Bundesregierung, Anwendung

Bundesregierung setzt auf vorlÀufige Anwendung von Mercosur-Abkommen

29.01.2026 - 13:57:56 | dpa.de

Das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird nach EinschĂ€tzung der Bundesregierung noch vor Abschluss einer ÜberprĂŒfung durch den EuropĂ€ischen Gerichtshof angewandt werden können.

"Ich gehe davon aus, dass es möglich sein wird, Mercosur provisorisch im Laufe des Jahres in Kraft zu setzen", sagte Außenminister Johann Wadephul bei einem EU-Treffen in BrĂŒssel. Dies könne zeigen, dass Europa als Handelspartner verlĂ€sslich und attraktiv sei.

Die EU-Kommission hatte zuletzt immer wieder betont, dass eine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber die vorlĂ€ufige Anwendung des Abkommens noch nicht gefallen sei. Mit dem Schritt wĂŒrden die BrĂŒsseler Behörde und die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten auf Konfrontationskurs zum EuropĂ€ischen Parlament gehen. Dieses hatte zuletzt mit knapper Mehrheit beschlossen, den EuGH vor der Entscheidung ĂŒber die abschließende Ratifizierung untersuchen zu lassen, ob das Abkommen mit EU-Recht vereinbar ist.

Kritiker wollen Abkommen ausbremsen

Kritiker des Abkommens erhoffen sich von dem Schritt auch, dass dadurch das Inkrafttreten mindestens bis zur Veröffentlichung des EuGH-Gutachtens verzögert wird. Nach Rechtsauffassung des Rates der Mitgliedstaaten kann es allerdings schon vorher vorlÀufig angewandt werden, sobald es von mindestens einem Mercosur-Staat ratifiziert wurde. Dieser Schritt wird noch in der ersten JahreshÀlfte erwartet.

Der Mercosur-Deal war am Jahresbeginn in Paraguay nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen unterzeichnet worden und soll eine neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern schaffen. Durch den Abbau von Handelsbarrieren und Zöllen soll der Austausch von Waren und Dienstleistungen angekurbelt werden.

Besonders große Chancen werden fĂŒr die Autoindustrie, den Maschinenbau und die Pharmabranche gesehen. Auf Autoimporte in die Mercosur-LĂ€nder wird beispielsweise derzeit ein Zoll in Höhe von 35 Prozent fĂ€llig.

EuropĂ€ische Landwirte fĂŒrchten allerdings die Konkurrenz aus den Mercosur-Staaten und sprechen von einer Existenzbedrohung fĂŒr die europĂ€ische Landwirtschaft. In SĂŒdamerika können etwa Agrarprodukte wie Rindfleisch gĂŒnstiger produziert werden als in Europa. Die EU-Kommission weist dies entschieden zurĂŒck. Um einen ruinösen Preiswettbewerb zu vermeiden, gibt es weitreichende Sicherheitsklauseln.

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