Treffen von Trump und Selenskyj ohne greifbare Ergebnisse
29.12.2025 - 06:30:32Auf die Frage, wann ein Abkommen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs möglich sei, sagte Trump bei der gemeinsamen Pressekonferenz: "Wenn es wirklich gut lÀuft, vielleicht in ein paar Wochen. Und wenn es schlechter lÀuft, lÀnger. Und wenn es wirklich schlecht lÀuft, dann wird es nicht passieren."
Russland war als entscheidender Akteur fĂŒr eine Beendigung des Angriffskrieges gegen die Ukraine an den Verhandlungen nicht beteiligt. Trump telefonierte zwar vor seinem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin, aber erkennbare Fortschritte in Richtung Frieden gab es dabei nicht. Putin hatte zuvor auch öffentlich erklĂ€rt, dass Moskau seine Kriegsziele auch auf dem Schlachtfeld erreichen könne, wenn Selenskyj die Forderungen Moskaus etwa nach Gebietsabtretungen im Donbass - konkret im Raum Donezk - ablehne.
Selenskyj sprach von einem guten Treffen mit Trump. Der Ukrainer dĂŒrfte einmal mehr deutlich gemacht haben, dass sein Land in der Lage sei, Gebiete zu verteidigen und auch zurĂŒckzuerobern. Er kann dabei auf Milliardenhilfen der EU-Staaten setzen. Eine Kapitulation und einen Diktatfrieden Moskaus lehnt er kategorisch ab.
Selenskyj: Teams treffen sich in den kommenden Wochen
Selenskyj sagte nach dem Treffen: "Wir haben vereinbart, dass sich unsere Teams in den kommenden Wochen treffen werden, um alle besprochenen Angelegenheiten abzuschlieĂen." Im Januar könnte es ein Treffen in Washington mit Trump, den Ukrainern und EuropĂ€ern geben, kĂŒndigte er an. Das Treffen in Miami folgte auf frĂŒhere Verhandlungen in Genf und Berlin. Der Ukrainer war auĂerdem schon mehrmals in diesem Jahr im WeiĂen Haus.
Das bilaterale Treffen in Trumps Privatclub Mar-a-Lago fand ohne Russland statt. Sein Telefonat mit Putin nannte Trump "gut und sehr produktiv". Gefragt nach den Inhalten sagte Trump, dem viele Kritiker seine RusslandnĂ€he vorhalten: "Russland wĂŒnscht sich den Erfolg der Ukraine." Diese EinschĂ€tzung nahm Selenskyj sichtlich verwundert auf. Russland hatte das Nachbarland im Februar 2022 ĂŒberfallen. Seither wehrt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen die Invasion.
Kernpunkte bleiben ungeklÀrt
UngeklĂ€rt ist vor allem ein Kernpunkt fĂŒr ein kĂŒnftiges Friedensabkommen - und zwar die Forderung Russlands nach Gebietsabtretungen der Ukraine im Gebiet Donezk. Es geht um jene Regionen dort, die Kiew bisher kontrolliert und Moskau nicht erobern konnte, aber beansprucht. Selenskyj hatte stets abgelehnt, fĂŒr einen Moskauer Diktatfrieden die 30 Prozent Territorium aufzugeben.
Trump, der die Ukraine frĂŒher bereits selbst zum Gebietsverzicht aufgerufen hatte, sprach von einer "schwierigen Frage". Bei seinem GesprĂ€ch mit Putin dĂŒrfte auch dieser Punkt Thema gewesen sein. Putin besteht darauf, dass Selenskyj fĂŒr einen Frieden die Truppen aus Donezk abzieht.
Als Kompromiss ist Russland allenfalls bereit zuzugestehen, dass statt Soldaten in dem Gebiet die Nationalgarde und die Polizei die Kontrolle ĂŒbernehmen. Die russische Nationalgarde ist allerdings auch militĂ€risch organisiert. Putins auĂenpolitischer Berater Juri Uschakow teilte nach dem GesprĂ€ch zwischen dem Kremlchef und Trump mit, dass die Ukraine verantwortliche Entscheidungen treffen mĂŒsse.
Arbeitsgruppe fĂŒr die Lösung weiterer Fragen
Putin machte laut Uschakow in dem Telefonat, das eine Stunde und 15 Minuten dauerte, einmal mehr deutlich, dass fĂŒr ihn die im August mit Trump in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska besprochenen Vereinbarungen weiter GĂŒltigkeit hĂ€tten. Putin hatte sich bereiterklĂ€rt, einen 28-Punkte-Plan Trumps als Grundlage fĂŒr Verhandlungen zu akzeptieren. Ein Plan mit 20 Punkten, den Selenskyj nach Verhandlungen mit der US-Seite und EuropĂ€ern an Heiligabend vorgelegt hatte, stieĂ in Moskau dagegen auf Ablehnung.
GegrĂŒndet werden soll nun eine Arbeitsgruppe fĂŒr die Lösung weiterer Fragen, die Anfang Januar ihre Arbeit aufnehmen soll. Von US-Seite dabei sind unter anderem Trumps UnterhĂ€ndler Steve Witkoff, der PrĂ€sidenten-Schwiegersohn Jared Kushner, AuĂenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine.
Keine konkreten Fakten
AuffĂ€llig war, dass weder Trump noch Selenskyj ĂŒber konkrete Fakten zu möglichen Fortschritten sprachen. Der US-PrĂ€sident unterstrich erneut, dass er daran glaube, dass ein Ende des Krieges herbeigefĂŒhrt werden könne. Er sagte aber auch, das sei kein Deal, den man an einem Tag vereinbare. Er hielt sich auffĂ€llig zurĂŒck. FĂŒr Selenskyj sind besonders Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine wichtig, damit das Land im Fall eines Waffenstillstandes vor kĂŒnftigen russischen Angriffen geschĂŒtzt ist. Der Ukrainer sagte, dass es hier eine Einigung gegeben habe. Eine BestĂ€tigung dafĂŒr gab es nicht.
Selenskyj und Trump sprachen auch per Videoschalte mit mehreren europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs, darunter Kanzler Friedrich Merz (CDU), der britische Premier Keir Starmer, Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Die deutsche Politikerin schrieb danach bei X, es sei ein gutes, einstĂŒndiges GesprĂ€ch gewesen. "Es wurden gute Fortschritte erzielt, die wir begrĂŒĂen." Europa sei bereit, die Zusammenarbeit mit der Ukraine und den USA fortzusetzen, um diese Fortschritte zu festigen.
Macron bestĂ€tigte spĂ€ter auf X: "Wir machen Fortschritte bei den Sicherheitsgarantien." Hintergrund ist die ukrainische Forderung, dass die USA als Schutzmacht die Ukraine nach einem Waffenstillstand vor kĂŒnftigen russischen Angriffen abschirmen. Anfang Januar werde zudem die sogenannte Koalition der Willigen in Paris zusammenkommen, "um die konkreten BeitrĂ€ge jedes einzelnen Landes endgĂŒltig festzulegen", schrieb Marcon weiter.
Wie geht es jetzt weiter?
Der US-PrÀsident hatte vor dem Start des GesprÀchs mit den Ukrainern in Aussicht gestellt, dass er nach dem Treffen nochmals mit Putin sprechen wolle. Es blieb unklar, wann dieses Telefonat stattfinden wird.
Vor dem Treffen hatte Selenskyj auf X geschrieben, dass Russland mit seinen tÀglichen Luftangriffen zeige, dass es kein Interesse an einem Friedensschluss habe. Allein in dieser Woche habe Russland mehr als 2.100 Angriffsdrohnen, etwa 800 Gleitbomben und 94 Raketen abgefeuert. "Alles gegen unser Volk, gegen das Leben und alles, was es normal macht - vor allem gegen unsere Energieinfrastruktur." Er rief die westlichen Partner seines Landes auf, alle Sanktionen und den politischen Druck gegen Russland aufrechtzuerhalten.

