Cyber-Versicherer, KI-Risiken

Cyber-Versicherer schließen KI-Risiken zunehmend aus

07.02.2026 - 17:30:12

Cyberversicherungen deckeln oder schließen KI-Schäden aus, da künstliche Intelligenz das Risiko unkalkulierbar macht. Unternehmen müssen ihr Risikomanagement verstärken.

KI-gestützte Cyberangriffe werden zur größten Geschäftsgefahr – und die Versicherungsbranche zieht die Notbremse. Immer mehr Policen schließen Schäden durch künstliche Intelligenz aus oder deckeln sie stark. Für Unternehmen entsteht eine gefährliche Deckungslücke.

Die Bedrohungslage hat sich fundamental gewandelt. Künstliche Intelligenz industrialisiert die Cyberkriminalität: Deepfake-Anruge täuschen Mitarbeiter, KI-generierte Phishing-Mails sind kaum noch zu erkennen. Diese neue Qualität der Angriffe stellt nicht nur die IT-Sicherheit auf die Probe, sondern erschüttert die Grundlagen des Cyber-Versicherungsmarktes. Versicherer können die Schadenshöhen bei KI-Vorfällen kaum noch kalkulieren.

Allianz-Studie: Cyber und KI sind Top-Risiken 2026

Die wachsende Alarmstimmung in den Vorstandsetagen bestätigt das aktuelle Allianz Risk Barometer 2026. Die globale Umfrage unter Risikomanagern stuft Cyber-Vorfälle und damit verbundene KI-Risiken erneut als größte Geschäftsgefahr ein – zum fünften Mal in Folge. Neu ist die explizite Benennung der künstlichen Intelligenz als zentraler Risikotreiber.

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Analysen von Anfang Februar zeigen: KI-gestütztes Social Engineering macht bereits einen erheblichen Teil aller Cyberangriffe aus. Die Angreifer professionalisieren sich rasant, während die Verteidigung hinterherhinkt. Für Versicherer wird es immer schwieriger, mögliche Schadenssummen realistisch einzuschätzen.

Versicherer reagieren mit Deckelungen und Ausschlüssen

Die Branche antwortet mit einer restriktiveren Politik. Aktuelle Policen bieten oft nur noch unzureichenden Schutz gegen KI-gesteuerten Betrug. Versicherer deckeln die Deckungssummen für Social-Engineering-Schäden deutlich ab.

Ein drastischerer Schritt bahnt sich an: In den USA haben erste Versicherer seit Jahresbeginn Haftung für KI-Vorfälle aus allgemeinen Haftpflichtpolicen komplett ausgeschlossen. Das Risiko wird auf spezialisierte Cyber-Policen verlagert. Branchenkenner erwarten, dass solche KI-Ausschlussklauseln bald auch in deutschen Standardverträgen zur Norm werden. Sie würden alle Schäden aus dem Einsatz oder Versagen von KI-Systemen vom Schutz ausschließen.

Die Folgen: Existenzielle Lücken im Risikoschutz

Für Unternehmen, die KI in Kernprozessen nutzen, ist das eine existenzielle Bedrohung. Fällt eine KI-gesteuerte Produktionsanlage aus oder verursacht ein fehlerhafter Algorithmus Millionenschäden, bleiben die Firmen möglicherweise auf den Kosten sitzen.

Die Konsequenz: Das Risiko wird zurück auf die Unternehmen verlagert. Eine einfache Cyber-Police reicht nicht mehr. Stattdessen müssen Firmen ihr internes Risikomanagement massiv verstärken. Robuste Sicherheitsarchitekturen, regelmäßige Algorithmen-Checks und lückenlose Dokumentation der KI-Entwicklung werden zur Überlebensfrage.

Regulatorisches Vakuum verschärft das Problem

Die Zurückhaltung der Versicherer wird durch europäische Rechtsunsicherheit verstärkt. Die EU-Kommission zog ihren Vorschlag für eine KI-Haftungsrichtlinie bereits im Februar 2025 zurück, eine Einigung war nicht in Sicht. Ohne klaren rechtlichen Rahmen bleibt die Haftungslage unübersichtlich – und das Risiko für Versicherer unkalkulierbar.

Dies beschleunigt einen Wandel: Versicherer agieren immer weniger als reine Schadensregulierer, sondern als Risikomanagement-Partner. Sie fordern von Kunden hohe IT-Sicherheitsstandards, bevor sie überhaupt Schutz gewähren.

Ausblick: Teure Spezialpolicen für Vorreiter

Die Zukunft des Versicherungsschutzes ist zweigeteilt. Der Standard-Schutz für Cyber-Risiken wird enger. Parallel entsteht ein neuer Markt für teure Spezialpolicen oder Zusatzbausteine für KI-Risiken.

Doch diese sind nur für Unternehmen zugänglich, die nachweislich höchste Standards in KI-Sicherheit und Governance erfüllen. Für alle anderen gilt die dringende Empfehlung: Prüfen Sie jetzt Ihre bestehenden Verträge auf KI-Ausschlüsse. Die Annahme, eine Standard-Cyber-Police decke alle KI-Risiken ab, ist lebensgefährlich.

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