Cybersicherheit, EU-Regulierung

Cybersicherheit: EU-Regulierung trifft auf massive Umsetzungslücken

10.02.2026 - 06:14:12

Viele Firmen sind auf die strengen EU-Vorschriften zur digitalen Widerstandsfähigkeit nicht vorbereitet. Experten sehen erhebliche Lücken und warnen vor hohen Strafen.

Die neuen EU-Vorschriften NIS2 und DORA sollen Europas digitale Widerstandsfähigkeit stärken. Doch eine aktuelle Bestandsaufnahme offenbart alarmierende Defizite in den Unternehmen. Viele sind auf die strengen Anforderungen nicht vorbereitet.

Die Regulierungswelle rollt mit voller Wucht. Seit 2024 gelten die verschärfte NIS2-Richtlinie für kritische Infrastrukturen und der Digital Operational Resilience Act (DORA) für den Finanzsektor. Ihr Ziel: die Cyber-Resilienz in Europa fundamental verbessern. Die Realität in den Betrieben sieht jedoch düster aus. Experten diagnostizieren massive Lücken bei der Umsetzung – mit potenziell verheerenden Folgen.

Führungsebene in der Pflicht – und in der Haftung

Die größte Schwachstelle sitzt oft im Vorstand. Cybersicherheit ist kein rein technisches Problem mehr, sondern eine zentrale Führungsaufgabe. NIS2 und DORA schreiben vor, dass die Geschäftsleitung die Risikostrategie genehmigen und überwachen muss. Bei Fahrlässigkeit droht persönliche Haftung.

Doch die Praxis hinkt hinterher. Laut einer Analyse von PwC geben nur zwei Prozent der Unternehmen an, eine umfassende Cyber-Resilienz erreicht zu haben. In vielen Häusern fehlen klare Verantwortlichkeiten. Veraltete IT-Silos und eine unkontrollierte Schatten-IT erschweren eine strukturierte Risikobewertung. Die Aufsichtsbehörden werden genau prüfen, ob Sicherheit integraler Teil der Unternehmensstrategie ist.

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Ein regulatorisches Labyrinth für Unternehmen

Die Komplexität der neuen Regeln überfordert viele Organisationen. Sie müssen sich durch ein Dickicht aus sich überschneidenden Vorschriften kämpfen. Ein großes Problem: Die Umsetzung der NIS2-Richtlinie variiert in den EU-Mitgliedstaaten. Für international tätige Konzerne ist es fast unmöglich, einheitliche Standards zu etablieren.

Besonders heikel ist der „Incident Notification Chaos“. Ein einziger Sicherheitsvorfall kann gleichzeitig Meldepflichten nach NIS2 (innerhalb von 24 Stunden), DORA (bis zu vier Stunden für Finanzunternehmen) und dem bald kommenden Cyber Resilience Act (CRA) auslösen. Die umfangreichen Dokumentationspflichten stellen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor enorme administrative Herausforderungen.

Die Achillesferse: Unsichere Lieferketten

Ein weiteres kritisches Feld ist das Risikomanagement bei Drittanbietern. Beide Verordnungen verlangen, die Sicherheit der gesamten Lieferkette zu bewerten und vertraglich abzusichern. In der Praxis klaffen hier riesige Lücken.

Viele Firmen haben keinen vollständigen Überblick über ihre Abhängigkeiten von externen Dienstleistern. Sicherheitsanforderungen werden oft nur unzureichend an Partner weitergegeben. DORA verlangt von Banken und Versicherungen sogar eine kontinuierliche Überwachung und klare Ausstiegsstrategien. Angesichts geopolitischer Spannungen rückt dieses Thema für die Aufseher immer weiter in den Fokus.

Vom Störfaktor zur strategischen Notwendigkeit

Die identifizierten Lücken zeigen einen Paradigmenwechsel auf: Cybersicherheit wandelt sich vom lästigen Compliance-Thema zur überlebenswichtigen Geschäftsanforderung. Wer die neuen Regeln nur als Checkliste abhakt, riskiert mehr als hohe Bußgelder.

Bei NIS2 drohen Sanktionen von bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Schlimmer wiegen oft Betriebsunterbrechungen, Reputationsverlust oder der Entzug von Lizenzen. Analysten betonen, dass die Konsolidierung der IT-Sicherheitslandschaft unumgänglich ist. Integrierte Plattformen für Identitätsmanagement werden zur Grundlage – auch für den sicheren Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Die Schonfrist ist vorbei – jetzt muss gehandelt werden

2026 markiert das Ende jeglicher Übergangsperioden. Die nationalen Aufsichtsbehörden intensivieren ihre Prüfungen. Ab September kommt mit dem Cyber Resilience Act die nächste regulatorische Welle auf die Unternehmen zu.

Der Handlungsdruck ist enorm. Der erste Schritt muss eine umfassende Gap-Analyse sein, um die spezifischen Lücken zu identifizieren. Darauf folgt ein konkreter Fahrplan mit technischen Maßnahmen, angepassten Prozessen und Mitarbeiterschulungen. Unternehmen, die Resilienz als Chance begreifen, können nicht nur Strafen vermeiden, sondern auch Vertrauen und Wettbewerbsvorteile im digitalen Binnenmarkt gewinnen.

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