CSRD, Anforderungen

CSRD: Weniger Unternehmen müssen berichten, doch die Anforderungen steigen

28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.de

Die EU hat die CSRD-Berichtspflichten für Unternehmen verschlankt, erhöht aber gleichzeitig die strategischen Ansprüche an die verbleibenden Berichtspflichtigen. Der Fokus liegt nun auf der doppelten Wesentlichkeit.

CSRD: Weniger Unternehmen müssen berichten, doch die Anforderungen steigen - Foto: über boerse-global.de
CSRD: Weniger Unternehmen müssen berichten, doch die Anforderungen steigen - Foto: über boerse-global.de

Die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung steht vor einer Zäsur. Nach der Vereinfachung der Regeln müssen zwar deutlich weniger Firmen offiziell berichten. Für die verbleibenden wird der Prozess jedoch strategischer und anspruchsvoller.

Omnibus-Paket entlastet Tausende Unternehmen

Die größte Veränderung trat am 19. März in Kraft: Die sogenannte Omnibus-Vereinfachung der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Die Schwellenwerte für die Pflicht zur Berichterstattung wurden deutlich angehoben. Künftig sind nur noch Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 450 Millionen Euro verpflichtet.

Anzeige

Während die Nachhaltigkeitsberichterstattung für viele Unternehmen komplexer wird, müssen auch grundlegende digitale Prozesse rechtssicher dokumentiert werden. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen in 5 einfachen Schritten, wie Sie die DSGVO-Vorgaben in Ihrem Betrieb vollständig umsetzen. Endlich: DSGVO-Umsetzung in 5 einfachen Schritten – mit fertiger Checkliste

Die Folge? Statt ursprünglich geschätzten 50.000 Firmen in Europa müssen nur noch etwa 5.000 verbindlich berichten. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das eine spürbare Entlastung, besonders für den Mittelstand. Viele Familienunternehmen fallen nun aus dem Pflichtbereich. Dennoch bleibt der Druck hoch: Große Abnehmer in der Lieferkette verlangen zunehmend standardisierte Nachhaltigkeitsdaten.

Für Unternehmen der ersten Berichtswelle, die eigentlich schon für das Geschäftsjahr 2024 hätten liefern müssen, gibt es eine Atempause. Sie erhalten eine zweijährige Befreiung für 2025 und 2026. Marktbeobachter stellen jedoch fest, dass viele DAX-Konzerne ihren ursprünglichen Zeitplan beibehalten. Der Grund: Sie wollen Investoren zufriedenstellen und frühzeitig globale Standards erfüllen.

Doppelte Wesentlichkeit wird zur strategischen Entscheidung

Das Herzstück der CSRD, die doppelte Wesentlichkeit, durchläuft einen Wandel. Sie entwickelt sich von einer bürokratischen Pflichtübung zu einem strategischen Management-Werkzeug. Die Aufsicht verlangt künftig weniger das Abhaken von Listen. Stattdessen rückt eine fundierte, qualitative Analyse des Geschäftsmodells in den Vordergrund.

Unternehmen müssen zwei Perspektiven vereinen: die Wirkungs-Wesentlichkeit (Wie beeinflusst das Unternehmen Umwelt und Gesellschaft?) und die Finanzielle Wesentlichkeit (Welche Risiken und Chancen ergeben sich aus Nachhaltigkeitsthemen für das Geschäft?). Diese Analyse soll Kapitalflüsse in Richtung langfristiger Resilienz lenken.

Die Aufseher achten besonders auf die Verankerung im Unternehmen. Erwartet wird ein klarer Nachweis, dass der Vorstand das Thema überwacht und dass die Ergebnisse auf höchster Managementebene diskutiert und hinterfragt wurden.

CDP 2026 wird zum Stresstest für die CSRD

Die Synergie zwischen der europäischen CSRD und dem globalen CDP-Rahmenwerk (ehemals Carbon Disclosure Project) ist so stark wie nie. Der Fragebogen für den Zyklus 2026, der ab der Woche des 20. April veröffentlicht wird, dient als praktischer Stresstest für die CSRD-Compliance.

Unternehmen können ihre CDP-Antworten nutzen, um große Teile der Anforderungen des europäischen Standards ESRS E1 (Klimawandel) zu erfüllen. Das spart erheblichen manuellen Aufwand. Neu im CDP-Fragebogen 2026 ist das Thema Ozeane. Zunächst noch unbewertet, zeigt es den regulatorischen Trend, auch die Meeresgesundheit in die Berichterstattung einzubeziehen. Der Fragebogen zu Wäldern wird ausgeweitet und bewertet nun auch Lieferketten für Kakao, Kaffee und Kautschuk.

Die Hürden für eine Top-Bewertung steigen. Für ein „A“ beim CDP müssen Unternehmen 2026 ihre direkten Emissionen (Scope 1 und 2) von unabhängiger Stelle verifizieren lassen und mindestens eine Kategorie der indirekten Emissionen (Scope 3) offenlegen.

Anzeige

Neben der ökologischen Berichterstattung rücken auch neue technologische Compliance-Vorgaben in den Fokus der Geschäftsführung. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, welche Anforderungen die neue EU-KI-Verordnung stellt und wie Sie Ihr Unternehmen rechtzeitig darauf vorbereiten. EU-KI-Verordnung kompakt: Endlich verständlich erklärt, welche Pflichten für Ihr Unternehmen gelten

Freiwillige Standards und der Blick auf 2027

Wohin entwickelt sich das System für die Unternehmen, die nun nicht mehr berichten müssen? Die europäischen Standard-Setter arbeiten an einer Lösung. Die Beratungsgruppe EFRAG startete am 25. März einen Aufruf zur Interessensbekundung. Ziel ist die Entwicklung eines freiwilligen Standards (VSME) für nicht-kleine Unternehmen außerhalb der CSRD-Pflicht.

Der Fahrplan für die kommenden Monate ist gesetzt: Die EU-Kommission will die überarbeiteten allgemeinen ESRS-Anforderungen im Sommer 2026 formal annehmen. Die Mitgliedstaaten haben dann bis März 2027 Zeit, die Omnibus-Änderungen in nationales Recht umzusetzen. Für die „Welle 2“ – große EU-Firmen mit über 1.000 Beschäftigten – werden die ersten Pflichtberichte nach den neuen Standards für das Geschäftsjahr 2027 fällig.

Experten raten, die aktuelle Atempause nicht zum Aufschieben zu nutzen. Sie biete vielmehr ein Zeitfenster, um Datenprozesse zu formalisieren und manuelle Abläufe zu automatisieren. Denn die Finanzbranche integriert Nachhaltigkeitsdaten immer stärker in ihre Kreditrisikobewertungen. Die Fähigkeit, auditierfähige Berichte nach dem Prinzip der doppelten Wesentlichkeit zu erstellen, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil an den europäischen Kapitalmärkten.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
boerse | 69008908 |