DAK-Report: Psychische Leiden verdrängen Rückenleiden auf Platz 3
28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.dePsychische Erkrankungen sind jetzt der zweithäufigste Grund für Fehltage. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport der DAK. Bei einem Expertendialog in Berlin diskutierten Entscheider über die Folgen für die Arbeitswelt. Ihr dringender Appell: Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) muss sich radikal ändern.
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Fehlzeiten bleiben auf hohem Niveau
Im Schnitt fehlten Beschäftigte 19,5 Tage im Jahr. Diese Quote stagniert zwar, verharrt aber auf einem historisch hohen Niveau. Besorgniserregend ist die Verschiebung der Krankheitsbilder. Depressionen und Angststörungen verursachten rund 366 Fehltage je 100 Versicherte. Damit verdrängen sie klassische Rückenleiden vom zweiten Platz.
Die Dauer der Ausfälle ist dabei besonders lang. Eine Krankschreibung wegen psychischer Diagnosen dauert durchschnittlich über 32 Tage. Das belastet die Betroffenen und führt in den Betrieben zu erheblichen Produktivitätsverlusten.
KI im BGM: Fluch oder Segen?
Ein Schwerpunkt des Dialogs war die Rolle Künstlicher Intelligenz. KI-Systeme könnten individuelle Gesundheitsrisiken früh erkennen und personalisierte Präventionsvorschläge machen. Chatbots als erste Anlaufstelle für mentale Hilfe sind ein denkbares Szenario.
Doch die DAK warnt vor den Schattenseiten. Unsachgemäßer Umgang mit digitalen Medien erhöht das Risiko für Mediensucht und soziale Isolation – besonders bei Jüngeren. Unternehmen müssten digitale Souveränität entwickeln. Die Forderung: Datenschutzkonforme und ethische KI-Lösungen sind Grundvoraussetzung für Akzeptanz.
Der Einsatz von KI am Arbeitsplatz unterliegt seit August 2024 strengen EU-weiten Regeln, um Risiken für die Beschäftigten zu minimieren. Erfahren Sie in diesem kompakten Leitfaden, welche Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten Ihr Unternehmen jetzt erfüllen muss. EU-KI-Verordnung kompakt: Endlich verständlich erklärt, welche Pflichten für Ihr Unternehmen gelten
DAK fordert Krankenstands-Gipfel im Kanzleramt
Angesichts der wirtschaftlichen Belastungen schlägt die DAK-Gesundheit Alarm. Sie fordert einen „Krankenstands-Gipfel“ im Bundeskanzleramt. Arbeitgeber, Gewerkschaften und Ärzte sollen dort gemeinsam Lösungen erarbeiten.
Ein viel diskutierter Vorschlag ist die Teilkrankschreibung. Nach skandinäischem Vorbild könnten Beschäftigte stundenweise arbeiten, statt vollständig auszufallen. Sollte das die Genesung fördern – oder erhöht es den Druck auf erkrankte Mitarbeiter? Die politische Debatte dazu gewinnt an Fahrt.
Vom Feigenblatt zum Wettbewerbsfaktor
In Zeiten des Fachkräftemangels wandelt sich das BGM. Es ist kein freiwilliges Sozialprogramm mehr, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor. Eine gesunde Kultur trägt maßgeblich zur Mitarbeiterbindung bei.
Doch die Realität zeigt eine Lücke: Weniger als die Hälfte der Beschäftigten hat überhaupt Angebote zur Gesundheitsförderung im Betrieb. Besonders im Fokus steht die Generation Z. Deren Krankenstand liegt zwar unter dem Durchschnitt, doch die psychische Vulnerabilität ist hoch. Ein modernes BGM muss generationenübergreifend agieren.
Branchen klaffen auseinander
Die wirtschaftlichen Kosten sind immens. 19,5 Fehltage pro Kopf kosten die deutsche Wirtschaft Milliarden. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen den Branchen.
Die Datenverarbeitungsbranche kommt mit einem Krankenstand von 3,4 Prozent vergleichsweise stabil durch. Das Gesundheitswesen hingegen kämpft mit Quoten von über 6 Prozent. Diese Ungleichheit erfordert differenzierte BGM-Ansätze, die über den Obstkorb hinausgehen.
Wohin steuert das BGM?
Die Bestrebungen in Berlin ließen einen Trend erkennen: hin zu verbindlicheren Rahmenbedingungen. Die Politik denkt über Anreize oder gesetzliche Mindeststandards nach, um die Sozialsysteme zu entlasten.
Zudem gewinnt „Healthy Aging“ an Bedeutung. Bei über 60-Jährigen ist die Dauer von Krankschreibungen doppelt so hoch wie im Schnitt. Betriebe brauchen Strategien, um die Arbeitsfähigkeit älterer Belegschaften zu erhalten. Die Zeit punktueller Maßnahmen ist vorbei. Die Zukunft gehört einem ganzheitlichen Management.
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