozent auf 1,12 Milliarden Dollar zulegen, während der Carrier-Bereich um 17 Prozent auf 932 Millionen Dollar wächst.

Solar bremst, Zukunftstechnik lockt

Nicht jede Sparte läuft rund. Die Solarsparte gilt laut BofA als größte kurzfristige Belastung. Ein Wafer-Wechsel dürfte im zweiten Quartal zusätzliche Kosten von rund 30 Millionen Dollar verursachen und die Marge drücken, bevor sich der Effekt in der zweiten Jahreshälfte abschwächt. Im Bereich Glass Innovations erwartet die Bank dagegen ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, getragen von Spezialmaterialien.

Mit Blick auf die kommenden Jahre setzt Mohan zusätzliche Hoffnung auf die GlassBridge-Technologie und künftige Glassubstrate für fortschrittliche Halbleiterverpackungen, ein Thema, das laut BofA erst um 2029 bis 2030 richtig an Fahrt aufnehmen dürfte. Die Bank hob deshalb auch ihre langfristigen Schätzungen an: für 2028 auf 6,50 Dollar Gewinn je Aktie, für 2027 auf 5,00 Dollar. Beim Umsatz rechnet BofA mit 19,32 Milliarden Dollar in 2026, 24,88 Milliarden in 2027 und 30,57 Milliarden in 2028.

Führungskräfte trennen sich von Aktien

Während die Kursziele steigen, bauen Insider ihre Positionen ab. CEO Weeks verkaufte am 9. Juni 100.000 Aktien, ein Rückgang seiner Beteiligung um fast 10 Prozent. Vizepräsident John Zhang trennte sich bereits am 11. Mai von 10.000 Aktien zum Durchschnittspreis von 198,34 Dollar, umgerechnet knapp 1,98 Millionen Dollar. Seine verbleibende Position schrumpfte dadurch um mehr als 66 Prozent.

Über das gesamte letzte Quartal betrachtet haben Insider Aktien im Wert von rund 30,7 Millionen Dollar verkauft. Corporate Insider halten mittlerweile nur noch 0,25 Prozent des Unternehmens. Ein Blick allein reicht nicht, um daraus fundierte Rückschlüsse zu ziehen – Verkäufe können viele private Gründe haben. Auffällig bleibt das Timing trotzdem.

Bewertung mit Spielraum nach oben und unten

Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt das technische Bild konstruktiv. Der Kurs liegt aktuell nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber rund 49 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Zum Rekordhoch von 238,30 Euro, erreicht am 30. Juni, fehlen der Aktie derzeit knapp 30 Prozent.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 94,6 handelt Corning zu einer ambitionierten Bewertung. Der Analystenkonsens bleibt trotzdem bei "Kaufen", das durchschnittliche Kursziel liegt bei 206,60 Dollar – deutlich über dem aktuellen Niveau. BofA rechnet für das kommende Quartal mit einer Unternehmensprognose von rund 5,2 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie zwischen 87 und 91 Cent, getragen von robustem Unternehmenskundenwachstum und nachlassendem Solar-Gegenwind.

Der nächste Quartalsbericht wird zeigen, ob die Dynamik bei Optical Communications den Solar-Gegenwind ausgleichen und die jüngste Welle an Kurszielerhöhungen rechtfertigen kann.

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