VERMISCHTES/ ROUNDUP: Kehlsteinhaus an Hitlers Obersalzberg in Flammen
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 14:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVermutlich ist ein Brandstifter fĂŒr das Feuer verantwortlich. Ein Motorradfahrer, der den EinsatzkrĂ€ften auf dem Weg zum Brandort entgegenkam, sei festgenommen worden, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur. Die aus der Region kommende Person sei verletzt worden und befinde sich zunĂ€chst im Krankenhaus. Die Ermittlungen haben Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in Traunstein ĂŒbernommen.
Hitlers "Eagles Nest"
Das Kehlsteinhaus war in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird inzwischen als frei zugĂ€ngliche BerggaststĂ€tte genutzt. International ist das Ausflugsziel als "Eagles Nest" bekannt, was mit "Adlerhorst" ĂŒbersetzt werden kann.
Das historisch bedeutsame und jedes Jahr von Zehntausenden Menschen besuchte Haus soll nach den Worten Herrmanns wieder aufgebaut werden. "Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können", sagte der Innenminister, in dessen ZustĂ€ndigkeit das GebĂ€ude fĂ€llt. Der Freistaat Bayern ist EigentĂŒmer, verwaltet wird das 1.834 Meter hoch gelegene Berglokal von der kommunalen Berchtesgadener Landesstiftung, die es in NieĂbrauch unterhĂ€lt.
Sachschaden noch völlig unklar
Die Höhe des Sachschadens ist wegen der unklaren Situation am Brandort und auch der historischen Einordnung noch völlig unklar. Menschen wurden bei dem Brand nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt. Allerdings konnte das Areal auch am Samstagmorgen zunÀchst nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche zusÀtzlich erschwerte.
Die bereits am Freitagabend begonnenen Löscharbeiten liefen am Samstag weiter. Die ersten RettungskrĂ€fte waren nach Angaben des PolizeiprĂ€sidiums Oberbayern SĂŒd um 21.52 Uhr eingetroffen und hatten einen GroĂbrand festgestellt.
Schwierige Löscharbeiten
Die Löscharbeiten gestalteten sich ausgesprochen schwierig. Unter anderem behinderten Regen und Schneefall den Einsatz. Auch mit der Zufuhr von ausreichend Löschwasser habe es Probleme gegeben, sagte Herrmann. Die LöschzĂŒge mussten 700 Höhenmeter ĂŒberwindend und sich dabei die steile KehlsteinstraĂe hinaufquĂ€len - ein Löschhubschrauber konnte nicht eingesetzt werden. Der starke Wind machte den EinsatzkrĂ€ften zusĂ€tzlich zu schaffen.
Das Haus am Obersalzberg unweit der Grenze zu Ăsterreich ist schwer zu erreichen - normalerweise wird das Kehlsteinhaus mit Bahnbussen der sogenannten Kehlsteinline fĂŒr die jĂ€hrlich unzĂ€hligen Touristen aus dem In- und Ausland erschlossen. Die letzten 100 Höhenmeter ĂŒberwindet ein Lift durch den Berg oder ein FuĂweg. Laut Deutscher Bahn dauert die Auffahrt 20 Minuten und verlĂ€uft durch fĂŒnf Tunnels. Das Gebiet wurde weitrĂ€umig abgesperrt.
Erbaut in NS-Zeit
Das GebĂ€ude ist seit 1952 eine BerggaststĂ€tte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem damals abgeriegelten und fĂŒr die Ăffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen FĂŒhrung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des GebĂ€udes.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite ĂŒber das Haus: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer ReprĂ€sentationsort abseits der Ăffentlichkeit dienen. TatsĂ€chlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering." HĂ€ufig sei das Haus von der am Obersalzberg versammelten NS-Entourage zur Erholung und fĂŒr private Feiern genutzt worden. Adolf Hitler soll im Gegensatz zu seiner spĂ€teren Ehefrau Eva Braun nur selten im Kehlsteinhaus gewesen sein.
