Zweifel an Entlassung von Fed-Direktorin Cook
21.01.2026 - 20:31:52Bei einer fast zweistĂŒndigen Anhörung Ă€uĂerten Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern Skepsis gegenĂŒber den VorwĂŒrfen der Regierung und betonten die besondere verfassungsrechtliche Stellung und UnabhĂ€ngigkeit der Federal Reserve.
Trump begrĂŒndet den Entlassungsversuch mit dem Vorwurf, Cook habe vor ihrem Amtsantritt bei HypothekengeschĂ€ften falsche Angaben gemacht. Sie weist die Anschuldigungen zurĂŒck. Der PrĂ€sident hatte dabei versucht, Cook bereits wĂ€hrend des laufenden Gerichtsverfahrens aus dem Amt zu entfernen. Bundesgerichte entschieden jedoch, dass sie bis zu einer KlĂ€rung weiterarbeiten darf. Im vergangenen Monat wandte sich Trump daraufhin mit einem Eilantrag an den Supreme Court, um die sofortige Entlassung der Notenbank-VorstĂ€ndin durchzusetzen.
Richter: UnabhÀngigkeit der Federal Reserve in Gefahr
Richterinnen und Richter betonten bei der Anhörung vor dem Obersten Gericht, eine sofortige Entlassung könne die UnabhĂ€ngigkeit der US-Notenbank "schwĂ€chen oder sogar zerstören" und sei daher anders zu bewerten als bei anderen unabhĂ€ngigen Behörden. Mehrfach wurde kritisiert, dass Cook bislang keine ausreichende Möglichkeit erhalten habe, die VorwĂŒrfe gegen sie anzufechten. Zudem stellten mehrere Richter infrage, ob es einen zwingenden Grund fĂŒr ein rasches Eingreifen des Supreme Court gebe, statt zunĂ€chst die Tatsachen in den unteren Instanzen klĂ€ren zu lassen.
US-Medien bewerten die Anhörung nahezu einhellig so, dass der Supreme Court Trumps Eilantrag wohl ablehnen dĂŒrfte - Cook bliebe damit vorerst im Amt, wĂ€hrend das Verfahren weiterlĂ€uft. Eine endgĂŒltige Grundsatzentscheidung zu Trumps VorwĂŒrfen ist möglich, aber nicht zwingend sofort zu erwarten.
GrundsĂ€tzliche Frage ĂŒber Trumps Machtbefugnisse
Hinter der Personaldebatte steht die grundsĂ€tzliche Frage, inwieweit ein US-PrĂ€sident Einfluss auf die gesetzlich unabhĂ€ngige US-Zentralbank nehmen darf und ob Trump mit seinem Entlassungsversuch die Grenzen seiner Macht ĂŒberschritten hat. Der US-Sender CNN fasste die Anhörung in einem Kommentar mit der EinschĂ€tzung zusammen, Trump sei dabei offenbar an eine der letzten roten Linien in Washington gestoĂen.
Cook ist eines von sieben Mitgliedern des Fed-Vorstands. Diese werden vom PrĂ€sidenten vorgeschlagen und anschlieĂend vom Senat bestĂ€tigt. Zuletzt wurde auch Stephen Miran, ein frĂŒherer Trump-Berater, in das Gremium berufen. Sollte Trump Cook tatsĂ€chlich entlassen dĂŒrfen, könnte er einen weiteren Sitz im Fed-Vorstand nach seinen Vorstellungen besetzen und damit zusĂ€tzlichen Einfluss auf den geldpolitischen Kurs der wichtigsten Zentralbank der Welt gewinnen.
Warum Trump Kontrolle ĂŒber die Federal Reserve haben will
Mit einer weiteren Vakanz im Fed-Vorstand könnte Trump seinem Ziel stĂ€rkerer Zinssenkungen nĂ€herkommen. Sein Argument: Niedrigere Zinsen wĂŒrden die Konjunktur in den USA stĂŒtzen und es erleichtern, die stark wachsende Staatsverschuldung zu finanzieren. Zuletzt hatte die Federal Reserve den Leitzins in mehreren Schritten gesenkt. Viele Ăkonomen erwarten fĂŒr dieses Jahr im Schnitt zwei weitere Senkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte.
Die bisherigen Entscheidungen der Notenbank reichen Trump jedoch nicht aus. Seit Monaten setzt er den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell öffentlich unter Druck und forderte wiederholt dessen RĂŒcktritt - obwohl rechtlich umstritten ist, ob er ihn ĂŒberhaupt entlassen dĂŒrfte. Zuletzt leitete das US-Justizministerium Ermittlungen gegen Powell ein und stellte der Notenbank Vorladungen zu. Powell sieht darin einen Versuch politischer Einflussnahme.
Die Drohung mit einer Anklage sei eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinspolitik "nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den PrĂ€ferenzen des PrĂ€sidenten folgt", sagte Powell. Er werde sein Amt weiterhin "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes" ausfĂŒhren.

