ROUNDUP, Intensive

Intensive Ukraine-Verhandlungen gehen in Berlin weiter

15.12.2025 - 06:35:15

Das diplomatische Ringen um ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs geht heute in Berlin auf höchster Ebene weiter.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj und die vom Sondergesandten Steve Witkoff angefĂŒhrte US-Delegation wollen ihre intensiven GesprĂ€che fortsetzen. Selenskyj wird zudem von Kanzler Friedrich Merz (CDU) empfangen, am Abend steht dann ein europĂ€isches Spitzentreffen unter anderem mit Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und der britischen Premierminister Keir Starmer an.

Die US-Seite hatte sich am Sonntagabend nach mehrstĂŒndigen GesprĂ€chen mit der ukrainischen Delegation im Kanzleramt positiv geĂ€ußert. Es seien "viele Fortschritte" erzielt worden, schrieb Witkoff auf der Plattform X. Der 20-Punkte-Friedensplan, Wirtschaftsthemen und andere Fragen seien intensiv erörtert worden. Man werde sich am Vormittag wieder treffen. Zur US-Delegation gehört auch der Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump, Jared Kushner.

Über welche VorschlĂ€ge beide Seiten im Detail verhandelten, war öffentlich zunĂ€chst nicht bekannt. Selenskyj verließ das Kanzleramt nach etwa fĂŒnfeinhalb Stunden wieder. Beide Seiten erklĂ€rten, die GesprĂ€che sollten am heutigen Montag fortgesetzt werden. In welchem Format war zunĂ€chst unklar.

Es gehe bei den aktuellen GesprĂ€chen weiterhin um die zentralen Fragen der von Russland geforderten Gebietsabtretungen, die Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew und um die Frage der Verwendung der in der EU eingefrorenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank, hieß es.

Russland Ă€ußert sich argwöhnisch

Russland nimmt nicht an den GesprĂ€chen teil. Sollte es demnĂ€chst einen zwischen den USA, der Ukraine und den EuropĂ€ern abgestimmten Friedensplan geben, wird zunĂ€chst weiter völlig offen sein, ob und inwieweit Moskau den VorschlĂ€gen zustimmen wird. Vor den jĂŒngsten GesprĂ€chen hatte sich Russland eher argwöhnisch geĂ€ußert. Die BeitrĂ€ge der EuropĂ€er und der Ukraine zu Trumps Friedensplan wĂŒrden "wohl kaum konstruktiv sein", meinte der außenpolitische Berater von Kremlchef Wladimir Putin, Juri Uschakow.

Öffentlicher Auftritt bei WirtschaftsgesprĂ€chen

Am Nachmittag werden Merz und Selenskyj bei deutsch-ukrainischen WirtschaftsgesprĂ€chen erwartet. FĂŒr den Abend hat Merz europĂ€ische Staats- und Regierungschefs sowie Spitzen von EU und Nato ins Kanzleramt eingeladen, um ĂŒber den Stand der Ukraine-GesprĂ€che zu beraten. Selenskyj wird mittags zudem von BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner empfangen.

In BrĂŒssel treffen sich unterdessen die EU-Außenminister, um unter anderem ĂŒber den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu sprechen und eine weitere VerschĂ€rfung des Vorgehens gegen die sogenannte russische Schattenflotte zu beschließen.

VerÀnderte Schwerpunktsetzung bei Verhandlungspositionen

Auf dem Weg nach Berlin hatte Selenskyj einen kleinen Einblick in die aktuellen Verhandlungspositionen der ukrainischen Seite gegeben. Demnach sei es derzeit aussichtslos als Sicherheitsgarantie auf einem Nato-Beitritt zu beharren. Als neues Verhandlungsziel gab er daher verbindliche "bilaterale Sicherheitsgarantien" mit den USA und anderen LĂ€ndern aus.

Die Garantien sollten dabei in etwa dem Artikel fĂŒnf des Nato-Vertrages entsprechen, also zumindest die Möglichkeit eines direkten militĂ€rischen Beistands im Falle einer erneuten russischen Invasion eröffnen. "Das ist bereits ein Kompromiss von unserer Seite", teilte Selenskyj mit.

Kiew kann sich Selenskyj zufolge nicht erlauben, an ein Scheitern des derzeitigen Verhandlungsprozesses zu denken. Falls dieser doch scheitere, dann "mĂŒssen wir uns zusammenreißen, einen anderen Weg finden und erneut alles dafĂŒr tun, dass dieser Krieg endet", sagte der PrĂ€sident.

Kein direkter Dialog mit russischer Seite

Selenskyj betonte dabei, dass es derzeit keinen direkten Dialog mit der russischen Seite gebe. Vielmehr ĂŒbermittle die amerikanische Seite, die russischen Positionen. Kiew wiederum bespreche mit den USA nicht nur die bilateralen Beziehungen, sondern auch die ukrainische Reaktion auf die "Signale der Russen". Kompromisse von der russischen Seite seien nur zu erwarten, wenn die USA und andere VerbĂŒndete Druck ausĂŒbten.

Washington versucht seit November, den seit fast vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg mit einem neuen Friedensplan zu beenden. Die erste Fassung des Plans wurde von Kiew und den EuropĂ€ern als viel zu russlandfreundlich kritisiert. Nach verschiedenen Verhandlungsrunden kam es zu neuen EntwĂŒrfen des vorgeschlagenen Friedensplans.

@ dpa.de