HRW: Israel behindert Wiederaufbau im Libanon
15.12.2025 - 19:06:05Angriffe des israelischen MilitĂ€rs auf AusrĂŒstung fĂŒr Wiederaufbauarbeiten und andere zivile Einrichtungen im SĂŒden des Libanons stellten mutmaĂliche Kriegsverbrechen dar, hieĂ es in einem Bericht.
Die israelische Armee teilte dagegen mit, die libanesische Hisbollah-Miliz versuche zunehmend, beschĂ€digte militĂ€rische Infrastruktur im SĂŒdlibanon wiederaufzubauen. Die libanesische Armee gehe nicht ausreichend gegen diese AktivitĂ€ten vor, die einen eklatanten VerstoĂ gegen die Waffenruhe darstellten. Im Rahmen des Vorgehens gegen die Hisbollah greife die israelische Armee auch technisches GerĂ€t an, das zum militĂ€rischen Wiederaufbau missbraucht werde. Diese GerĂ€te dienten nicht dem zivilen Wiederaufbau.
Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023, beschoss die libanesische Hisbollah den Norden Israels. Aus einem monatelangen gegenseitigen Beschuss entwickelte sich im Herbst vergangenen Jahres ein offener Krieg. Obwohl im November 2024 eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah geschlossen wurde, greift das israelische MilitĂ€r nahezu tĂ€glich weiter im Libanon. Es wirft der Hisbollah entgegen dem Abkommen vor, erneut aufzurĂŒsten.
Zwischen Oktober 2023 und Januar 2025 wurden HRW zufolge im SĂŒdlibanon mehr als 10.000 GebĂ€ude schwerbeschĂ€digt oder zerstört. Anwohner und Gemeindeverantwortliche berichteten den Menschenrechtlern, dass die Angriffe den Wiederaufbau und die RĂŒckkehr von Zehntausenden Vertriebenen verzögerten.
Libanon-Experte: "Angriffe verhindern Wiederaufbau"
HRW untersuchte vier Angriffe auf LagerstĂ€tten fĂŒr schwere Maschinen, Zement- und Asphaltfabrik im SĂŒdlibanon. Ăber 360 Bulldozer, Bagger und anderes GerĂ€t seien zerstört worden, ebenso wie eine Fabrik, in der rund 60 Menschen beschĂ€ftigt waren.
Israels MilitĂ€r hatte behauptet, die zerstörten AusrĂŒstungen gehörten zur Hisbollah. HRW fand jedoch keine Hinweise auf militĂ€rische Ziele an oder in der NĂ€he der betroffenen Orte. Die Organisation erklĂ€rte, dass zivile Infrastruktur nach internationalem Recht kein legitimes Ziel sei, auch wenn sie spĂ€ter möglicherweise militĂ€risch genutzt werden könnte.
"Nachdem das israelische MilitĂ€r viele der sĂŒdlichen GrenzstĂ€dte dem Erdboden gleichgemacht hat, erschwert es nun zehntausenden Bewohnern erheblich, ihre zerstörten HĂ€user wieder aufzubauen und in ihre StĂ€dte zurĂŒckzukehren", sagte Ramsi Kaiss, Libanon-Experte bei Human Rights Watch. Die Organisation forderte Israel auf, Angriffe auf zivile Infrastruktur zu stoppen. Israels Armee gab dagegen an, angeblich zivile Organisationen im Libanon dienten als Tarnung fĂŒr den Wiederaufbau der Hisbollah.

