Cyberbetrüger nutzen Deepfakes in Videoanrufen
19.04.2026 - 22:00:54 | boerse-global.deSie geben sich als Polizisten oder Bankangestellte aus, um an sensible Daten zu gelangen. Sicherheitsbehörden weltweit warnen vor dieser neuen, interaktiven Betrugswelle, die vor allem über Plattformen wie Google Meet läuft.
Gefälschte Beamte fordern Bankdaten per Video
Die Polizei in Singapur warnt aktuell eindringlich vor einer neuen Masche. Seit Anfang April 2026 meldeten dort bereits 13 Opfer Betrug über Google Meet. Der Schaden liegt bei mindestens 32.000 Singapur-Dollar.
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Die Täter kontaktieren ihre Opfer zunächst über inoffizielle Kanäle. Dann starten sie einen Videoanruf. Darin treten sie in gefälschten Uniformen der Singapore Police Force auf und nutzen offizielle Logos. Sie behaupten, Probleme mit den Bankkonten der Opfer zu haben. Unter diesem Vorwind fordern sie Zugangsdaten, Kreditkartennummern und Einmalpasswörter.
„Echte Behörden fragen niemals per Videoanruf nach solchen Daten“, betont die Polizei. Ähnliche Fälle gab es in Vancouver. Dort lockten Betrüger Menschen zu Bitcoin-Automaten, nachdem sie sich als Bankangestellte ausgegeben hatten. Der Schaden: rund 10.000 Kanadische Dollar.
Deepfake-Fälle explodieren um das 28-Fache
Die technische Grundlage für diese Betrügereien sind Echtzeit-Deepfakes. Die Cyber Security Agency (CSA) Singapurs verzeichnete einen dramatischen Anstieg. Im ersten Quartal 2026 schnellte die Zahl der Video-Impersonationen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um das 28-Fache in die Höhe.
Allein im Januar 2026 gab es über 1.200 Fälle – im Vorjahresmonat waren es nur 43. Die finanziellen Verluste überschritten bereits in diesem einen Monat 47 Millionen Singapur-Dollar. Die Betrüger nutzen Apps wie DeepFaceLive, um in Echtzeit Gesichter und Stimmen zu manipulieren.
Der psychologische Druck in einem Videoanruf ist enorm. Experten raten zu einer einfachen Gegenmaßnahme: Bei verdächtigen Gesprächen eine bewusste Drei-Sekunden-Pause einlegen. Banken reagieren bereits und blockieren teilweise Transaktionen, die unmittelbar nach solchen Anrufen getätigt werden.
Globale Schäden steigen auf über 20 Milliarden Dollar
Die Professionalisierung der Cyberkriminalität schlägt sich in den Zahlen nieder. Ein Bericht des FBI zeigt: Die globalen Schäden stiegen 2025 auf 20,9 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Plus von 26 Prozent zum Vorjahr und eine Vervierfachung seit 2020.
Besonders lukrativ für Kriminelle waren Investmentbetrug (8,65 Mrd. USD) und betrügerische Geschäfts-E-Mails (3,05 Mrd. USD). Auffällig: Opfer über 60 Jahren trugen 37 Prozent der Gesamtschäden – etwa 7,75 Milliarden Dollar.
Neben den neuen Video-Methoden bleiben klassische Wege beliebt. In den USA warnte die Social Security Administration vor Phishing-Mails mit gefälschten Steuerdokumenten. In Nebraska häuften sich SMS-Betrügereien mit gefakten Strafzetteln.
KI soll Verbraucher vor Betrugsanrufen schützen
Als Reaktion auf die Bedrohung setzen Unternehmen auf automatische Abwehr. Vodafone UK startete im April 2026 eine KI-gestützte Scam-Call-Protection. Das System analysiert Anrufe im Netzwerk in Echtzeit und warnt Nutzer, noch bevor sie abheben. Schätzungsweise 29 Prozent aller Anrufe in Großbritannien sind unerwünscht.
Auch die Gerätesicherheit wird erhöht. Google integrierte in die Pixel-10-Serie einen speichersicheren DNS-Parser in der Programmiersprache Rust. Dies soll Schwachstellen wie Pufferüberläufe minimieren. Samsung verteilt umfangreiche Sicherheitsupdates für seine Galaxy-S-Modelle und kooperiert mit Thales für Enterprise-Sicherheit.
Doch die menschliche Komponente bleibt ein Risiko. Ein Test des Verbrauchermagazins Which? zeigte: 64 Prozent von über 200 getesteten Smartphones ließen sich seit 2022 mit einem einfachen 2D-Foto über die Gesichtserkennung entsperren. Experten raten weiter zu Fingerabdruckscannern oder mindestens sechsstelligen PINs.
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Gesunde Skepsis ist die beste Verteidigung
Die Bedrohungslage entwickelt sich rasant. Cyberkriminelle nutzen nicht mehr nur technische Lücken, sondern zielgerichtet die menschliche Psychologie. Die Fähigkeit, synthetische Medien zu erkennen, wird zur digitalen Kernkompetenz.
Erfolge der Strafverfolgung, wie die Zerschlagung der REvil-Bande durch deutsche Behörden, sind wichtig. Doch sie können den Strom neuer Akteure kaum eindämmen. Programme wie das thailändische Anti Cyber Scam Centre zeigen, dass schnelle Kontosperrungen Schäden begrenzen können.
Die eindeutige Warnung der Experten lautet: In einer Zeit, in der das Gegenüber im Video täuschend echt gefälscht sein kann, ist gesundes Misstrauen die wichtigste Verteidigung.
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